Jetzt stehen sie wieder auf den Spielplänen der Theater landauf, landab – die Kinderstücke in der Vorweihnachtszeit. Meist Märchen aus dem Buch der Gebrüder Grimm. Heutzutage oft mit gesellschaftskritischen, hintergründigen Aussagen «angereichert», in Kostümen, die ganz und gar nichts Märchenhaftes mehr an sich haben – und die so den Kindern jede Illusion, von einer Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat, nimmt.

Das brauchen all diese Märchen eigentlich nicht. Sie sind genau so, wie sie sind, zeitlos. Dies sagten sich wohl auch Teresa Rotemberg und Ralph Blase, die am Theater und Orchester Biel Solothurn (TOBS) «Der gestiefelte Kater» inszenierten. Am Sonntagnachmittag in der Solothurner Rythalle fand eine viel beklatschte Premiere statt.

Kater mit roter Punkerfrisur

Eine kurze Auffrischung des Märchens gefällig? Der arme Müllerssohn Hans erbt von seinem Vater nichts als einen lausigen Kater. Eine grosse Enttäuschung zunächst – dann aber stellt sich zu seiner Verwunderung heraus, dass dieser Kater sprechen und nach spanischen Klängen tanzen kann.

Er verspricht dem armen Hans grossen Reichtum und gar eine Prinzessin, allerdings unter einer Bedingung: Hans soll ihm massgeschneiderte Stiefel schenken. Der Kater bekommt diesen Wunsch erfüllt und bald wird klar: Dieser Kater ist mit allen Wassern gewaschen. Mit viel List und vor allem mit Unmengen leckerer Rebhühner sichert sich der quirlige Kater sodann einen Platz im Herzen des nimmersatten Königs und verhilft so dem staunenden Hans zu Gold, neuen Kleidern, Schloss und Prinzessin.

Diesen Kater (Tim Mackenbrock) lieben die Kinder gleich zu Beginn. Mit seiner roten Punkerfrisur umschmeichelt er sanft und beweglich seinen Hans. Und es ist ganz selbstverständlich, dass er sich in Stiefeln auf zwei Beinen zu bewegen weiss.

Eine kumpelhafte Prinzessin

Auch die Prinzessin (Natalina Muggli), eine eigentlich verwöhnte Schuhfetischistin auf der Suche nach ihrem Prinzen, schliesst man sofort ins Herz ein. Sie singt und tanzt sich so ehrlich und kumpelhaft mit ihrem rosa Haar ins Herz des Publikums, dass man sie einfach gern haben muss. Fast ein wenig Leid könnte einem der Hofmarschall und Hausdiener (Max Gnant) – aus Spargründen alles in einer Person – tun. Doch er trägt sein Schicksal, seinem König unter allen Umständen zu Diensten zu sein, mit solchem Stolz und feinem Humor, dass sogar seine Aufgabe, als Rösschen vor die Kutsche gespannt zu werden, seiner Würde keinen Abbruch tut.

Der arme Müllerssohn Hans (Charles Morillon), einmal nur noch mit einem Badekostüm bekleidet, ist der Mann, aus dem Prinzessinnenträume gemacht sind. Der König, (Lou Elias Bihler), ein wenig an Harald Glööckler erinnernd, lebt trotz einiger Probleme in Saus und Braus. Ein warmer, sympathisch und tollpatschiger König, genau so, wie er dem Grimm-Märchen entsteigen soll. So bringen diese fünf Schauspieler die ganze Palette der grimmschen Faszination auf die Bühne, allerdings nicht antiquiert und trocken, sondern humorvoll, zeitgerecht, kindgerecht und voller Spiellust.

Ideenreiches Bühnenbild

Die Kostüme sind voller Opulenz und die Bühne ist ideenreich und zweckmässig eingerichtet. Ein Augenschmaus, auch für die Grossen (Kostüme und Bühnenbild: Andreas Becker). Die Musik von Andreas Bilder kommt immer zum rechten Augenblick, schön dosiert und mitreissend.

Und was gefiel den Kleinen, dem eigentlichen Zielpublikum nach 75 Minuten Spielzeit am besten? «Der Kater und die Prinzessin», meinte die 9-jährige Masha ganz spontan. «Mir eigentlich alles», sagte Miloh, der 7-Jährige. Nur einmal hörte man ein leises Weinen in den Rängen und ein Vater musste sein Kind in den Arm nehmen und trösten. Dann nämlich, als der böse Zauberer (der kommt in diesem Märchen auch noch vor) mit Getöse und Trockeneis sich in einen Löwen verwandelte. Wie? Am besten schauen Sie es sich selbst an.

Vorstellungen in Solothurn: 1.12.; 22.12.; 29.12.; 4.1.14. Vorstellungen in Biel: 17.11. (Premiere); 24.11., 8.12.; 28.12.; 5.1.14.

Jeweils 15 Uhr. Die Vorstellung dauert 75 Min. (ohne Pause).