Kontrollen
Dieses Gerät misst den Alkohol im Atem – absolut beweissicher

Ab dem 1. Oktober misst die Kantonspolizei den Alkoholpegel in der Atemluft. Blutproben werden damit überflüssig und nur noch in Ausnahmefällen nötig – zum Beispiel bei Verdacht auf Betäubungsmittelkonsum oder nach Unfällen.

Jasmin Krähenbühl
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Das Gerät führt im selben Atemausstoss der getesteten Person zwei Messungen durch.

Das Gerät führt im selben Atemausstoss der getesteten Person zwei Messungen durch.

Jasmin Krähenbühl

In anderen Ländern Europas hat sie sich längst bewährt, nun kommt sie auch in die Schweiz: Am 1. Oktober führt die Solothurner Kantonspolizei die beweissichere Atemalkoholkontrolle ein. Wer bisher mit mehr als 0,8 Promille am Steuer erwischt wurde oder mit seinem ins «Röhrchen» geblasenen Wert von 0,5–0,8 Promille nicht einverstanden war, musste sich im Spital Blut entnehmen lassen.

Geräte auf 34 Grad geheizt

Die Labtec Services AG im aargauischen Villmergen ist in der Schweiz eine der beiden führenden Anbieter der neuen Geräte für Atemalkoholkontrolle. Die Messmethode sei nicht nur genau, sondern auch stabil, sagte Geschäftsleiter Beat Lüthy zur «Aargauer Zeitung»: «Das Gerät kontrolliert den Alkoholgehalt in der Atemluft nicht nur einmal, es macht zwei unabhängige Messungen. Daneben gibt es weitere Komponenten, welche zur Beweissicherheit beitragen.» Unter anderem würden die Testgeräte auf 34 Grad geheizt, so Lüthy. Damit seien die früher möglichen Messdifferenzen bei extremen Temperaturunterschieden zwischen Atem- und Aussenluft ausgeschlossen. (szr)

Neu ersetzt die beweissichere Atemalkoholkontrolle den oft lästigen Gang ins Spital. Die Blutprobe ist nur noch in Ausnahmefällen nötig, zum Beispiel bei Verdacht auf Betäubungsmittelkonsum oder nach Unfällen.

«Das ganze Prozedere wird zeitlich kürzer und für die betroffene Person entfallen die zusätzlichen Kosten der Blutentnahme und Analyse», lobt Andreas Mock, Leiter Medien und Kommunikation der Kantonspolizei Solothurn, die Vorzüge der neuen Methode.

Anpassungszeit benötigt

Doch die Einführung der Atemalkoholkontrolle hat auch Hürden. Bisher wurde der Alkoholgehalt in Promille – Gramm Alkohol pro Gramm Blut – gemessen. Die neue Messeinheit für Atemluft verändert Zahlen: Was bisher 0,5 Promille Blutalkohol waren, sind nun 0,25 Milligramm Alkohol pro Liter Atemluft (mg/l). «Die neue Messeinheit ist anfangs noch gewöhnungsbedürftig», sagt Mock. Die Polizisten würden eine entsprechende Schulung durchlaufen, in der die Handhabung des neuen Gerätes vermittelt und geübt wird. Auch die Kosten für die neue Ausrüstung sind nicht unerheblich.

Vor Gericht beweissicher

Die neue Atemalkoholkontrolle misst den Alkoholgehalt in der Atemluft so präzise, dass das Resultat vor Gericht als beweissicher gilt. Das Gerät führt im selben Atemausstoss der getesteten Person zwei unabhängige Messungen durch. Nur wenn die beiden Befunde identisch sind, ist das Resultat gültig. Die gesetzlichen Vorschriften und Sanktionen für übermässigen Alkoholkonsum verändern sich nicht. (jkr)

Insgesamt gab der Kanton Solothurn 56'000 Franken für sieben Atemalkoholgeräte aus, die Beiträge für Verbrauchsmaterial wie Mundstücke oder Druckerpapierrollen nicht eingerechnet. Doch die Ausgaben stehen bei der Kantonspolizei nicht im Vordergrund. «Wegen des einfacheren Ablaufes können wir vermehrt Verkehrskontrollen durchführen, was letztendlich ein Beitrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit beiträgt», erklärt Mock.

Bei Grosskontrollen und auf Posten

Bis es so weit ist, vergeht wohl noch ein Weilchen. «Aufgrund ihrer Masse und der Betriebsbedingungen können die momentan zugelassenen Messgeräte noch nicht mobil auf den regulären Patrouillen mitgeführt werden», räumt Mock ein.

Nur bei Grosskontrollen könne ein Gerät direkt vor Ort eingesetzt werden. Zurzeit sind die beweissicheren Alkoholmessgeräte auf den Polizeiposten in Solothurn, Grenchen, Oensingen, Olten, Dornach und Breitenbach stationiert, nur eines ist für mobile Grosskontrollen geeignet.