Adventskalender
Diese Schatzkammer birgt viele Geheimnisse - hinter 30 Zentimeter Stahl

In der Adventszeit öffnen wir jeden Tag eine interessante Tür im Kanton und schauen, was sich dahinter verbirgt. Heute ist die Panzertüre zum Tresorraum der Regiobank Solothurn an der Reihe. Dahinter herrscht eine fast sakrale Stimmung.

Franz Schaible
Drucken
Teilen
Daniel Denzler zeigt den Tresorraum, gesichert durch eine dicke Panzertür. Diese Pforte ist unser heutiges Adventstürchen.

Daniel Denzler zeigt den Tresorraum, gesichert durch eine dicke Panzertür. Diese Pforte ist unser heutiges Adventstürchen.

Hansjörg Sahli

Eine Treppe runter von der Schalterhalle ins erste Untergeschoss – schon ist das erste Hindernis da. Eine mehrere Zentimeter dicke Panzerglastüre versperrt den Weg. Daniel Denzler, Leiter Retailkunden Solothurn bei der Regiobank Solothurn, öffnet gemeinsam mit einer Mitarbeiterin den Zugang zum Vorraum der Tresoranlage.

Die Tresortür – dick und schwer

Und jetzt stehen wir vor der Tür, der Tür zum Tresorraum. Sie ist aus Stahl, zirka 30 Zentimeter dick und schwer, sehr schwer. Im Raum dahinter sind die Schliessfächer untergebracht.

680 Fächer in unterschiedlichster Grösse sind in die Wände eingelassen. «Die Mietpreise bewegen sich je nach Grösse zwischen 80 und 275 Franken pro Jahr», erklärt Denzler. Am stärksten gefragt seien von der Privatkundschaft die kleineren Fächer, von den Firmenkunden eher die grösseren.

Weisse Wände, die Schliessfächer in gelblichem Ton, der Boden belegt mit einem grauen Spannteppich, sanftes Licht, keine Blumen, spartanisch möbliert mit zwei Pulten. Nüchtern und sachlich, die Ruhe im Raum hat fast etwas Sakrales, etwas heiliges.

In den Fächern sind denn auch nicht nur Wertsachen gelagert, sondern auch ganz persönliche Dinge oder Papiere – nicht mit materiellem, aber ideellem Wert für den Eigentümer, berichtet Denzler.

Daniel Denzler zeigt den Tresorraum, gesichert durch eine dicke Panzertür. Diese Pforte ist unser heutiges Adventstürchen.
4 Bilder
Im Innern des Tresorraums. 680 Fächer sind in die Wände eingelassen
Nicht alle Fächer haben die gleiche Grösse. So variieren auch die Mietpreise.
Daniel Denzler zeigt eine Kassette aus einem der Fächer

Daniel Denzler zeigt den Tresorraum, gesichert durch eine dicke Panzertür. Diese Pforte ist unser heutiges Adventstürchen.

Hansjörg Sahli

«Nur Sie kennen den Inhalt»

«Wir wissen zwar grundsätzlich nicht, was unsere Kunden in den Fächern verwahren.» Ab und zu erwähne aber ein Kunde, dass er Wertgegenstände wie Schmuck, Dokumente, Brief- und Münzsammlungen oder Ähnliches ins Schliessfach legen möchte.

In der Broschüre der Bank wird denn auch explizit auf die Diskretion verwiesen: «Nur Sie kennen den Inhalt.» Die Bank schreibt aber vor, was nicht aufbewahrt werden darf: «Feuergefährliche oder sonst gefährliche, zerbrechliche oder anderweitig zur Aufbewahrung in einem Tresorfach ungeeignete Gegenstände», heisst es im Mietvertragsformular.

Und in Einzelfällen darf die Bank trotzdem Einsicht nehmen in das Fach. Die Bank ist nämlich berechtigt, «den Nachweis über den Inhalt des Tresorfaches zu verlangen sowie aus Gründen der Sicherheit das Tresorfach unter Beweisführung zu öffnen», heisst es weiter.

Die Sicherheit ist hoch

Derzeit sind in der Solothurner Bank rund 75 Prozent der Schliessfächer vermietet. Die Nachfrage richte sich nicht nach der Konjunkturentwicklung oder der politischen Lage. Das Bedürfnis nach Sicherheit sei einfach da. Das Bankschliessfach ist schliesslich ein Symbol für Anonymität und eben Sicherheit.

Und diese wird ganz gross geschrieben. Daniel Denzler macht eine kleine Demonstration. Der Kunde erhält zwei identische Schlüssel, aber er kann das Fach nicht alleine öffnen.

Das ist nur mit zwei Schlüsseln möglich – einer ist im Besitz des Kunden, der Gegenschlüssel im Besitz der Bank. Jedes Fach enthält eine Kassette zur Aufbewahrung der Wertsachen. Bei einem Verlust eines der beiden Schlüssel muss der Kunde sofort die Bank benachrichtigen.

«Wir wechseln das Schloss umgehend aus und lassen zwei neue Schlüssel anfertigen», erläutert Denzler das Prozedere. Das kostet einige 100 Franken. Bei einem Verlust beider Schlüssel – «es ist kaum zu glauben, aber das kommt jährlich ein- bis zweimal vor» – muss die Tür des Schliessfaches gewaltsam geöffnet werden.

Das kostet dann schon rund 1000 Franken. Der Tresorraum selbst ist nicht nur durch die Panzertüre und eine Gittertür gesichert. Eine ausgeklügelte Alarmanlage verunmögliche ein unbemerktes Eindringen, heisst es bei der Bank.

Anonym ist zwar der Inhalt in den Fächern, aber nicht der Mieter. «Nur Kunden unserer Bank können bei uns ein Schliessfach mieten», sagt Denzler. Mindestens müsse er ein Konto bei der Bank haben. «So ist gewährleistet, dass wir den Fachmieter jederzeit identifizieren können.»

Für den Inhalt steht die Bank grundsätzlich nicht gerade. Für Schäden, welche auf Feuer, Wasser, Einbruch, Raub oder Explosion zurückzuführen seien, hafte die Bank nur bei grober Fahrlässigkeit.

Im Falle eines Konkurses der Bank muss der Kunde allerdings keinen Verlust fürchten. «Der Inhalt bleibt immer im Eigentum des Kunden und würde nicht in die Konkursmasse fliessen», versichert Bankmann Daniel Denzler.

Regt die Fantasie an

Zurück in der Schalterhalle bleibt der Tresor – abgeleitet vom griechischem thesauros – eine Schatzkammer mit unbekannten Wertsachen. Und regt weiterhin die Fantasie an. Welche kleinen und grossen Schätze sind dort wohl verwahrt?

Aktuelle Nachrichten