Wirtschaft: Hammerschläge erschüttern die Industrie

von Franz Schaible

Die Solothurner Industrie ist auch 2013 nicht zur Ruhe gekommen: Nach dem Aus für die Borregaard in Luterbach, die Papierfabrik Biberist und den Präzisionsteilehersteller Mühlemann in Biberist in den Vorjahren war der Standort Kanton Solothurn im abgelaufenen Jahr mit weiteren Hiobsbotschaften konfrontiert.

Die Wasserämter Gemeinde Deitingen ist von einer Radikalkur des internationalen Technologiekonzerns ABB betroffen. ABB Turbo Systems - der Bereich produziert Turbolader für Schiffsmotoren - konzentriert wegen eines Auftragseinbruchs die Produktion in Baden und in Klingnau. Deshalb wird der Standort Deitingen bis Mitte 2014 geschlossen. 105 Arbeitsplätze gehen verloren. In Breitenbach wiederholt sich die Geschichte: Dort spielt der französische Kabelkonzern Nexans die Hauptrolle. Die Schweizer Aktivitäten werden in Cortaillod am Neuenburgersee zusammengefasst. Der Standort im Hauptort des Bezirks Thierstein wird bis Ende 2015 geschlossen. 166 industrielle Arbeitsplätze werden verschwinden.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird auch Zuchwil von einem Hammerschlag erschüttert. Der deutsche Bosch-Konzern kündigte Mitte November an, die Produktion für Elektrowerkzeuge in der Tochter Scintilla schrittweise bis Mitte 2016 nach Ungarn zu verlagern. Noch kämpft die Belegschaft gegen das Unheil an. Falls die Auslagerung aus «Kostengründen» durchgezogen wird, verliert Zuchwil 330 Arbeitsplätze.

Spirig und Swatch: Gegensteuer

Auf der anderen Seite gibt es auch Positives zu vermelden. So eröffnete der Uhrenkonzern Swatch in Grenchen im Frühling eine neue Fabrik für die Herstellung von Zifferblättern, Gehäusen, Lunetten usw. Vorerst entstehen 270 Arbeitsplätze, davon stammen 170 aus der ETA Bettlach. Langfristig könnten bis 1000 neue Stellen entstehen. In Egerkingen wurde der Standort der Spirig Pharma gestärkt. Nach der Übernahme durch die Nestlé-L'Oréal-Tochter Galderma stieg die Zahl der Arbeitsplätze deutlich an.

Insgesamt zeigt sich die Solothurner Wirtschaft, insbesondere der Arbeitsmarkt, angesichts der früheren und aktuellen Betriebsschliessungen erstaunlich robust. Liegt doch Solothurn mit einer Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent deutlich unter dem nationalen Durchschnitt.

Kantonale Wahlen: Solothurner setzen auf Stabilität

von Urs Mathys

Mit Christian Wanner (FDP), Klaus Fischer und Walter Straumann (beide CVP) traten gleich drei der fünf Regierungsräte nicht mehr zur Wiederwahl an. Neun Personen - je zwei FDP, CVP, SP; je ein G, SVP und Unabhängiger - kandidierten im ersten Wahlgang vom 3. März (Stimmbeteiligung 43 Prozent). Das absolute Mehr schafften aber nur die zwei Bisherigen: Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler (FDP) und Innenminister Peter Gomm (SP).

Die Kandidatin der Grünen, Brigit Wyss, landete auf dem überraschenden vierten Platz. Die Hoffnungen des links-grünen Lagers auf einen zweiten Regierungssitz zerschlugen sich im zweiten Wahlgang vom 14. April jäh: Wyss wurde von den Bürgerlichen Remo Ankli (FDP), Roland Fürst und Roland Heim (beide CVP) vom Podest abgedrängt (Stimmbeteiligung 35 Prozent). Die bisherige Zauberformel (je zwei FDP und CVP, ein SP) blieb unangetastet.

Auch im 100 Sitze zählenden Kantonsrat blieb die Stabilität mehr oder weniger gewahrt: Auf bürgerlicher Seite wurde ein Verlust der FDP (26 Sitze) kompensiert durch einen Gewinn der SVP (19). Auf der Linken fiel ein Mandat der SP (19) an die Grünen (7), ein weiteres an die GLP (4) und somit an die Mitte. Weil GLP, EVP (1) und die erstmals antretende BDP (2) mit der CVP (22) eine gemeinsame Fraktion bilden, wurden deren eigene drei Sitzverluste «kompensiert».

Von den vier grossen Parteien konnte nur die SVP ihren Wähleranteil weiter ausbauen; mit 0,8 Prozent allerdings weit bescheidener als von ihr selber angestrebt.

Kantonsfinanzen: Harter Kampf gegen rote Zahlen

Die Staatsrechnung für das Jahr 2012 weist mit einem Minus von 111,4 Mio. Franken erstmals seit zehn Jahren ein Defizit aus. Tiefrot präsentieren sich auch die Budgets 2013 (146 Mio. Franken) und 2014 (112 Mio. Franken). Anfang Dezember stimmte der Kantonsrat einer Erhöhung der Staatssteuer für natürliche Personen auf 102 Prozent zu.

Um die Kantonsfinanzen bis zum Jahr 2017 zu sanieren, hat die neu zusammengesetzte Regierung ein Massnahmenpaket geschnürt. Das Paket enthält Ausgabenreduktionen und Mehreinnahmen in einer Höhe von jährlich total 118 Mio. Franken. Per sofort sukzessive umgesetzt werden die Massnahmen in der Verantwortung der Regierung (48 Mio.). Der Kantonsrat befindet im Frühling über rund 70 Mio. Franken. (esf)

Solothurn und sein denkwürdiger «Senf» beim Auftritt an der Olma in St. Gallen

«Mir gäh dr Sänf drzue» hiess das Motto des Gastkantons Solothurn an der diesjährigen Olma in St. Gallen, die vom 9. bis 19. Oktober stattfand. An einer viel beachteten Sonderschau wurde Herausragendes aus dem Kanton präsentiert: Alles, was aus solothurnischen Landen stammt und einen überregionalen, wenn nicht gar internationalem Ruf geniesst.

Der Solothurner Festumzug durch die St. Galler Innenstadt am Tag des Gastkantons, dem kalten Samstagmorgen vom 12. Oktober, war sehr lebendig, unterhaltend, gewitzt und ebenfalls mit viel Senf gewürzt. Über 2200 Solothurner machten bei einem der grössten Umzüge in der Olma-Geschichte mit. (frb)

(Quelle: youtube/ jump Television)

Der Kanton Solothurn an der Olma 2013 - Das offizielle Video

Aufbruch dank Abbruch auf dem Weissenstein

Das grosse Aufatmen ging im Juni durch die Region. Am 5. Juni war die jahrelange Blockade am Solothurner Hausberg zu Ende. Der Schweizer Heimatschutz gab bekannt, den juristischen Kampf gegen den Bahnneubau nicht weiterzuverfolgen. Bereits Anfang September wurde mit einem grossen Volksfest der Spatenstich für die neue Bahn und der Beginn der Abbrucharbeiten der alten Bahn gefeiert.

Stand heute sind die Talstation und die Mittelstation bereits dem Erdboden gleichgemacht, die Schneise für die neue Bahn ist gerodet und beim Oltner Kabinenbauer CWA sind 49 blaue Gondeli bestellt worden. Ende November zog auch die Kurhausbesitzerin, die Solothurner Regiobank, nach: Sie stellte den neuen Pächter vor, der das Traditionshaus wieder ganzjährig offen halten und Hotelzimmer anbieten wird.

Die Übergangsära von Werner und Bethli Käser, die vorübergehend wieder auf den Hausberg zurückgekehrt sind, ging definitiv zu Ende. Drei Jahre Zeit gibt sich die Bank, um einen Käufer für das Haus zu finden. (lfh)

Wanner sorgt für rote Köpfe

Anfang Juni wurde publik, dass der scheidende Finanzdirektor Christian Wanner in seiner Funktion als Vizepräsident des Alpiq-Verwaltungsrats allein im Jahr 2012 Sitzungsgelder und Spesen in der Höhe von rund 107 000 Franken behalten hat. Obwohl er damit den Buchstaben des Staatspersonalgesetzes eingehalten hat, sorgte namentlich die Höhe der Sitzungsgelder (2012: 79 150 Franken) für rote Köpfe.

Christian Wanner

Christian Wanner

Als Folge davon hat der Kantonsrat im Dezember das Staatspersonalgesetz verschärft: Künftig müssen Regierungsmitglieder sowie Staatsbedienstete, die als Vertreter des Staates in öffentlichen oder privaten Unternehmen sitzen, alle Sitzungsgelder an die Staatskasse abliefern. Ebenfalls für Irritationen sorgte Christian Wanner damit, dass er sich per 1. August als Verwaltungsratspräsident der Solothurner Privatklinik Obach wählen liess - einer direkten Konkurrenz der Solothurner Spitäler AG. (esf)

Ärger über hohe Löhne bei der Spitäler AG

Seit 1. November ist der neue CEO der Solothurner Spitäler AG (soH), Martin Häusermann, im Amt - und verdient fast 350 000 Franken pro Jahr. Sein Vorgänger Kurt Altermatt musste sich mit 100 000 Franken weniger begnügen. Für Furore sorgten rund um die Debatte über die 1:12-Initiative auch die Spitzenlöhne der Kaderärzte. Der Bestverdienende erhält 567 000 Franken. (esf)

Hohe Strafen für Millionenbetrüger

Ein Solothurner Treuhänder und seine deutsche Geschäftspartnerin, die mit hohen Renditeversprechungen über 114 Personen um ihr Geld gebracht haben, wurden im September vom Obergericht zu Haftstrafen verurteilt.

Die 58-jährige Geschäftsfrau muss für sechs Jahre hinter Gitter. Die Schadensumme beläuft sich - einmalig für Solothurn - auf über 28 Mio. Franken. (esf)