Glaubenskrieg
Distanzierung vom Islamischen Staat: «Wahrer Islam verbietet Terror»

Nach den Anschlägen in Brüssel distanziert sich die muslimische Gruppierung Ahmadiyya Muslim Jamaat klar vom Islamischen Staat (IS). Sie will Frieden vermitteln — auch im Kanton Solothurn.

Noëlle Karpf
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Abdul Wahab Tayyab ist Imam der Ahmadiyya Muslim Jammat.

Abdul Wahab Tayyab ist Imam der Ahmadiyya Muslim Jammat.

zvg

Angst und Chaos in Brüssel: Am 22. März verübte eine Gruppe Terroristen Anschläge auf die Hauptstadt Belgiens. Die Selbstmordattentäter zündeten mehrere Bomben und Sprengsätze im Flughafen und in einer Metrostation. Rund 30 Menschen liessen ihr Leben. Noch am selben Tag bekannte sich der islamische Staat (IS) zu den Attentaten. Die IS-Krieger versetzten die Stadt in einen Ausnahmezustand.

Wenige Stunden später nimmt die muslimische Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat Stellung zu den Anschlägen. Die Gruppierung will sich für Frieden, Freiheit und Loyalität einsetzen und den Dialog zwischen Menschen, Religionen und Kulturen fördern. «Der Islam ist eine friedliche Religion und lehnt Gewalt und Terror ab», heisst es in der Mitteilung. «Die Ahmadi-Muslime verurteilen die Terroranschläge und distanzieren sich mit aller Deutlichkeit von der unentschuldbaren Barbarei». Sie vertreten das Motto «Liebe für Alle, Hass für Keinen».

Unter Imam Abdul Wahab Tayyab ist die Gemeinschaft auch im Kanton Solothurn aktiv. Auf Anfrage dieser Zeitung nimmt der Vorsteher der Ahmadi schriftlich Stellung zu den Anschlägen und erzählt wie die Gruppierung den Terror überwinden will.

«Für Terror gibt es keine Rechtfertigung»

«Solche abscheulichen und menschenverachtenden Anschläge müssen auf das Schärfste verurteilt werden», sagt Wahab. Terror beschmutze den Namen des Islams, verleumde die eigentliche Lehre der Religion, und zerstöre den Frieden der Welt. «Unter keinen Umständen erlaubt der Islam Terrorismus in irgendeiner Form oder den Mord an unschuldigen Menschen.» Für solche «Gräueltaten» fände man keine Rechtfertigung in der Religion. «Unsere innigsten Gebete sind bei den Opfern dieser Anschläge und all denjenigen, die betroffen sind», so der Zuchwiler mit pakistanischen Wurzeln.

Auch im Koran würden Terrorismus und Mord an Unschuldigen verurteilt. «Es soll kein Zwang sein im Glauben», steht laut Wahab in der heiligen Schrift der Muslime. «Leider gibt es immer wieder Leute oder Gruppen, die für ihre eigene Zwecke und Machtinteressen Gewalt im Namen der Religion ausüben», so der 25-Jährige. Dazu gehören auch Jugendliche. Junge Muslime, die nach Syrien oder Irak reisen und dort radikalisiert werden, könnten später in den Westen zurückkehren und Anschläge verüben. Bloss eine lokale und muslimische Angelegenheit sei das längst nicht mehr.

«Die Verbreitung des Islams durch das Schwert ist total falsch und unbegründet», fasst Wahab zusammen. «Die grausamen und niederträchtigen Morde durch selbst ernannte ‹Glaubenskrieger› sind nicht mit der friedlichen Lehre des Islams vereinbar.»
«Die wahre Lehre des Islams soll Frieden bringen»

Dem Terror und der Gewalt wollen die Ahmadi mit «Liebe und Vernunft» entgegenwirken. Sie sind in der Schweiz und in über 200 Ländern vertreten. Mehrere Dutzend Millionen Muslime gehören der Gemeinschaft an. Sie wollen die «wahre» Lehre des Islams vermitteln und führen jedes Jahr mehrere Veranstaltungen durch. Tag der offenen Tür in Moscheen, Sportwettbewerbe und Jugendcamps.

Erst letztes Jahr fand in Solothurn ein «Charity Run» statt, bei dem Muslime Geld für Hilfsorganisationen sammelten. Mit Flyern, die die Ahmadi in der ganzen Schweiz verteilen, sollen Aussenstehende informiert und Vorurteile gegenüber dem Islam beseitigt werden. Daneben finden regelmässig auch grössere Aktionen statt. «Da es leider sogenannte Muslime gibt, die im Namen des Islams Menschen töten und Blut nehmen, haben wir die Aktion Muslims for Life gestartet», erzählt der Imam. Dabei spenden die Ahmadi Mitglieder jedes Jahr mehrmals Blut für Bedürftige.

«Persönliche Interessen für Frieden beiseite legen»

Mit diesen Mitteln wollen die Ahmadi ein Ziel erreichen: Frieden für alle Menschen. «Gott hat den Menschen auf dieser Welt die Freiheit zur Entscheidung gegeben zu glauben, oder nicht zu glauben», so der 25-Jährige. «Für Frieden müssen wir unsere persönlichen Interessen beiseitelegen».

Nur so könne man Anschläge, wie die in Brüssel, Paris oder Ankara künftig verhindern, ist der Imam überzeugt. Und damit zum «wahren» Glauben zurückkehren. «Islam bedeutet wortwörtlich Frieden», sagt Wahab. «Frieden mit dem Schöpfer und mit seiner gesamten Schöpfung.»