Kanton
Drogensüchtige Messerstecherin muss in geschlossene Anstalt

Eine 43-jährige Frau hatte 2009 ihrem damaligen Freund ein Messer in den Rücken gerammt. Sie muss sich nun in einer geschlossenen Anstalt therapieren lassen. Das Obergericht hat einen Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung bestätigt.

Marco Zwahlen
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Der Gang vor das Obergericht nützte der Angeklagten nichts.

Der Gang vor das Obergericht nützte der Angeklagten nichts.

Oliver Menge

Yasmin R.* muss in die geschlossene Anstalt, um sich wegen ihrer schweren disozialen Persönlichkeitsstörung therapieren zu lassen. Bringt diese Massnahme nichts, muss sie ihre Gefängnisstrasse von fünfeinhalb Jahren absitzen.

Mit diesem Urteil hat das Obergericht den Schuldspruch des Amtsgerichtes Bucheggberg-Wasseramt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung vollumfänglich bestätigt.

Die drogensüchtige Frau hatte am 3. April 2009 nach einem stundenlangen Streit ihrem damaligen Freund ein Fleischmesser mit einer 12,5 Zentimeter langen Klinge tief in den Rücken gerammt, (wir berichteten). Das Opfer hatte sich zuvor geweigert, die Wohnung zu verlassen.

Vor Obergericht strebte die Angeklagte wegen Notwehr einen Freispruch an. Bei einem Schuldspruch sei die Tat nur als versuchter Totschlag einzustufen. Seitens der Verteidigung unbestritten ist eine Therapiemassnahme, jedoch nicht in einer geschlossenen, sondern offenen Anstalt.

Dem hält das Obergericht entgegen, dass nicht von Notwehr gesprochen werden könne. Den Tod von jemandem in Kauf zu nehmen, nur weil dieser die Wohnung nicht verlassen wolle, sei einfach nur unverhältnismässig. Zudem sei der Streit vorbei gewesen.

Als Yasmin R. zugestochen habe, sei ihr Opfer auf dem Sofa vor dem Fernseher gesessen. Auch von einer Affekthandlung könne keine Rede sein. Die 43-Jährige habe nicht nachvollziehbar überreagiert.

Auch die Frage zur stationären Massnahme in einer geschlossenen Anstalt erübrigt sich für das Gericht: So habe die Mutter ausgesagt, dass ihre Tochter so explosiv sei, dass sie je nach Verfassung auch einen Polizisten abstechen würde.

Name von der Redaktion geändert

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