Es war eine grausame Tat, für die er und sein Sohn Bekim B.* zur Verantwortung gezogen wurden. Die Richter sprachen von einem richtiggehenden «Massaker», welches sich an jenem Abend im Sommer 2012 ereignete. Der heute 55-Jährige hatte zusammen mit seinem Sohn auf dem Vorplatz des Bobst-Hofs in Oensingen zwei Personen mit Schusswaffen tödlich verletzt – dies im Streit mit einer anderen Familie kosovarischer Herkunft.

Noch in der Tatnacht hatten sich die beiden der Polizei gestellt. Während sein Sohn direkt aus der Untersuchungshaft den vorzeitigen Strafvollzug antrat, wurde Demo B. zunächst aus der Untersuchungshaft entlassen. Vor der Verhandlung vor dem Obergericht reiste er in den Kosovo.

Per Anwalt liess er dann ein Foto eines kosovarischen Arztzeugnisses vorweisen. Der IV-Rentner wurde in seiner Abwesenheit wegen Mordes und vorsätzlicher Tötung zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Haftgericht hatte offenbar seinerzeit keinen Grund für die Sicherheitshaft gesehen. Da B. Schweizer war und seine Familie hier hatte, war Fluchtgefahr nicht direkt gegeben.

Oensinger Mörder auf freiem Fuss

Oensinger Mörder auf freiem Fuss (Dezember 2016)

Doppelmord von Oensingen: 20 und 17 Jahre für den Sohn und seinen Vater. Letzter blieb auch der heutigen Urteilsverkündung fern. Er befindet sich im Kosovo.

Im Kosovo gefasst

Nach dem Urteil fehlte jede Spur von Demo B. Im letzten Jahr wurde der heute 55-Jährige deshalb per internationalen Haftbefehl gesucht. Ende Juli 2017 wurde dann bekannt, dass Demo B. im Kosovo gefasst wurde. Damals hiess es aber, dass er nicht in die Schweiz überführt werden würde. «Da es sich um einen kosovarisch-schweizerischen Doppelbürger handelt, ist eine Auslieferung grundsätzlich nicht möglich», liess Brigitte Ehrbar, stellvertretende Abteilungsleiterin des Straf- und Massnahmenvollzugs beim Amt für Justizvollzug des Kantons Solothurn verlauten. Demo B. kam wieder auf freien Fuss. Derweil arbeiteten die Justizbehörden daran, dass der Verurteilte seine Strafe doch noch antreten muss.

Die Schweiz stellte den Antrag, dass B. seine Haftstrafe doch noch in der Schweiz verbüssen muss. «Der Eingang eines solchen Gesuchs hat aber nicht automatisch eine Festnahme zur Folge», sagt Folco Galli, Sprecher des Bundesamts für Justiz, gegenüber dem Regionalsender TeleM1. Das Gesuch müsse geprüft und allenfalls ergänzt werden. Das hätten die kosovarischen Behörden auch verlangt. «Wir haben uns auf ein längeres Verfahren eingerichtet», so Galli. Die Solothurner Behörden übersetzten das schweizerische Urteil ins albanische.

«Rückkehr angekündigt»

Nun kommt die überraschende Nachricht: Demo B. ist von sich aus in die Schweiz zurückgekehrt. «Anfang Jahr hatte Demo B. den Strafvollzugsbehörden des Kantons Solothurn seine Rückkehr in die Schweiz angekündigt», wie die Solothurner Staatskanzlei am Freitag informierte. Diesen Mittwoch hätte er «ohne Gegenwehr» am Flughafen Zürich verhaftet werden können. Demo B. sei freiwillig in die Schweiz eingereist, um seine Strafe zu verbüssen, ergänzt Mirja Cattin, Stellvertretende Abteilungsleiterin im Amt für Justizvollzug auf Anfrage.

Über die persönlichen Motive kann die Vollzugsbehörde keine Angaben machen. Das Urteil gegen Demo B. sei rechtskräftig und er habe seine Strafe am 17. Januar angetreten.
Die Fragen, in welchem Gefängnis Demo B. seine Strafe absitzt und ob er mit Konsequenzen für sein Untertauchen im Kosovo zu rechnen hat, wollen die Solothurner Behörden nicht beantworten.

*Namen der Redaktion bekannt

Doppelmörder von Oensingen kehrt zurück.

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