Mamamundo Solothurn

Dieser Verein will schwangere Migrantinnen vor der Geburt unterstützen

Schluckt die schwangere Mutter Schmerzmittel, kann das Kind geschädigt werden. Foto: Colourbox

Jede Schwangere soll genügend Infos und Unterstützung erhalten – in ihrer Muttersprache.

Schluckt die schwangere Mutter Schmerzmittel, kann das Kind geschädigt werden. Foto: Colourbox

Frauen ohne Deutschkenntnisse besuchen kaum konventionelle Geburtsvorbereitungskurse. Ein neuer Verein will weiterhelfen. Zwei Solothurnerinnen haben ein Angebot geschaffen; nach Berner Vorbild.

«Es heisst immer, Gebären sei überall auf der Welt das gleiche», sagt Annette Rudolf. «Aber das stimmt so eben gar nicht.» Rudolf, 30 Jahre alt aus Solothurn, weiss, wovon sie redet. Sie ist Hebamme, studiert derzeit zusätzlich Psychologie an der Uni Bern, und arbeitet im Spital in Interlaken. Studiert hat Rudolf in der Schweiz zusammen mit Delia Weber, ebenfalls 30, aus Zuchwil.

Annette Rudolf

Annette Rudolf

Die beiden haben auch ihre Bachelorarbeit zusammen erarbeitet – im Auftrag von Mamamundo, ein Verein aus dem Kanton Bern, der Geburtsvorbereitungskurse für Migrantinnen, in verschiedenen Sprachen, anbietet. Das hat dazu geführt, dass Weber und Rudolf, die auch nach dem Studium noch gut befreundet sind, Anfang 2020 ebenfalls einen Verein gegründet haben: Mamamundo Solothurn, nach Berner Vorbild.

Delia Weber

Delia Weber

«Es ist wichtig, dass Frauen in ihrer Muttersprache Fragen stellen können, Ängste teilen dürfen, sodass wir sie in ihrer Gesundheitskompetenz fördern können», sagt Rudolf. Und sei das nur schon die Frage danach, wie man die Geburtsstation erreicht oder wer dann bei der Geburt betreut. Nur: «Oft besuchen Migrantinnen die konventionellen Geburtsvorbereitungskursen nicht.» Warum Migrantinnen diese nicht besuchen, weiss man zwar nicht genau – aber naheliegend ist es, dass dies an der Sprachbarriere liegt», denn konventionelle Kurse im Spital etwa sind oft auf Deutsch. Und die Hebammen könnten dann meistens halt nur Französisch, Englisch oder Italienisch, was nicht wirklich helfe.

Günstige Kurse mit Dolmetscherinnen

Hier will Mamamundo Abhilfe schaffen. Die Idee: Die Kurse werden in – «möglichst allen» – verschiedenen Sprachen angeboten, an den beiden Standorten Solothurn und Olten. Weber und Rudolf leiten die Kurse, immer unterstützt von verschiedenen interkulturellen Dolmetscherinnen, die für die Migrantinnen übersetzen. Damit diese das Angebot überhaupt kennen und nutzen können, ist der Verein ziemlich vernetzt im Kanton: Die Wochen seit der Vereinsgründung Anfang Jahr haben die Co-Leiterinnen genutzt, um sich bei Spitälern, Sozialdiensten, gynäkologischen Praxen und Hilfswerken bekannt zu machen, welche schwangere Migrantinnen mit weniger guten Deutschkenntnissen vermitteln können.

Niederschwellig soll das Ganze sein. Deshalb auch die Preise: Für einen Kurs, dazu gehören sieben Einheiten, zahlen werdende Mütter je nach Einkommen der Familie einen unterschiedlichen Preis. Bei einem Einkommen kostet ein Kurs 60 Franken, bei zwei Einkommen 200 Franken.

Dadurch macht der Verein nicht das grosse Geld. Das ist aber auch nicht das Ziel. Dafür erhält Mamamundo Solothurn finanzielle Unterstützung aus dem kantonalen Lotteriefonds. Ende April hat der Regierungsrat den entsprechenden Entschluss gefasst. Der Verein erhält einen Startbeitrag von 100581 Franken. Damit soll Mamamundo Solothurn nun einmal zwei Jahre lang als Pilotprojekt finanziert werden. «Eine genaue Anzahl kann ich nicht nennen – aber es haben sich schon interessierte Frauen gemeldet», so Rudolf. Wobei man es sich hier zu Nutze machen könne, dass Migrantinnen oft in eigenen Kreisen und Gemeinschaften organisiert seien – «solch ein Angebot spricht sich dann schnell herum».

Die Co-Leiterin spricht zudem von einer «Win-win-Situation»: Die Gesundheitsförderung Schweiz habe ohnehin vor, Mamamundo in mehreren Kantonen zu verbreiten; Solothurn könne hier mitziehen.

Weber und Rudolf wollen je drei Kurse jährlich in Olten und Solothurn geben – wegen Corona startet Mamamundo mit einem Monat Verspätung im August – und zwar in den Sprachen, die aktuell gefragt sind. Dann ziehen die beiden Hebammen Bilanz und überprüfen, ob sie den Betrieb stemmen können. Beide werden weiter als Hebamme tätig sein, Rudolf in Interlaken, Weber als ambulante Hebamme im Raum Solothurn.

Die Kurse – aber vor allem auch das Organisieren des Vereins und die Vernetzungsarbeiten – haben entsprechend viel Freizeit in Anspruch genommen. «Es hat sich aber gelohnt; wir wurden gut angenommen im Kanton. Das ist wirklich wichtig, weil es schlicht kein vergleichbares Angebot gibt für Migrantinnen», so Rudolf. Und: «Wir sind beide einfach sehr kultursensibel – es ist uns eine Herzensangelegenheit, möglichst vielen Frauen Fragen zu beantworten und Ängste und Sorgen zu nehmen.»

Hier geht's zum Angebot von Mamamundo Solothurn.

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