Am Zmorgetisch auf dem Dubhof an der Passwangstrasse in Ramiswil gibt es Kaffee, Brot, Honig und Konfitüre, Anke und feinen Schafskäse. Hausherr Christoph Saner, seine Frau Anita und ein polnischer Helfer sitzen am Tisch. Ebenso ihre beiden kleinen Töchter Anna-Lena (3) und Jana-Ladina (2). Saner ist zufrieden, obwohl er diese Nacht nicht so gut geschlafen hat, wie er erzählt. «Ich habe mein Wunschpferd bekommen», freut er sich. Saner war am Donnerstag an der Versteigerung der beschlagnahmten Pferde von Ulrich K. in Schönbühl. Die Nachfrage nach den Pferden war enorm; alle wurden verkauft, manches Tier wechselte gar gleich zweimal den Besitzer. «Es ist ja schon wichtig, dass die Pferde in gute Hände kommen», sagt Saner. «Doch was dort abging, ist skandalös und wird sicher noch einiges zu reden geben.»

Keine Ahnung von Versteigerung

Er beschreibt, was er erlebt hat: «Der Versteigerungsablauf war so vorgegeben. Es wurde pro Pferd ein Grundpreis verlangt. Von diesem aus konnte man höchstens noch 500 Franken in Hunderterschritten zusätzlich steigern. So wurden Summen unter marktüblichen Preisen für Freiberger erzielt und mehrere Bieter boten bis zum Schluss für ein Pferd. Die Folge: Man liess die Interessenten dann Lose ziehen mit der Konsequenz, dass wer ein bestimmtes Pferd haben wollte, gleich mehrere Verbündete zum Losziehen schickte. So schaffte es Saner selbst, mit der Unterstützung der Freiberger-Vereinigung, Charly, den 7-jährigen Fuchshengst, zu bekommen. «Ich hatte viel mehr Geld dabei, denn wir wollten dieses Pferd auf jeden Fall haben.» Und er schildert weiter: «Ich erlebte mit, dass jemand auf dem Parkplatz ein Pferd für 4000 Franken kaufte, das vorher für 2000 Franken ersteigert wurde. So führt man doch keine Gant durch», ereifert er sich.

Charly habe er schon früher bei Ulrich K. gesehen und kaufen wollen. «Der wollte aber nichts davon wissen. Der Hengst ist in einem guten Zustand und ist auch den Umgang mit Menschen gewohnt. Man muss ihn einfach noch an uns angewöhnen», sagt der gebürtige Beinwiler.

Ein Urfreiberger

Christoph Saner ist Vizepräsident der Verband-Sektion Urfreiberger RRFB (Eidgenössischer Verband des reinrassigen Freibergerpferdes). Dies ist ein Unterverband des Schweizerischen Freibergerverbandes mit dem spezifischen Zuchtziel, einen Freiberger mit 0% Fremdblutanteil zu züchten. Alle vor dem 1. Januar 1950 geborenen Freibergerpferde werden als Pferde ohne Fremdblut betrachtet und Charly stammt aus einer solchen Linie. Saner erachtet dies als wichtig für die Schweizer Pferdezucht. «Heute verfügen viele Freiberger über Einkreuzungen von Halbblutpferderassen. Doch der Freiberger soll ein Vielzweckpferd sein, das über eine robuste Gesundheit verfügt.»

77 Pferde weiden momentan auf Saners Weiden am Passwang und auf dem Oensinger Roggen. Mit Charly ist es noch eines mehr geworden. «Ich finde es wichtig, dass die Pferde in einem Herdenverband leben können. So, wie sie das auch in der Natur tun», meint der ausgebildete Landwirt. Vor rund 15 Jahren sei er aus Beinwil auf den Hof am Passwang gekommen.

Ramiswiler Christoph Saner hat Hengst Charly gekauft.

Ramiswiler Christoph Saner hat Hengst Charly gekauft.

Auf dem Gelände stehen insgesamt zwei Wohnhäuser; das Obere Dub aus dem Jahr 1593, das derzeit unbewohnt ist, und das Wohnhaus aus den 1960er-Jahren, in dem Saner mit seiner Frau und den insgesamt fünf Kindern lebt. «Wir sind eine Patchwork-Familie», erzählt er. «Ich habe zunächst als Milchbauer angefangen. Als dies nichts mehr einbrachte, habe ich mein Hobby, die Pferdezucht, zum Hauptstandbein des Betriebes gemacht.» Weiteres Einkommen generiert der Landwirt mit der Pflege von Landschaften nach den Vorschriften des Mehrjahresprogramms Natur und Landschaft des Kantons Solothurn. Auf dem Hof sind noch Mutterkühe, Ziegen, Hunde, Katzen, Hühner und Kaninchen anzutreffen.

Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde Saner zudem «Fernseh-Star». In der Mittelalter-Serie des Fernsehens SRF beherbergte er die Pilgergruppe für eine Nacht und kutschierte sie auch kurz durchs Thal. «Ich glaube, das war ein Zufall. Man ist bei der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit im Stroh wegen unserer Homepage auf uns gekommen», meint er belustigt. Ansonsten habe er aber nicht im Sinn, seinen Hof für touristische Angebote zur Verfügung zu stellen. «Ausser jemand kommt aus dem Ausland zum Pferdekaufen hierher.»
Jetzt ruft die Arbeit. Charly muss behutsam an seine neue Umgebung, seine neuen Artgenossen herangeführt werden.