Das Thema hat Aufreger-Potenzial par excellence. Wenn es um Löhne geht, solche von Medizinern zumal, die sich nahe an der Millionengrenze bewegen, kocht die Volksseele. Das ist auch bei den endlich bekannt gewordenen Zahlen über den bestbezahlten Kaderarzt bei den kantonseigenen Solothurner Spitälern (soH) nicht anders. Nicht weniger als 886'710 Franken verdient er – das sind 320'000 Franken mehr als der Spitzenverdiener vor fünf Jahren. Eine schwer verständliche Steigerung.

Es ist deshalb höchste Zeit, dass das Lohnsystem angepasst wird. Dabei geht es um die Bezüge der Kaderärzte an sich, vor allem aber um die falschen Anreize, die das geltende Honorarsystem setzt. Konkret: Wer mehr Patienten behandelt, erhält mehr Geld. Das ist an sich logisch, aber nicht unbedingt sinnvoll. Denn die Gefahr, dass auf Teufel komm raus Fälle gebolzt werden, ist immanent. 

Wenn das neue Entschädigungssystem nun von der schieren Menge behandelter Patienten wegkommt und sich Richtung Effizienz und Qualität entwickelt, ist das zu begrüssen. In trockenen Tüchern ist die Sache aber noch nicht. Es formiert sich ärztlicher Widerstand gegen die Einführung des neuen Lohnsystems. Was insofern nicht überrascht, als dabei auch Besitzstände angetastet werden. Und das ist unpopulär. 

Umso wichtiger ist, dass die soH konsequent ihren Weg gehen und sich nicht beirren lassen. Dies umso weniger, als neu angestellte Ärzte bereits nach dem neuen System entlöhnt werden. Zwei Lohnmodelle unter einem Dach vertragen sich nicht.

Balz.Bruder@chmedia.ch