Als ihm der Autofahrer eins in die Fresse schlug, da habe er gewusst – es funktioniert. «Ich schlug nicht zurück», berichtet Martin Z. (Name geändert), der bei diesem Vorfall mit dem Fahrrad unterwegs war und dabei dem Autofahrer in die Quere kam. Für den 50-Jährigen ist dieser Vorfall der Beweis, dass er wieder freigelassen gehört.

Dass weder die Fortsetzung einer stationären therapeutischen Massnahme, noch eine Verwahrung angebracht ist. Dies erzählte er während der Verhandlung Stefan Altermatt, dem vorsitzenden Richter des Amtsgerichts Bucheggberg-Wasseramt. «In den letzten acht Jahren habe ich gelernt, mit den Emotionen, oder wie man das nennt, umzugehen», führte Z. weiter aus. «Ich kann nicht einmal mehr einen Gegenstand schlagen.»

Freundinnen verprügelt

Durch seine Unfähigkeit seine Emotionen zu kontrollieren, wurden vor acht Jahren zwei Frauen schwer verletzt. Seine Taten bezeichnet Z. heute selber als «hässlich». Und er frage sich: «Was hat einer, der zu dem fähig ist, für einen Flick weg?»

  • April 2009: Martin Z. streitet sich mit seiner damaligen Freundin. Der betrunkene Z. wirft einen Stein und trifft die Frau am linken Auge. Die Verletzung ist derart schwer, dass sie heute auf diesem Auge nur noch einen Lichtstrahl wahrnehmen kann.
  • November 2009: Martin Z. hat eine neue Partnerin. Auch hier kommt es zum Streit. Der betrunkene Z. schlägt mit seinen Fäusten heftig auf ihren Kopf ein. Die Frau erleidet eine Hirnblutung. Noch heute hat sie deswegen körperliche Beschwerden.

Er will frei sein

Wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung verurteilte das Obergericht den langjährigen Drogensüchtigen damals zu einer über vierjährigen Freiheitsstrafe und ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme an. Dagegen hatte sich Z. damals gewehrt. Und er tut es bis heute. Er will nicht. Ist der Ansicht, dass er seine Strafe sowieso schon lange verbüsst hat und in Freiheit gehört. Anderer Ansicht ist die Staatsanwaltschaft. Sie hat beim Gericht den Antrag gestellt, bei Z. die Verwahrung anzuordnen.

Wegen seiner mangelnden Motivation wurde Z. in den letzten Jahren von Institution zu Institution weitergereicht. Am Anfang sah es jeweils gut aus, letztlich ging es trotzdem schief. Auch als man ihm mehr Freiheit gibt: Er lebt in einer eigenen Wohnung, übt einen Beruf aus. Doch Martin Z. fängt wieder an zu koksen, wird daraufhin inhaftiert.

Belehrbar ist er nicht, wie sich auch wieder bei der Verhandlung am Donnerstag zeigt. «Ich weiss nicht, ob ich das hier sagen sollte», erzählt Z. frisch von der Leber. «Wenn wieder einmal der 1. August ist, und viele gute Freunde dabei sind, warum nicht eine Runde koksen?» Hundert Prozent den Drogen zu entsagen, sei für ihn schwierig.

Die Drogen haben ihm stark zugesetzt. Das sieht man, das bestätigt auch ein neues psychiatrisches Gutachten. Dieses sagt aus, dass sich durch die Suchtmittel eine Persönlichkeitsstörung entwickelt hat. Wenn Z. wieder Drogen konsumiere, sei die Gefahr sehr hoch, dass der 50-Jährige wieder jemanden verprügle.

«Das Ganze ist eine Farce.»

Ihn freizulassen, ist darum am Donnerstag keine Option. Die Richter entscheiden sich, es nochmals mit einer stationären Massnahme zu versuchen. Der Entscheid stützt auf einem Bundesgerichtsurteil. Dieses hält fest, dass wenn es einzig am Therapiewillen fehlt, keine Verwahrung anzuordnen sei.

Doch Altermatt warnt Z.: «Wenn wir in drei Jahren wieder hier sitzen, fällt die Entscheidung vielleicht anders aus.» Dieser schüttelt nur den Kopf. Für ihn hat sich bestätigt, was für ihn immer klar war. Das Urteil hätte schon vor der Verhandlung festgestanden. «Das Ganze ist eine Farce.»