Wenn der Hagel alles erschlagen hat, kommt das Wetterläuten zu spät. So lautet die Volksweisheit, und genau so war das in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai im äussern Wasseramt. Plötzlich wurde das ferne Gewittergrollen vom Trommelfeuer der baumnussgrossen Hagelkörner übertönt. Zeit, das geliebte Auto in einen geschützten Unterstand zu stellen, blieb nicht.

Innert Sekunden verwandelten sich deshalb manche bis dato wöchentlich gewachsten und polierten Motorhauben und Autodächer in einen hässlichen «Waschbrettbauch».

Europaweit gefragte Experten

«Der Lärm war furchterregend und die Hagelkörner so gross wie Pingpongbälle», erinnert sich Yvonne Schütz aus Recherswil an das Unwetter. «So etwas habe ich noch nie gesehen.» Um 11 Uhr hat sie den Termin bei den «Drückern» in der Carrosserie Gutjahr.

Mit einer speziellen Lampe leuchten der Deutsche Christian Lobst und der Franzose Joseph Jo ihr Auto an, damit sie die kleinen Beulen besser sehen und zählen können. Zwanzig, fünfzig, achtzig Dellen können da auf einem einzigen Autodach zusammenkommen. So ein Hagelschaden kostet schnell einmal drei-, viertausend Franken.

Experte Joseph Jo leuchtet mit einer Speziallampe den Lack aus, damit er Schäden beurteilen kann

Experte Joseph Jo leuchtet mit einer Speziallampe den Lack aus, damit er Schäden beurteilen kann

«Drücker» nennen sich die Spezialisten im lackierfreien Ausbeulen. Holland, Prag, Gerlafingen – sie kommen weitherum. Die Versicherung hat sie als Experten für den Drive-in in die Carrosserie Gutjahr geholt. «Das Drücken kann man nicht lernen, da wächst man hinein», erklärt Lobst seinen beruflichen Werdegang. «Wir haben in Europa nur ein halbes Jahr Hagelsaison», erklärt Joseph Jo, «einige von uns arbeiten deshalb im europäischen Winter in Australien oder Südafrika.»

Bezahlt werden sie nach Aufwand pro Delle oder als Experten pro Tag. «Es ist ein schöner und gut bezahlter Job. Für mich der beste handwerkliche Beruf, den ich mir vorstellen kann», sagt Jo.

Drücker mögen deutsche Autos

«Man sieht die krassen Unterschiede der Bleche», sagt der Franzose Jo, der auf deutsche Autos steht. «Die billigen Autos würdest du nach einem Hagelschaden am liebsten in den Rhein schieben. Das dünne Blech der Carrosserie ist gedehnt und das gibt einen Frosch.

Die Beule springt beim Drücken hin und her. Wie ein Frosch eben. Einen Audi, den reparierst du dagegen wie im Handumdrehen. Der sieht dann wieder wie neu aus.»

Die Kunden schätzen den Service

Hagel und Brand segnet Gott mit milder Hand. Auch diese Worte verkündet der Volksmund. Und lässt man den lieben Gott aus dem Spiel, dann lindert die Versicherung wenigstens den Schmerz, wenn nach einem solchen Hagelschlag wie Ende Mai das Dach des Autos mit Dutzenden kleiner Beulen übersät ist.

Nach wenigen Minuten fährt Yvonne Schütz zufrieden nach Hause. Die Versicherung hat ihr ein Dokument ausgestellt, mit dem sie den Hagelschaden in der Carrosserie ihrer Wahl reparieren lassen kann.

Die Versicherung spart Geld

Lange will niemand mit einem hässlichen «Waschbrettbauch» als Motorhaube herumfahren. Daniel Junker, Leiter Fahrzeugexperten der Basler Versicherung, spricht deshalb bei einem solchen Drive-in von einer Win-win-Situation. «Der Kunde ist zufrieden, weil wir seinen Schaden speditiv erledigen.

Für uns als Versicherer kommt ein Drive-in viel günstiger, als wenn die Schadenexperten für jeden Hagelschaden eine andere Carrosserie besuchen müssten.» Bis Donnerstag will die Basler Versicherung mit ihrem Drive-in in Gerlafingen weit über 100 Hagelschäden abarbeiten.