Sina Strähl

Diese Solothurnerin will das Meer retten - und wandert dafür nach Australien aus

Sina Strähl auf dem Solothurner Aaremürli. Hier ist sie oft anzutreffen – gerade auch jetzt, im Monat bevor sie auswandert. Die letzten Tage verbringt sie gerne draussen mit Freunden und der Familie.

In rund einem Monat wandert Sina Strähl nach Australien aus. Die 20-Jährige erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Sie will am anderen Ende der Welt Meereswissenschaften studieren - und sich so für den Schutz der Weltmeere einsetzen; auch wenn sie dafür in Solothurn alles zurück lässt.

Wenn Sina Strähl von einer Reise nach Hause kommt, stellt sie sich jeweils an das Aareufer. Im Dunkeln steht die 20-Jährige dann am Kreuzackerquai der Solothurner Vorstadt und blickt hinüber auf die beleuchtete St. Ursen-Kathedrale. Dann weiss sie: Sie ist angekommen. Nach Hause kam die Solothurnerin schon oft. Als Kind lebte die Familie Strähl regelmässig über mehrere Monate hinweg in Thailand. Bis Strähl in die Schule kam und daraus eher verlängerte Ferien wurden.

Nach der Kantonsschule dann war Strähl ein Jahr lang in Kanada. Und erst vor einigen Wochen kam sie aus Indonesien zurück, wo sie Tauchen war. «Heimweh hatte ich noch nie. Ich hatte immer Fernweh», erzählt Strähl. So zieht es die junge Solothurnerin nun wieder weg, diesmal endgültig: Sie wandert nach Australien aus.

Die Solothurnerin liebt Tauchen. Das Unterwasserfoto hat ihr Vater gemacht.

Sina Strähl auf einem Tauchgang

Die Solothurnerin liebt Tauchen. Das Unterwasserfoto hat ihr Vater gemacht.

Kindheitstraum: Das Meer retten

Ab Mitte Juli wird Strähl in Australien Meereswissenschaften studieren. «Das Meer ist toll», sagt sie, zuckt mit den Achseln und lacht nach dieser schlichten Erklärung laut auf. Dann wird sie aber ernster: Strähl spricht von Klimawandel und Korallenbleiche. Von zunehmendem Plastikmüll im Meer, von schwindenden Arten in den Gewässern.

Stundenlang könne sie sich die Unterwasserwelt ansehen, schwärmt Strähl.

Sina Strähl auf einem Tauchgang

Stundenlang könne sie sich die Unterwasserwelt ansehen, schwärmt Strähl.

Ob mit Schnorchel, Kajak oder Tauchausrüstung: Das Wasser ist Strähls Element. Eine Leidenschaft, die sie vom Vater geerbt hat. Mit ihm zusammen macht sie hobbymässig auch Unterwasserfotos. Früher habe man dabei noch Grossschwärme beobachten können, das komme heute kaum mehr vor. Eindruck hinterliess jeweils auch die Menge Plastikabfall, die Strähl bei einem einzigen Tauchgang schon aus dem Meer gefischt hat.

«Wir müssen etwas ändern», ist Strähl überzeugt. Und gleichzeitig: «Wir wissen noch so wenig über das Meer.» Viele hätten auch das Bewusstsein für besseren Umweltschutz gar nicht oder schlicht nicht die Zeit, sich zu informieren oder gar Quellen zu vergleichen.

Auch die Tochter frönt dem Hobby des Vaters: Dieses Unterwasserfoto hat Strähl selbst gemacht.

Unterwasserfoto vom Tauchgang

Auch die Tochter frönt dem Hobby des Vaters: Dieses Unterwasserfoto hat Strähl selbst gemacht.

Strähl hat schon in der Kantonsschule ihre Maturarbeit zum Thema Mikroplastik in der Aare verfasst. Auch bei den Solothurner Klimademos war sie schon dabei. «Das ist eine super Bewegung.» Aber einfach mitlaufen, wenn sie nicht genau wisse, was sich dann konkret ändert, wolle sie nicht. Sie wolle lieber selbst mehr über Meere erfahren, nach dem Studium an Projekten teilnehmen und das Wissen schliesslich etwa in einem Dok-Film weitergeben.
Diesen Traum – zumindest in vereinfachter Form – hatte Strähl schon in der Kindheit. Die junge Frau lacht wieder laut, als sie davon erzählt: Damals wollte sie die Weltmeere kaufen, unter Schutz stellen und Fischerei für Grosskonzerne verbieten. Auch wenn sie heute jemandem von ihren Plänen erzähle, heisse es: «Ach ja, davon hast du doch schon im Kindergarten gesprochen.»

«Das tut weh»

Die Begeisterung fürs Meer und die Überzeugung zum Umweltschutz hat Strähl schon lange. Der Entscheid, Meereswissenschaften in Australien zu studieren und dafür auszuwandern, fiel aber erst in den letzten Monaten. Derzeit ist die 20-Jährige noch auf Stipendiensuche, räumt ihr Zimmer im Solothurner Elternhaus, muss sich in der Schweiz komplett ab- und in Australien anmelden. Für das erste halbe Jahr hat sie ein WG-Zimmer. Dann wolle sie weiterschauen – das gelte auch für die Zeit nach dem Bachelor-Abschluss. Wo sie das Studium genau hinführt, weiss Strähl noch nicht. «Mir ist das aber lieber, als wenn alles schon durchgeplant wäre. Ich weiss ja, dass es schon gut kommt.»

Beunruhigen lasse sie sich auch – noch – nicht vom Gedanken daran, dass sie bald alles zurücklässt. «Das tut weh», sagt sie. «Aber ich lasse das gar noch nicht an mich heran.» Freunde, Eltern, Grosseltern und Bruder unterstützten ihre Pläne zudem voll, dafür sei sie sehr dankbar. «Das gibt mir auch Kraft.» Regelmässige Wiedersehen wird es nicht geben. Sie wolle sich nicht für den Meeresschutz einsetzen und dann regelmässig um die halbe Erde fliegen, erklärt die junge Frau.

Wann und für wie lange sie später einmal zurück kommt, weiss sie nicht. Aber: «Soledurn isch mis Dehei.» Hier habe sie auch während Auslandaufenthalten immer ihre Basis gehabt. Hier hat sie auch in verschiedenen Bars und Cafés gearbeitet, kennt viele Leute, setzt sich auch mal an einen Tisch Fremder, um spannende Gespräche zu beginnen. Auch die Aare mag Strähl. Auch wenn sie hier nicht tauchen würde, wie sie erzählt. Dabei lacht sie wieder.

Dafür wird sie nach ihrer Rückkehr wohl wieder am Aareufer anzutreffen sein, wenn sie sich nach Einbruch der Dunkelheit am Ufer auf der Vorstadtseite steht, und auf die beleuchtete St. Ursen-Kathedrale blickt. Denn irgendwann schaue sie bestimmt wieder vorbei.

Meistgesehen

Artboard 1