Aus Kosovo zurück
Doppelmord von Oensingen: Der Vater sitzt seine Strafe nun doch in der Schweiz ab

Demo B. wurde Ende 2016 wegen Mordes und vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren verurteilt – damals weilte er im Kosovo. Jetzt ist der 55-Jährige freiwillig in die Schweiz zurückgekehrt und hat die Strafe angetreten.

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Vater und Sohn bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht im März 2015. (Archiv)

Vater und Sohn bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht im März 2015. (Archiv)

Es war eine grausame Tat, für die er und sein Sohn Bekim B.* zur Verantwortung gezogen wurden. Die Richter sprachen von einem richtiggehenden «Massaker», welches sich an jenem Abend im Sommer 2012 ereignete. Der heute 55-Jährige hatte zusammen mit seinem Sohn auf dem Vorplatz des Bobst-Hofs in Oensingen zwei Personen mit Schusswaffen tödlich verletzt – dies im Streit mit einer anderen Familie kosovarischer Herkunft.

Noch in der Tatnacht hatten sich die beiden der Polizei gestellt. Während sein Sohn direkt aus der Untersuchungshaft den vorzeitigen Strafvollzug antrat, wurde Demo B. zunächst aus der Untersuchungshaft entlassen. Vor der Verhandlung vor dem Obergericht reiste er in den Kosovo.

Per Anwalt liess er dann ein Foto eines kosovarischen Arztzeugnisses vorweisen. Der IV-Rentner wurde in seiner Abwesenheit wegen Mordes und vorsätzlicher Tötung zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Haftgericht hatte offenbar seinerzeit keinen Grund für die Sicherheitshaft gesehen. Da B. Schweizer war und seine Familie hier hatte, war Fluchtgefahr nicht direkt gegeben.

Im Kosovo gefasst

Nach dem Urteil fehlte jede Spur von Demo B. Im letzten Jahr wurde der heute 55-Jährige deshalb per internationalen Haftbefehl gesucht. Ende Juli 2017 wurde dann bekannt, dass Demo B. im Kosovo gefasst wurde. Damals hiess es aber, dass er nicht in die Schweiz überführt werden würde. «Da es sich um einen kosovarisch-schweizerischen Doppelbürger handelt, ist eine Auslieferung grundsätzlich nicht möglich», liess Brigitte Ehrbar, stellvertretende Abteilungsleiterin des Straf- und Massnahmenvollzugs beim Amt für Justizvollzug des Kantons Solothurn verlauten. Demo B. kam wieder auf freien Fuss. Derweil arbeiteten die Justizbehörden daran, dass der Verurteilte seine Strafe doch noch antreten muss.

Die Schweiz stellte den Antrag, dass B. seine Haftstrafe doch noch in der Schweiz verbüssen muss. «Der Eingang eines solchen Gesuchs hat aber nicht automatisch eine Festnahme zur Folge», sagt Folco Galli, Sprecher des Bundesamts für Justiz, gegenüber dem Regionalsender TeleM1. Das Gesuch müsse geprüft und allenfalls ergänzt werden. Das hätten die kosovarischen Behörden auch verlangt. «Wir haben uns auf ein längeres Verfahren eingerichtet», so Galli. Die Solothurner Behörden übersetzten das schweizerische Urteil ins albanische.

«Rückkehr angekündigt»

Nun kommt die überraschende Nachricht: Demo B. ist von sich aus in die Schweiz zurückgekehrt. «Anfang Jahr hatte Demo B. den Strafvollzugsbehörden des Kantons Solothurn seine Rückkehr in die Schweiz angekündigt», wie die Solothurner Staatskanzlei am Freitag informierte. Diesen Mittwoch hätte er «ohne Gegenwehr» am Flughafen Zürich verhaftet werden können. Demo B. sei freiwillig in die Schweiz eingereist, um seine Strafe zu verbüssen, ergänzt Mirja Cattin, Stellvertretende Abteilungsleiterin im Amt für Justizvollzug auf Anfrage.

Über die persönlichen Motive kann die Vollzugsbehörde keine Angaben machen. Das Urteil gegen Demo B. sei rechtskräftig und er habe seine Strafe am 17. Januar angetreten.
Die Fragen, in welchem Gefängnis Demo B. seine Strafe absitzt und ob er mit Konsequenzen für sein Untertauchen im Kosovo zu rechnen hat, wollen die Solothurner Behörden nicht beantworten.

*Namen der Redaktion bekannt

Der Doppelmord

Die Tat ereignete sich am 5. Juli 2012 auf dem Vorplatz des «Bobst»-Hofs in Oensingen. Bei einem Streit zwischen zwei albanischstämmigen Familien wurden ein 51-jähriger Vater und sein 26-jähriger Sohn mit einem Sturmgewehr und einer Pistole erschossen. Ein weiterer Verwandter, der als Gast auf dem Hof weilte, wurde angeschossen.

Nach der Schiesserei flüchteten die Täter mit dem Auto vom Tatort. Einer der beiden meldete sich wenig später bei der Polizei. Bei der Festnahme leisteten sie keinen Widerstand.

Der Jüngere gab vor Gericht an, dass er seine Schwester aus den Fängen der ebenfalls aus dem Kosovo stammenden Familie ihres Mannes habe befreien wollen. Bekim B. nahm die Schuld auf sich und gab an, sämtliche Schüsse aus beiden Waffen abgegeben zu haben. Vater Demo B. bestritt stets, beteiligt gewesen zu sein. Die Richter kamen jedoch zum Schluss, dass dieser mit der Pistole geschossen hatte.

Das Amtsgericht Thal-Gäu verurteilte im März 2015 den Sohn zu 20 Jahren. Der Vater kassierte 17 Jahre. Beide zogen das Urteil weiter. (ldu)

Schiesserei in Oensingen fordert zwei Todesopfer
9 Bilder
Auf diesem Platz wurde geschossen
Der Tatort am Morgen danach
Eine Person wurde mit Schussverletzungen ins Spital gebracht
Das Gebiet wurde während der Nacht grossräumig abgesperrt
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Die Spurensicherung nahm sogleich ihre Arbeit auf
Die Spurensicherung nahm sogleich ihre Arbeit auf
Helles Flutlicht beleuchtete den Tatort

Schiesserei in Oensingen fordert zwei Todesopfer

Hanspeter Bärtschi

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