Kanton Solothurn

Diese Schadenfälle sorgten in den letzten 50 Jahren für Kopfschütteln

Ob bei leichten Ölverschmutzungen oder bei Grossereignissen mit giftigen Gasen: 3500 Mal musste der kantonale Schadendienst in den letzten fünf Jahrzehnten ausrücken. Wie er sich im Laufe der Zeit verändert hat und welche Schadenfälle für Aufregung oder Kopfschütteln sorgten.

Die Menschen, Tiere und Umwelt im Kanton vor atomaren, biologischen oder chemischen Gefahren zu schützen: Das ist die Aufgabe des kantonalen Schadendienstes. Er setzt sich aus den Orts- und Betriebsfeuerwehren, der Polizei, dem Amt für Umwelt und der solothurner Gebäudeversicherung zusammen.

15 Pikettfunktionäre und neun Chemie- und Biofachberater sorgen dafür, dass rund um die Uhr Einsatzbereitschaft besteht. Der Wert des Einsatzmaterials beläuft sich auf rund drei Millionen Franken. Die Schadensumme seit 2012 beträgt 1.5 Millionen Franken. Diese wird meistens auf die Verursacher abgewälzt.

Der kantonale Schadendienst feierte im Feuerwehrausbildungszentrum in Balsthal sein 50 jähriges Bestehen (Wir berichteten). Das Amt für Umwelt veröffentlichte zu diesem Anlass eine Jubiläumsbroschüre. Mit einer detaillierten Geschichte seit der Gründung und ausgewählten Schadenfällen. Hier ein «Best Of» daraus.

Aus Ölwehr wird Schadendienst

  • 1968 fing der Schadendienst als einfache Ölwehr an. Damals verabschiedete die solothurner Regierung ein Gesetz zur Bildung einer Ölwehr. Sie reagierte damit auf den Boom des Heizöls und auf die damit einhergehenden Umweltrisiken. Bereits da war klar, dass zur Bewältigung der Schadenfälle diverse Spezialisten zusammenarbeiten müssen. Mensch und Tiere müssen geschützt werden. Gesundheitsschädliche Stoffe müssen davon abgehalten werden, in den Boden oder in Gewässer einzudringen. Plätze und Strassen müssen gereinigt werden. So setzte sich die erste Arbeitgruppe aus Vertretern aus dem Umweltbereich, Werkhöfen und Feuerwehren zusammen. Die neue Ölwehr musste aber zuerst noch ausgerüstet werden. Am 10. Dezember 1968 beschloss der Regierungsrat, den sechs Feuerwehrstützpunkten Grenchen, Solothurn, Balsthal, Olten, Dornach und Breitenbach Ölwehrfahrzeuge mit kompletter ölwehrtechnischer Ausrüstung im Wert von insgesamt 260'000 Franken zu beschaffen.
  • 1979 folgte der nächste Meilenstein: Das Kernkraftwerk Gösgen nahm seinem Betrieb auf. Daraufhin entschied der Kanton, die Ölwehr auch im Strahlenschutz auszubilden.
  • 1981 führte der Regierungsrat die Öl-, Chemie- und Strahlenwehren in den kantonalen Schadendienst über.
  • > 1986: Wir schreiben den 1. November. Eine Lagerhalle der heutigen Novartis bei Schweizerhalle brannte ab. Rund 1350 Tonnen hochgiftige Chemikalien gingen in Flammen auf. Die Bevölkerung wurde mit Sirenen geweckt, mehrstündige Ausgangssperren wurden verhängt. Menschen kamen zwar keine zu Schaden, aber Hundertausende Liter verseuchtes Löschenwasser gelangten in den Rhein. Dies löste bis weit nach Deutschland hinein ein gigantisches Fischsterben aus. Dieses Ereignis löste auch im Solothurnischen ein Umdenken aus. Eine Arbeitsgruppe sollte die Organisation und Ausrüstung des kantonalen Schadendienstes evaluieren. Diese stellte diverse Defizite fest.
  • 1989 sprach die Regierung einen Kredit von 1'744'820 Franken zur organisatorischen Anpassung und zur Beschaffung von neuen Fahrzeugen und Material. Drei Chemiewehren wurden ausgebaut: Solothurn, Olten und Breitenbach. Auch in den Folgejahren wurde der Schadendienst laufend modernisiert und den aktuellen Begebenheiten angepasst.
  • 1992 baute der Kanton eine Fachberatung für ABC-Ereignisse auf. 16 Pikettfunktionäre unterstützen seither rund um die Uhr die Schadendienstpartner bei der Bewältigung von Schadenfällen.
  • 2003 beschaffte die Regierung eine Ölsperre für die Aare. Dies als Reaktion auf den Bau der A5 Solothurn-Biel. Diese quert die Aare mehrmals und erhöhte das Risiko eines Ölunfalls, der auch Gewässer gefährden könnte.
  • 2012 fand der nächste und bisher letzte grosse Umbruch statt. Der Kanton übertrug René Fröhlicher die Aufgabe, den Schadendienst wieder einmal zu evaluieren und den aktuellen Begebenheiten anzupassen. Als Folge erhielten 2017 die Feuerwehren Solothurn, Olten und Breitenbach neue Fahrzeuge. Die Ortsfeuerwehren erhielten zudem gleichzeitig moderne Modulwagen für den ABC-Ersteinsatz. Sie ersetzten die alten Notbestecke, die grösstenteils seit 50 Jahren im Einsatz waren. So kann sich der Kanton heute auf einen topmodernen Schadendienst verlassen.

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