Armee
Diese Riedholzerin macht die RS freiwillig: «Ich habe das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen»

Rhea Fritsch aus Riedholz geht in die Rekrutenschule – freiwillig. Diese Ausbildung helfe für die berufliche Zukunft. Und schliesslich sei die Armee nicht zwingend Männersache.

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Die Riedholzerin Rhea Fritsch(20) vor einem Bucher Duro 4×4, den sie seit ihrer Fahrausbildung in der Rekrutenschule fahren darf.

Die Riedholzerin Rhea Fritsch(20) vor einem Bucher Duro 4×4, den sie seit ihrer Fahrausbildung in der Rekrutenschule fahren darf.

Noëlle Karpf

Sie haben die Halbzeit erreicht: Die jungen Soldaten, die in der Kaserne in Wangen an der Aare die Rekrutenschule (RS) absolvieren. Das betrifft vor allem Männer. Aber nicht nur. Aktuell leisten sechs junge Frauen aus dem Kanton Solothurn freiwilligen Militärdienst in der ganzen Schweiz. Darunter Rhea Fritsch. Die 20-jährige Riedholzerin schloss vergangenen Freitag ihren ersten Teil der RS in Wangen an der Aare ab. Diese Woche geht es weiter nach Airolo, wo sie Teil zwei ihrer Militärausbildung absolviert.

«Die Rettungsrekrutenschule ist der ideale Wegbereiter für mein Berufsziel», erklärt die junge Frau im grünen Kämpfer und mit dem Beret auf dem Kopf. Sie will nämlich Rettungssanitäterin werden.

Fahr- und Sanitätsausbildung

Um Krankenwagen zu fahren, braucht man in der Schweiz den Führerschein D1. Nach ihrem Abschluss an der Kantonsschule Solothurn und einem Zwischenjahr war Fritsch aber noch zu jung dafür. Die Riedholzerin hätte noch ein Jahr warten müssen. «Ich wollte aber keine Zeit verdörlen», erklärt Rekrut Fritsch. Dann sei die Idee entstanden, ins Militär zu gehen.

Als Rettungseinheitssanitäter-Fahrerin – die korrekte militärische Bezeichnung – erhalten Rekruten nämlich erste Grundkenntnisse im Sanitätsbereich. Verletzte auf Rettungsbahren laden, Infusionen stecken und Wunden behandeln.

Zudem machen sie die Fahrausbildung und Prüfung für den C1-Ausweis. Diesen kann die Riedholzerin, sobald sie 21 Jahre alt ist, gegen den Führerschein eintauschen, den sie als Rettungssanitäterin braucht.

Nach der Rekrutierung, Fitnesstest – vor dem Fritsch im Vorfeld Respekt hatte, da Frauen gleich viele Punkte wie Männer erreichen müssen, um in die gewünschte Funktion eingeteilt zu werden – habe sie sich aber doch noch genau überlegt, ob sie wirklich bei der Schweizer Armee unterschreibt. «Darüber zerbricht man sich schon etwas den Kopf», erklärt Fritsch. «So als einzige Frau unter Männern ...» So wog sie auch ab, ob sie den körperlichen und psychischen Belastungen während der langen Dienstzeit gewachsen sei. Nach Beginn der RS habe sie aber schnell bemerkt, dass ihre anfänglichen Sorgen unbegründet waren. Fritsch ist zudem auch nicht die einzige Frau – in ihrem Zug hat sie eine Kameradin aus dem Kanton Aargau.

Kameraden zeigen Respekt

«Ich habe das Gefühl, ich muss mich im Zivilen immer rechtfertigen, warum ich das hier freiwillig mache», sagt Fritsch. «Dabei bin ich genau gleich Teil des Zuges wie die Herren.» Und diese würden sich wohl um die ganze Sache weniger einen Kopf machen als sie – ihnen sei es ja eigentlich egal, wenn eine Frau dabei sei, so die 20-Jährige. «Die Kameraden haben auch Respekt davor, dass sich eine Frau freiwillig meldet, und sind sehr hilfsbereit.» Besonders bei körperlich schweren Arbeiten, wie Reifen wechseln oder schwere Pakete tragen. Aus Prinzip wolle sie auch das dann aber lieber alleine erledigen, fügt die Riedholzerin grinsend hinzu.
Manchmal sei es auch praktisch, in der «Minderheit» zu sein. «Die Frauen haben eigene Duschen und kleinere Zimmer – also etwas mehr Privatsphäre als die Kameraden.» Zudem gingen Frauen wohl mit einer anderen Einstellung in die RS als ein Grossteil der Männer. «Ich habe mich ja ganz bewusst dafür entschieden», so Fritsch. «Ich weiss genau, für was ich hier bin.»

So seien junge Männer, die mit dem Marschbefehl quasi aus dem Alltag gerissen würden, eher unmotiviert oder genervt, wenn es mal nicht so gut laufe.

Militär liegt in der Familie

Die RS sei für Frauen genau so machbar wie für Männer, so die Riedholzerin. Eine gewisse Schwelle vor dem Eintritt sei aber schon da, räumt sie ein. «Mir hilft es für die berufliche Zukunft – ich weiss aber nicht, ob die RS vielen anderen Frauen dasselbe bringen würde.»
Zudem sei es für ihre Familie nichts Ungewöhnliches gewesen, dass eine Frau in die RS möchte. Ihre Mutter hat die Ausbildung zum Oberleutnant gemacht. Der Entscheid, als Frau in die Armee zu gehen, würde aber in anderen Umfeldern wohl zu extremeren Reaktionen führen. Von Kollegen habe sie nämlich auch schon gehört: «Was, Militär? Du – als Frau?» «Als ich mich aber definitiv entschieden habe, kamen nur noch positive Rückmeldungen», erzählt Rekrut Fritsch. Schliesslich sei klar gewesen, dass sie von der Ausbildung wirklich überzeugt ist, als sie dann wirklich unterschrieb.

Letzten Freitag hat Fritsch erneut unterschrieben. Nach dem zweiten Teil ihrer RS in Airolo wird sie noch die Unteroffiziersschule besuchen und durchdienen, bevor sie dann Anfang 2019 die Ausbildung zur Rettungssanitäterin antritt.