Ein junger Mensch träumte, dass er etwas Bedeutendes schaffen wolle. Ein Buch, ein Bild, eine Komposition, vielleicht gar ein architektonisches Werk? - Der junge Mensch kam zu keinem Entschluss. Im Garten ging er mit sich zu Rat, begann den Garten aufzuräumen, Dornen zu entfernen, Laub einzusammeln, Bäume zurechtzustutzen. «Nach und nach vergass er seine grossen Träume; sie waren ihm nicht mehr wichtig. Wichtig war nur der Garten, der ihn und alle, die vorübergingen, erfreute.»

Mit dieser kleinen Geschichte dankte Frau Landammann Esther Gassler an der Übergabefeier von Montagabend im Stadttheater Olten der Preisträgerin und den Preisträgern der kantonalen Kunst-, Kultur- und Anerkennungspreise: «Für Ihr unablässiges, intensives Schaffen in den Kulturgärten unseres Kantons, für Ihre Gedanken, Ihre Bilder und Ihre Menschlichkeit.» Dank ihnen würden vielleicht andere Menschen ihren persönlichen Garten entdecken und in ihm zu arbeiten beginnen.

Mit Herzblut fürs Bally-Erbe

Staatsschreiber Andreas Eng begründete die Vergabe des Anerkennungspreises an den aus Schönenwerd stammenden Rechtsanwalt Philipp Abegg: «Die Hinterlassenschaft von Bally ist eine der umfassendsten der Schweiz.

Mit viel Herzblut und Überzeugungskraft widmet sich Philipp Abegg seit über zehn Jahren in vorbildlicher Weise der Bewahrung und Vermittlung dieses Erbes.»

«Er begeistert für die Kunst»

Präsidenten und Mitglieder der Fachkommissionen des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung stellten in ihren Laudationes ebenso fachkundig wie einfühlsam die Leistungen der sieben Preisträger und der einen Preisträgerin in den verschiedenen Sparten des kulturellen Schaffens vor.

Den diesjährigen Kunstpreisträger, den 67-jährigen Peter Jeker, aus Mümliswil stammender ehemaliger Solothurner Kantonsschullehrer, würdigte Kuratoriumsmitglied Roland Müller (Balsthal) für seine rastlose Kulturvermittlertätigkeit: «Kaum einer kennt die Solothurner Kunstszene so gut wie Peter Jeker. Er begeistert für die Kunst.» Jeker selbst zitierend, meinte Müller, es seien «die einsamen und unauffälligen Begegnungen mit Werken und die intensiven Gespräche mit Kunstschaffenden abseits des Rummels - zwischen Bildern und Skulpturen - gewesen, die die grösste Wirkung auf ihn selbst gehabt hätten.

«Besuchen Sie die Ateliers!»

Höhepunkt der Kulturpreisfeier war die Dankesrede des Kunstpreisträgers. Sie zeugte von Peter Jekers riesiger Erfahrung in der Begegnung mit Kunst und Künstlern, ebenso von seiner gedanklichen Auseinandersetzung damit. «Wir müssen uns die vielen Ateliers der Solothurner Kunstschaffenden als ein riesiges imaginäres Laboratorium vorstellen», sagte er. «Kunstschaffende sind Individualisten und Forscher in eigener Sache - und sie arbeiten ohne Auftrag.»

Alle Kunstwerke bestünden aus zwei Teilen: Einem sichtbaren Teil, den der Künstler oder die Künstlerin geschaffen hat - und dem nicht sichtbaren Teil, den die Betrachter mit ihren Sinnen und Gedanken aus dem Werk gewinnen und beifügen.

Als Praktiker hatte Jeker auch Trost und Rat für den Fall, dass der Funke zwischen Werk und Betrachter nicht springt: «Besuchen Sie die Ausstellungen und die Kunstschaffenden in ihren Werkstätten. Schon allein wie die Arbeitsplätze eingerichtet sind, ist aufschlussreich.» Und Peter Jekers Bekenntnis: «Auf Kunst, wo immer sie sich befindet, dürfen wir nie verzichten; wir würden auch unsere Gedanken abschaffen.»

Musikalisch geprägt wurde die Feier vom Solothurner Jazztrio Sven Ryf, Martin Albrecht und Andy David. Dank der zügigen und souveränen Regie von Kuratoriumspräsident Heinz L. Jeker-Stich bot sich abschliessend viel Raum für Gespräche im Foyer des Stadttheaters.