Herr Fluri, sind die nun getroffenen Massnahmen nicht etwas unkonventionell?

Guido Fluri: Nein. Die Schaffung eines Soforthilfefonds war schon länger am runden Tisch angedacht. Bei diesem Konstrukt geht es um Gelder, die rasch zur Verfügung gestellt werden können. Für diesen Fonds braucht es nicht extra eine gesetzliche Grundlage.

Reicht diese Soforthilfe aus?

Die Betroffenengruppen hatten ursprünglich viel mehr erwartet. Für die Guido-Fluri-Stiftung ist der Soforthilfefonds alles in allem ein wichtiger Zwischenschritt. Er reicht aber nicht. Es braucht die Wiedergutmachung auch für die anderen Opfer-Gruppen und darum unsere geplante Initiative.

Sie kündigten an, dass Sie an der Lancierung der Initiative für eine Entschädigung für Opfer von Zwangsmassnahmen festhalten wollen, warum?

Der angestrebte Soforthilfefonds hat mit seinen 5 bis 8 Mio. Franken nur beschränkte Mittel, wobei die Gelder erst noch zusammengetragen werden müssen. Auf jeden Fall ist klar, dass diese Mittel der Soforthilfe nur für eine kleinere Anzahl Opfer reicht und gedacht ist – nämlich für Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen, die sich in einer aktuellen Notlage befinden. All die anderen, wohl Zehntausende Opfer, denen schweres Unrecht angetan wurde – Verdingkinder, die ohne Entgelt über Jahre hinweg geschuftet haben, administrativ Versorgte, Zwangssterilisierte, missbrauchte Heimkinder –, warten nach wie vor auf eine Wiedergutmachung. Für diese riesige Gruppe an Betroffenen braucht es die Initiative der Guido-Fluri-Stiftung – damit es endlich eine umfassende Wiedergutmachung und Aufarbeitung der Geschichte geben kann.

Wie weit sind Sie in den Vorbereitungsarbeiten zur Initiative?

Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Wir wollen einen Initiativtext, hinter dem eine Mehrheit der Schweizer Stimmbevölkerung stehen kann. Es wird eine Initiative für die Opfer und für die Schweiz als Ganzes.

Wie läuft es in der Gedenkstätte im Kinderheim Mümliswil?

Die Resonanz ist sehr gut. Wir haben jeden Monat mehrere Schulklassen, die für eine Besichtigung vorbeikommen. Auch Einzelpersonen und Gruppen melden sich rege und nutzen das Angebot. Im März ist erneut ein Gedenkanlass geplant. Wir erwarten wieder über 200 Leute.»