Die Dulliker Sechstklässler starrten am gestrigen Vormittag unter der Obhut von Klassenlehrer Reto Kaser angestrengt auf das vor ihnen liegende iPad. Mit flinken Fingern bedienten sie den Tablet-Computer des US-amerikanischen Herstellers Apple. Ein Junge etwa ist in ein kniffliges Denkspiel vertieft. Sein Klassenkamerad am Tisch daneben erstellt eine Präsentation über den Planeten Neptun, die Fakten dazu hat er sich im Internet auf Wikipedia geholt. Und ein Mädchen ordnet auf dem Touchscreen verschiedenen Gegenständen Schilder mit der richtigen Bezeichnung zu.

«Das ist für sie eine ideale Aufgabe. Denn sie ist erst seit anderthalb Jahren in der Schweiz. Sie kann mit dieser Aufgabenstellung ihren Wortschatz aufbessern», sagt ihr Lehrer Reto Kaser. Er hat in seinem Unterricht das iPad probeweise als Lernwerkzeug eingesetzt. «Es gibt wirklich gute Möglichkeiten, mit dem iPad den Unterricht zu ergänzen», resümiert Kaser.

Jedem sein eigenes Spielzeug

Im kommenden Schuljahr 2012/13 wird das oben beschriebene Szenario für zwölf Projektklassen zur Alltäglichkeit. Denn der Kanton Solothurn hat beschlossen, «mit dem Projekt ‹myPad› einen schweizweit noch nie da gewesenen Schulversuch zu starten», wie Andreas Walter, Vorsteher Amt für Volksschulen und Kindergarten an der gestrigen Medienorientierung im Dulliker Langmatt-Schulhaus mitteilte. In den zwölf ausgewählten Klassen erhält dafür jeder Schüler einen persönlichen Tablet-Computer, der ihm rund um die Uhr, auch zu Hause, zur Verfügung steht.

«Der Unterricht basiert damit auf mobilem, kooperativem Lernen», so Walter. Mittels eines Bewerbungsverfahrens werden die zwölf Projektklassen vom dritten bis zum neunten Schuljahr bis im Juni ausgewählt. Man rechnet beim Amt für Volksschulen und Kindergarten mit Kosten von rund 250 000 Franken für das Projekt, wie Walter auf Anfrage angab. Welcher Tablet-Hersteller zum Zug kommen wird, ist noch nicht festgelegt.

Andy Schär, Leiter Beratungsstelle imedias an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz, nannte an der gestrigen Medienorientierung die Vorzüge des Tablet-Computers: «Man kann ihn ganz einfach im Schulsack versorgen wie ein Heft. Und anders als beim Arbeiten mit dem PC gibt es keine Barriere durch den Bildschirm, denn das Tablet liegt auf dem Tisch.» Zudem sei es allzeit bereit, weil es nicht minutenlang aufstarten müsse. Mit dem Tablet sollen die Schüler im Internet recherchieren, Lerntrainings absolvieren, Präsentationen erarbeiten oder etwa Hausaufgaben erledigen können, so Schär.

Wichtige Erfahrungswerte sammeln

Das Projekt «myPad» ist als Versuch gedacht. «Wir wollen testen und untersuchen, ob die digitale Schiefertafel als Werk- und Denkzeug das Potenzial hat, Computerzimmer, PCs oder Laptops in den Schulen abzulösen», formuliert Adriano Vella, Departementssekretär des Departements für Bildung und Kultur, die Ziele.

Man wolle zudem herausfinden, wie sich das iPad auf den Unterricht auswirkt, und auch eine Kosten-Nutzen-Analyse machen, ergänzte imedias-Leiter Andy Schär. Das Projekt erfordere denn auch einen Mehraufwand für die Verantwortlichen der Schulen: Weiterbildungskurse für Lehrpersonen müssen angeboten werden. Und Letztere sollen Rezensionen über Apps schreiben und ihre Erfahrungen mitteilen. Überdies sollen die Eltern der betreffenden Schüler einbezogen werden.

Den Dulliker Schülern gefällts

Die Schülerinnen und Schüler der zwölf auserwählten Klassen dürfen sich jedenfalls auf ein spannendes Projekt freuen. Denn ihre Dulliker Gspändli schwärmten gestern Vormittag nur so vom iPad. Oder wie es ein Schüler ausdrückte: «Es ist viel cooler, auf einem iPad Aufgaben zu lösen. Man muss nicht ständig umblättern.»