Der Erlös daraus sollte für den Mietzins bis zum nächsten Kündigungstermin und für seine Aufwendungen haften.

Was zuerst nach einer einvernehmlichen Lösung ausgesehen hatte, entwickelte sich bald einmal zu einem via E-Mail ausgetragenen Streit. So hatten die beiden unterschiedliche Auffassungen über den Wert der zurückgelassenen und zu verkaufenden Gegenstände. Die Kosten für die Liquidation der Wohnung, die der Vermieter Philipp W.* geltend machte, wurden vom Mieter, dem Rentner Peter Z.*, als völlig überrissen zurückgewiesen.

Von da an sei er auf der Hut gewesen, erklärte der Mieter, der seit 1. März dieses Jahres wieder in der Schweiz wohnt, diese Woche vor Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. Vollends stutzig sei er geworden, als er auf die Anfrage, welche Gegenstände nun verkauft worden seien und welche nicht, von W. keine Antwort erhalten habe. Schliesslich schaltet der Mieter einen Anwalt ein. W. seinerseits liess seine Rechtsschutzversicherung in der Sache aktiv werden. Diese teilte darauf dem Anwalt des Mieters mit, die Angelegenheit sei erledigt, er möge von weiteren Forderungen absehen.

Auf Vergleich nicht eingegangen

Wie sich aber später herausstellte, war der Vermieter immer noch im Besitz von Zs.* elektronischem Piano, zweier Buddha-Figuren und einiger Bilder, unter anderem einer Lithografie des englischen Bildhauers und Zeichners Henry Moore. Z. veranschlagte den Wert dieser Gegenstände auf 22000 Franken und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Diese sollte schliesslich W. wegen Veruntreuung zu einer bedingten Geldstrafe von 3000 Franken verurteilen. Gegen diesen Strafbefehl erhob W. Einsprache, worauf es nun zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt gekommen ist.

Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt hätte die ganze Angelegenheit am liebsten mit einem Vergleich geregelt. Den Versuch zu einer gütlichen Einigung hatte zuvor auch schon die Staatsanwaltschaft unternommen, da diese zur Ansicht gelangt war, die ganze Angelegenheit sei über das Strafrecht nur denkbar schlecht zu lösen. Doch wie bereits bei der Staatsanwaltschaft wollte der Vermieter auch vor Gericht nichts von einer gütlichen Einigung wissen. Ein Entscheid, der von Gerichtspräsident Stefan Altermatt mit dem Oscar-Wilde-Zitat «Der Mensch ist vielerlei, aber vernünftig ist er nicht», quittiert wurde.

Im Zweifel für den Angeklagten

Der Anwalt des Mieters verlangte in seinem Plädoyer, W. sei wegen Veruntreuung zu verurteilen, er habe eventualvorsätzlich gehandelt. «W. hat es darauf ankommen lassen, ob mein Mandant merkt, ob sich die Gegenstände immer noch in seinem Besitz befinden, oder eben nicht.» Deshalb lasse sich die Angelegenheit nicht einfach nur in einem Zivilverfahren regeln. Ws. Anwalt dagegen plädierte für einen Freispruch. Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft sei nicht objektiv gewesen und stelle sich nur auf Behauptungen des Mieters ab. Deshalb seien die Verfahrenskosten vom Staat zu übernehmen und seinem Mandanten sei eine Parteikostenentschädigung auszurichten.

Zu einem Freispruch ist letztlich auch Gerichtspräsident Altermatt gelangt. Und zwar nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Dies, weil der subjektive Straftatbestand nicht erfüllt sei. Allerdings sei das Verhalten von W. nicht nachvollziehbar. So habe er dem Mieter gegenüber nie Rechenschaft abgelegt, was nun verkauft worden sei und was sich noch in seinem Besitz befinde. «Wären alle Karten offen auf den Tisch gelegt worden, hätte die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt.» Da er aber «schuldhaft das Verfahren verursacht» habe, müsse der Vermieter und nicht der Staat für die Urteilskosten in der Höhe von 1600 Franken aufkommen.