Am 9. Dezember 2015 stiess die Polizei bei einer Wohnungsdurchsuchung in Bettlach auf ein kleines Päckchen. Dieses enthielt ein 119,7 Gramm schweres Kokaingemisch (91 Gramm reines Kokain). Wohnungsinhaber Tarek Jasari (alle Namen der Beschuldigten geändert) war geständig und wurde im Schnellverfahren zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.

Doch auf der Verpackung fand die Polizei weitere Fingerabdrücke und DNA-Spuren, die nicht zu Jasari gehören, sondern seinem Bekannten – Arian Krasniqi. Diesem wird vorgeworfen beim Abpacken der Drogen geholfen und damit gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen zu haben.

Er sei unschuldig, hat der 29-jährige Albaner während des Verfahrens immer wieder betont. Bei den Einvernahmen durch die Polizei, vor Amtsgericht und auch diese Woche vor Obergericht. Krasniqi bat die Richter, ihn freizusprechen, «damit ich zu meiner Familie in Albanien zurückkehren kann». Seine Eltern seien von ihm abhängig und seine Verlobte warte auf ihn. «Wir wollen eine Familie gründen.»

In Erklärungsnot

Keines der Gerichte hat ihm seine Beteuerungen abgekauft und ihm den Freispruch verwehrt. Es sprachen einfach zu viele Indizien gegen ihn. In erster Linie die gefundenen Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Dass das Bezirksgericht Pfäffikon ZH ihn wegen eines ähnlichen Drogendelikts verurteilt hat, war auch nicht gerade hilfreich, um die Richter von seiner Unschuld zu überzeugen.

Zudem brachte ihn ein Umstand in Erklärungsnot: Wieso fanden die Ermittler seine DNA-Spuren auch auf der Innenseite der Verpackung? Eine schlüssige Erklärung dafür hatte er bis zuletzt keine. Nicht, dass er es nicht versucht hätte. Sogar mehrmals.

Staatsanwalt Toni Blaser liess es sich in seinem Plädoyer vor Obergericht nicht nehmen, alle Varianten nochmals genüsslich vorzutragen.

Geschichte Nummer eins: Einmal sei er im Auto von Jasari mitgefahren. Dabei sei das Päckchen auf dem Sitz gelegen und er hätte es womöglich aus Versehen berührt.

Geschichte Nummer zwei: Jasari hätte ihn in seine Wohnung eingeladen, um mit ihm etwas zu trinken. In der Wohnung hätte Jasari auf den Tisch gedeutet und gesagt: «Schau, das sind Drogen». Neugierig wie er sei, habe er die Verpackung genommen, geöffnet und reingeschaut.

Geschichte Nummer drei: Er habe gemeinsam mit Jasari in dessen Wohnung Kokain konsumiert.

«Völlig unglaubwürdig»

Dass während der Verhandlung des Obergerichts keine vierte Geschichte hinzukam, lag wohl vor allem daran, dass Krasniqi von einer weiteren Aussage Abstand nahm. Die Erklärungen seien «völlig unglaubwürdig», stellte Staatsanwalt Blaser fest und auch der Verteidiger räumte ein: «Mein Mandant hat nach Antworten gerungen», doch aus nachvollziehbaren Gründen: «Er hat versucht, sich komplett von Drogen zu distanzieren, bis ihm nichts anderes mehr übrig blieb, als schliesslich die Wahrheit zuzugeben.» Es gebe keine Indizien, die ihn schlüssig als Drogenkurier überführen.

Zur Ausschaffung übergeben

Doch das Obergericht bestätigte den Schuldspruch des Amtsgerichts, verkürzte die Haftstrafe aber massiv. Statt zu 26 Monaten Freiheitsstrafe wurde Krasniqi zu deren 12 verurteilt. Da der Mann bereits seit dem 8. Juli 2016 in Untersuchungshaft sass, wurde er direkt den Ausländerbehörden überführt und wird nun nach Albanien ausgeschafft. Damit bekommt Krasniqi doch noch, was er wollte: Er kann nach Hause. Zu seiner wartenden Verlobten. Und eine Familie gründen.