Kantonalschützenfest

«Dr Schuss isch duss» – die Festsieger stehen fest

Wir stellen drei der Festsieger vor, die «finalement» den Thron besteigen durften.

Obwohl die Schweiz eines der demokratischsten Länder der Welt ist, kennt sie mehr Könige als manch anderes Land. Die Schönheitsköniginnen und -könige auf zwei und vier Beinen und die kuchenfressenden Dreikönige am 6. Januar kennt man vielenorts. Der Ende August in Estavayer gesuchte Schwingerkönig indes gibt es nur hierzulande. Ausserdem tummelt sich als Nation nicht nur mit dem längsten Eisenbahntunnel der Welt, sondern auch mit dem grössten Schützenfest auf dem Planeten, dem Feldschiessen, ein Heer von Schützenkönigen unter uns.
Zum Abschluss des Solothurner Kantonalen wurden in Wangen und Winistorf zehn Festsieger ermittelt, die man durchaus als Könige ihrer jeweiligen Kategorie bezeichnen darf.

Hägendörfer packt sie alle

In der Kategorie Elite 300 Meter Ordonnanzwaffen, dem mengenmässig grössten Feld, sorgte Markus Borer dafür, dass der Sieg in heimischen Reihen bleibt. Als Vierter in den Final eingezogen, schoss sich der Hägendörfer Elektromonteur Schuss für Schuss auf den Thron. Am Ende betrug sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten Marco Bürgi 25 Punkte. «Es ist absolut etwas vom Grössten, das ich bisher als Schütze erreicht habe», hält der 55-Jährige fest. Seine Ferien im österreichischen Serfaus hat er extra um einen Tag verschoben, um am «Königsausstich», sprich der Festsieger-Konkurrenz, an seinem Heim-Kantonalen mitzumachen.

Ruhm, Ehre und auch und wertvolle Gaben sind der Lohn dafür. Der Mann von den Militärschützen Boningen zählt zu den besten 300-Meter-Schützen seines Kantons. Mit dem Sturm- und dem Standardgewehr. «Ich habe mich hier am Kantonalen extra fürs Sturmgewehr entschieden», so Borer. Und warum? «Einfach, weil es Freude macht, mit diesem Gewehr zu schiessen, und ich gut damit treffe.» In der Tat. Freilich muss der Laie wissen, dass das Sturmgewehr 90 von Markus Borer mit einem Sport-Lauf, ergonomischem Griff, Zielvorrichtungen und so weiter getunt ist und so dem konventionellen Schiessprügel, den man in der Armee verwendet, noch so ähnlichsieht wie eine Pflaume einer Banane.
«Ich hatte keinen Ausreisser, sprich keinen wirklichen Fehlschuss; insofern bin ich mit dem Wettkampf sehr zufrieden», sagt Borer. Der Festsieg ist gehörig Motivation und ballert Markus Borer sicherlich eine gewaltige Ladung Selbstvertrauen in die Knochen, wenn es dann im September an der Schweizer Meisterschaft in Thun ernst gilt. Auch dafür hat sich der Solothurner nämlich erstmals qualifiziert. Es läuft also rund.

Titel souverän verteidigt

Letzteres tut es auch beim neuen und alten Pistolenkönig auf der 50-m-Distanz, bei Andreas Kissling. Der 37-Jährige aus Oberbuchsiten konnte seinen Titel aus dem Jahr 2011, als das Kantonale im Gäu stattfand, souverän verteidigen. Als Quali-Bester den Final erreicht, liess sich der Meister seines Fachs die Butter nicht mehr vom Brot klopfen. «Ich habe versucht, mich nur auf mich zu konzentrieren und die jeweiligen Ranglisten-Durchsagen zwischen den einzelnen Finalschüssen völlig auszublenden», sagt Andreas Kissling. Ein Plan, der prima aufging.

«Irgendwie scheine ich die Gabe zu haben, trotz vorhandener Nervosität nicht so nervös zu werden, dass die Hand zu sehr zittert.» Zittern tue seine Hand zwar auch, aber offensichtlich eben weniger, als jene der Konkurrenz.

13. Sieg für Andreas Kissling

Um seine Schüsse möglichst präzis abzugeben, habe er nach dem Anvisieren des Ziels jeweils nicht lange gefackelt, bis er den Abzug durchzog. Der zweite Sieg am Solothurner ist bereits der 13. Kantonalfestsieg für den hochbegabten Pistolenschützen, dessen Training praktisch nur aus Wettkämpfen besteht. Früher war der Transport-Administrator unter anderem schon in den Kantonen Graubünden, Freiburg, Genf, Uri, Schwyz, Aargau, Baselland erfolgreich. Dazu gewann der Meister seines Fachs 2005 am Eidgenössischen in Frauenfeld und klassierte sich 2010 in Aarau an eben diesem «Big Event» auf dem zweiten Rang. Also ein richtiger Wettkampf-Typ, dieser Herr Kissling. Heuer soll noch ein starker Auftritt am nur alle 10 bis 15 Jahre stattfindenden Tessiner Kantonalen folgen. In der Sonnenstube der Schweiz erwartet den König dann, wer weiss, vielleicht eine Monster-Salami als Trophäe. Diesmal war es eine hölzerne Stabelle. «Davon habe ich schon einige», hält Kissling fest. Die Rechnung sei insofern aufgegangen, so der Sieger, als dass sein Klubkollege Herbert Lehmann, der Rang zwei belegte, «lieber die Glocke für den Zweiten wollte».

Der fliegende Holländer

Auf der Erfolgswelle surft aktuell auch der 18-jährige Brian Dorst aus Bellach. Nachdem er vor wenigen Wochen einen Schreiner-Wettkampf (Dorst ist im zweiten Lehrjahr Schreiner) gewann, bewies der holländische Staatsbürger nun auch in Wangen im Rahmen der Festsieger-Konkurrenz am Solothurner Nerven wie Drahtseile.

In der Junioren-Königsklasse mit dem Sportgewehr deponierte der Junior von den Sportschützen Leberberg die Konkurrenz hinter sich. « Ich freue mich extrem. So einen Wettkampf habe ich noch nie gewonnen.» Beim erwähnten Schreiner-Wettkampf ging es darum, aus alt neu zu machen. Nun, an die jetzt noch neue Erfahrung, König zu sein, wird sich Brian Dorst bestimmt noch erinnern, wenn er mal alt ist.

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