Zuerst die kantonale Verwaltung selbst und nun ein weiterer staatsnaher Betrieb legen in Stelleninseraten eine Alterslimite fest: Die Ausschreibungen richten sich explizit an Bewerber, die mindestens 30, aber nicht älter als 45 Jahre alt sind. Was soll man davon halten? Ist eine solche Altersguillotine mehr als nur stossend, nämlich ein kleiner Skandal, wie sich die Solothurner SP-Präsidentin Franziska Roth empört? Oder ist es nicht mehr als ehrlich, transparent zu machen, dass man bevorzugt jemanden einer bestimmten Alterskategorie im Auge hat? Verbieten kann man das ja keinem Arbeitgeber, in einzelnen Fällen mag es sogar begründet sein. 

Dennoch: Die SP-Präsidentin hat recht. Hier wird über eine Erhöhung des Rentenalters debattiert, dort ist es für über 50-Jährige oft fast aussichtslos, nach einem Stellenverlust in den Arbeitsmarkt zurückzufinden. Dass der Staat selbst sich in dieser Situation an der Diskriminierung älterer Stellensuchender beteiligt, ist mehr als unsensibel. Es ist inakzeptabel.

Vielmehr sollte die Verwaltung eine Vorbildrolle bei der Förderung des Potenzials älterer Arbeitnehmer einnehmen. Dazu reicht es nicht, auf Alterslimiten in Stelleninseraten zu verzichten. Der Auftrag muss sich auch wirklich in den Köpfen der Personalverantwortlichen festsetzen. Auch wenn in einem Fall eine plausible Begründung für die Alterslimite geliefert wird: Es besteht bedingt Anlass zum Vertrauen, dass das in Solothurn der Fall ist. Die Regierung sollte sich Massnahmen überlegen, wie das zu ändern ist: Bevor der Ruf nach fixen Ü50-Quoten in Verwaltung und staatsnahen Betrieben laut wird.

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