Geschossen hat die Bilder Daniel Stettler, Polier bei der Baufirma Marti AG. «Ich hatte etliche positive und lustige Reaktionen darauf – sogar aus dem Berner Oberland», bestätigt der Hobby-Fotograf schmunzelnd. Der Ort des Badevergnügens ist aussergewöhnlich genug: die Grossbaustelle Attisholz Süd in Luterbach. Dort sind Stettler und seine derzeit sechs Mitarbeiter damit beschäftigt, eine Deponie aus der Zeit der Zellulosefabrik Attisholz fachgerecht zu entsorgen. Sie helfen also dabei mit, «sauberen Tisch» zu machen für die Ansiedlung der Firma Biogen, die hier mittelfristig mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen will. In grossen Labor- und Produktionsanlagen sollen bald einmal unter klinisch-sauberen Bedingungen Stoffe für Medikamente produziert werden. Zuvor aber sind Männer wie Daniel Stettler und seine Leute gefragt. Leute, die unter ganz anderen Bedingungen arbeiten. Männer, die riesige Baumaschinen schier blindlings bewegen können und nicht davor zurückschrecken, sich dabei auch mal nicht nur die Hände schmutzig zu machen.

Für den Bau muss man schon irgendwie geschaffen sein

Wie ist es denn, Daniel Stettler, bei Wind und Wetter oder unter gleissender Sonne auf Baustellen zu arbeiten? «Man muss wohl schon irgendwie dafür geschaffen sein», räumt der 27-Jährige mit einem gewissen Stolz ein. «Es ist schon nicht jedermanns Sache. Aber man gewöhnt sich daran.» Wie das Wetter auch ist, gefordert ist in jedem Fall der Vorarbeiter, um auf allfällige Durchhänger beim Personal zu reagieren und das Team bei der Stange zu halten. Als die Thermometer-Anzeige in den letzten Wochen stieg und stieg und auf dem Weg nach oben kaum mehr stoppen wollte, da griff Stettler die Idee eines seiner Mitarbeiter gerne auf: Gemeinsam schufen sie ihren exklusiven Baustellen-Pool – samt Sprungbrett. Und der Polier wurde quasi zum Badmeister. Die Vorgesetzten hätten dafür grünes Licht gegeben, im Wissen darum, «dass man ja nachher auch wieder umso besser arbeiten mag.»

Seit fünf Wochen ist Stettler hier nun im Einsatz. «Diese Arbeit, der Mix zwischen Bürojob und Arbeit an der frischen Luft, liegt mir. Ich werde fast depressiv, wenn ich nur im Büro sitzen muss», sagt er. Deshalb auch habe er seine Weiterbildung zum Bauführer noch nicht abgeschlossen. Die «ganz besondere, aussergewöhnliche Baustelle» auf dem Attisholzareal hat ihren besonderen Reiz für den jungen Berufsmann.

Verunreinigter Boden und Grundwasser werden aufbereitet

Und der Vorarbeiterjob hat es in sich. Allein hier, wo einst die riesigen Holzschnitzel-Haufen der Zellulosefabrik lagerten, müssen 15 000 Kubikmeter des mit allerlei Deponiegut verunreinigten Untergrundes abgetragen, je nach Verschmutzungsgrad selektioniert und dann fachgerecht weiterbehandelt werden. «Stärker belastetes Material muss in einer Halle im Trockenen zwischengelagert werden, anderes Material kommt in eine Zwischendeponie im Freien, bis über die definitive Entsorgung entschieden ist», erläutert Stettler. Entsprechend sei permanente Aufmerksamkeit angesagt und müssten regelmässig optische Begutachtungen und chemische Proben vorgenommen werden. Die im Einsatz stehenden Maschinisten tragen wegen möglicher Gasentwicklungen denn auch stets ein Gaswarngerät bei sich. Überwacht, abgepumpt und gereinigt werden muss schliesslich auch das Grundwasser, liegt doch die Deponie mitten im Grundwassergebiet. Stettler: «50 Kubikmeter pro Stunde werden aufbereitet und dann gereinigt in die Aare geleitet.»

Bei aller Begeisterung für seinen «genialen Job» und die aktuelle Baustelle, die ihm wohl noch einige Zeit ein gerüttelt Mass an Arbeit verschafft:
Es gibt auch für Polier Stettler ein Leben neben der Arbeit. Die Fotos von seinen badenden Kollegen zeugen davon, dass das Fotografieren seit ein paar Jahren eines von Stettlers liebsten Hobbys ist. Ja, und dann gibt es da auch noch einen Hund … und eine Freundin … und «in vier Wochen», so freut sich Daniel Stettler strahlend, «werde ich Vater!» Das dürfte dann zweifellos ganz andere Fotosujets hergeben: diesmal dann wohl eher von einer Miniatur-Wanne – mit einem badenden Baby drin …