«Auf einen Kaffee mit ...»
«Do muesch di jetz mäude»: Mit 65 schnappt er sich das Ehrenamt

Hanspeter Roth ist der neu ernannte Hans-Roth-Ehrenkleidträger des Kantons. Seine beiden Söhne ermunterten ihn, sich zu bewerben. Den ersten Auftritt im Ehrenkleid hat der 65-Jährige am 24. April, zum Hans- Roth-Waffenlauf in Wiedlisbach.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Hanspeter Roth (65) freut sich auf seine neue Lebensaufgabe.

Hanspeter Roth (65) freut sich auf seine neue Lebensaufgabe.

frb

Das Ehrenkleid ist für den 65-jährigen Hanspeter Roth aus Langendorf nichts Unbekanntes, denn schon sein Grossvater war Träger. Ursprünglich stammt Hanspeter Roth aus Herbetswil. Er absolvierte – wie viele andere seiner Generation – eine Lehre im von-Roll-Eisenwerk in der Klus als Maschinenzeichner. «Man war stolz damals, in der von Roll arbeiten zu können», sagt er. Und doch habe er schon als Zwanzigjähriger gespürt: Hier hinten werde ich nicht alt. Ich will mehr sehen, vor den Berg gehen.»

Schweren Herzens verliess er seine damals noch sicher scheinende Stelle. «Meinem Chef Frederick Flückiger damals zu eröffnen, dass ich kündigen wolle, fiel mir mehr als schwer», erinnert er sich noch heute an seinen Entscheid von 1974.

Hanspeter Roth wechselte zur Sulzer nach Zuchwil. «Eine ganz andere Arbeitswelt erlebte ich da. Nach kurzer Zeit dachte ich: Dieses Tempo halte ich nicht durch.» Doch er hielt sich tapfer, hatte zunächst zwar noch etwas Heimweh nach dem Turnverein und den Schützen im Thal, «doch nach und nach wurde ich im Leberberg heimisch. Ich heiratete – meine Frau, eine Zullwilerin, hatte ich noch in Herbetswil kennen gelernt – und wir konnten bald ein älteres Haus in Langendorf kaufen.»

Drei Kinder wurden geboren und Roth blieb lange Zeit seinem Arbeitgeber treu, bis er 2006 die Kündigung bekam. «Kurze Zeit war ich arbeitslos, fand dann zunächst eine 50-Prozent-Stelle und bewarb mich schliesslich als Werkhofmitarbeiter in meiner Wohngemeinde.» Diese Arbeit, die ihm viel Freude gemacht habe, übte er dann bis Ende 2014 aus.

Als Pensionierter hilft er heute seiner Frau Verena als «Hauswart» wie er sagt, beim Betrieb derer Kinderkrippe Sunneschyn. «Da muss immer mal was erledigt werden.»

Gelebte Familientradition

Der Zusammenhalt in der Familie Roth ist gross. «Jährlich gibt es ein Roth-Treffen in Aedermannsdorf. Über die Geschichte, wie es zum Ehrenkleid in der Familie gekommen ist, wissen alle Bescheid.» Das geht so: Ihr Urahne, der Bauer Hans Roth aus Rumisberg, belauschte 1382 im «Schlüssel» in Wiedlisbach hinter dem Ofen sich schlafend stellend, wie sich der verschuldete Kyburger Graf mit seinen Kumpanen beriet. Er wollte die reiche Stadt Solothurn überfallen.

Roth wurde entdeckt und gezwungen, niemandem etwas über den Überfall zu erzählen. Doch der wusste sich zu helfen. Um seine Spuren in der Winternacht zu verwischen, zog er sich die Schuhe verkehrt herum an, rannte nach Solothurn und berichtete dort am Stadttor der Statue des Heiligen Urs vom geplanten Überfall. Die Nachtwächter hörten dies und so konnten sich die Solothurner wappnen.

Einiges an dieser Geschichte gehört sicher ins Reich der Legende. Wahr ist aber, dass der Stand Solothurn seit 1538 jeweils dem ältesten Nachkommen der Familie Roth ein Ehrenkleid in den Standesfarben und ein Sold von 1000 Franken pro Jahr zukommen lässt.

«Do muesch di jetz mäude»

Ihn hätten seine beiden Söhne ermuntert, sich für das Ehrenamt zu bewerben. «Do muesch di jetz mäude» habe es geheissen. Er habe zwar befürchtet, dass er noch «zu jung» sei. Doch gerade sein Alter sei es wohl schliesslich gewesen, dass man ihn gewählt habe. «Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dass man Ehrenkleidträger wird, hat auch mit einem guten Timing und mit etwas Glück zu tun.»

Tatsächlich rückt die Solothurner Regierung seit 1994 von der ursprünglichen Bestimmung ab, jeweils den ältesten Nachfahren Roths zum Kleidträger zu machen. Heute soll der Ehrenkleidträger belastbar und kommunikativ sein.

Hanspeter Roth berichtet, wie er von Staatsschreiber Andreas Eng, dessen Stellvertreterin Pascale von Roll und von Staatsarchivar Andreas Fankhauser zu einem Gespräch gebeten wurde. «Sie wollten viel Biografisches von mir wissen und natürlich auch, was ich von der Geschichte des berühmten Vorfahren weiss. Zur Sicherheit hab ich mich vorher noch etwas in die Literatur vertieft.»

Zwei Tage nach dem Vorstellungsgespräch entschied die Solothurner Regierung über die Kleid-Vergabe. Es eile, wurde ihm gesagt, und schon am gleichen Nachmittag reiste er nach Olten, in die Schule für Gestaltung, wo seine Masse für das neue Ehrenkleid genommen wurden.

Das Kleid wird Roth am 24. April, zum Hans- Roth-Waffenlauf in Wiedlisbach, zum ersten Mal tragen. «Ich weiss noch nichts über weitere Daten, die dieses Jahr anstehen», sagt er. Mit vier bis sechs Anlässen müsse er rechnen, sei ihm gesagt worden. Doch Roth geht dem allen zuversichtlich entgegen. «Ich freue mich, neue und interessante Menschen kennen zu lernen.»

Einen nächsten wichtigen Termin nennt er noch: «Andrea Affolter, die Medienbeauftragte der Solothurner Regierung, wird mir Tipps zum Umgang mit den Medien und Informationen über die Strukturen der kantonalen Verwaltung geben. Das erscheint mir wichtig für dieses neue Amt.»