Bürgerspital Solothurn
Diese drei Kunstprojekte werden am Bürgerspital-Neubau umgesetzt

10 Kunstschaffende wurden eingeladen, ein Projekt für den Neubau des Bürgerspitals Solothurn einzusenden. Nun wurden drei davon für die erste Etappe Kunst am Bau ausgesucht. Investiert werden 500'000 Franken.

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Die drei Kunstprojekte, die ausgesucht wurden. Einmal wird es eine Wand geben, die beiden anderen schmücken die Innenhöfe.

Die drei Kunstprojekte, die ausgesucht wurden. Einmal wird es eine Wand geben, die beiden anderen schmücken die Innenhöfe.

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Zwar dauert es noch gut drei Jahre, bis im Neubau des Bürgerspitals Patienten behandelt werden können, doch ein Diskussionsthema ist der 340 Millionen Franken teure Komplex allemal.

Für Kunst am Bau fürs Bürgerspital wurden zehn ausgewählte Kunstschaffende aus dem In- und Ausland eingeladen. Um die künstlerische Kreativität frei fliessen zu lassen, wurden den eingeladenen Kunstschaffenden relativ weite «Leitplanken» gesetzt, ohne grosse Einschränkungen betreffend Materialien, Konstruktionen, Farben oder der konkreten Platzierung.

Neun der zehn besuchten die Baustelle, bevor sie ihren Vorschlag einreichten. Nur der Portugiese Pedro Cabrita Reis verzichtete auf eine Begehung vor Ort.

Der Plan des Neubaus mit den beiden Häusern Haus 1 ist das künftige Haupthaus und beinhaltet alle Kernnutzungen des Spitals, das Haus 2 wird in einer zweiten Bauetappe realisiert und hat zwei Obergeschosse und ein Untergeschoss.

Der Plan des Neubaus mit den beiden Häusern Haus 1 ist das künftige Haupthaus und beinhaltet alle Kernnutzungen des Spitals, das Haus 2 wird in einer zweiten Bauetappe realisiert und hat zwei Obergeschosse und ein Untergeschoss.

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Nun hat der Kanton beschlossen, wie er den Neubau künstlerisch gestalten möchte. Die Regierung folgte dem Vorschlag der Jury und hat sich entschieden, die Aussenwand beim Haupteingang auf der Ostseite sowie die Innenhöfe Nord und Süd des Bettenhauses in Szene setzen zu lassen. Investiert werden mehr als eine halbe Million Franken.

Für die erste Etappe Kunst am Bau hat sich der Regierungsrat für folgende drei Interventionen von Künstlern entschieden:

  • «Seilschaft» von Katja Schenker

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Das Projekt der St.Gallerin Katja Schenker ist für einen der beiden Innenhöfe konzipiert und widmet sich den Grundthemen der zwischenmenschlichen Beziehungen und den damit verbundenen Fragen von Abhängigkeit und Vertrauen. Themen, welche die Menschen im Spital täglich in verschiedenster Art und Weise betreffen. Die Installation der in Däniken geborenen Künstlerin besteht aus einer Umlenkscheibe und einem Drahtseil, an dem an jedem Ende ein Stein befestigt ist: ein elliptisch geschliffener Marmor und ein roh belassener Lavatuff-Stein. Bei Regen saugt sich der Lavatuff voll, wird schwerer und senkt sich ab. Sobald das gespeicherte Wasser bei schönem Wetter verdunstet, gerät die Seilschaft erneut in Bewegung.

  • Sabina Lang und Daniel Baumanns verspiegeltes Mobile

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Ein Mobile in frei angeordneter Hängung, welches schwebend den gesamten Raum eines Innenhofes über alle Stockwerke hinweg einnimmt. Die Installation der Bernerin und des Amerikaners besteht aus 12 unterschiedlich geformten, doppelseitig verspiegelten Glaselementen. Die einzelnen Formen orientieren sich an den Abmessungen der Architektur. Durch die Spiegelungen der Architektur in den Formen und das Spiel von Licht und Schatten werden die Grenzen von Innen und Aussen aufgeweicht. Trotz der starken Bezüge zum Bau bleibt das Projekt ein eigenständiges Werk, welches inmitten des Kosmos Spital eine eigene Poesie entfaltet.

  • Farbenspiel auf Beton von Christoph Haerle

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Das Projekt sieht die Gestaltung der Aussenwand mit eingefärbtem Beton in fünf Farben vor. Die Überlagerungen der verschiedenen Betonfarben führen zu einem Baukörper, der aus der Ferne eher als Bild und in der Nähe als dreidimensionale Intervention wahrgenommen werden kann. Das Projekt des Zürchers ist ganzheitlich angelegt, so dass auch die Seite des Veloparkings farbig gestaltet ist. Die warme Farbgebung steht gleichermassen im Kontrast wie im Dialog mit der geometrischen Architektur des Neubaus.

Weite «Leitplanken»

Die Kunstintervention soll analog dem Bauablauf in zwei Etappen erfolgen. In der ersten Etappe (Haus 1) soll anteilsmässig ein Kunstkredit von 600'000 Franken eingesetzt werden.

Davon sind für die reine Kunstintervention inklusive Honorare für die Gewinner und alle dafür notwendigen Bauarbeiten, Lieferungen und Dienstleistungen 500'000 Franken vorgesehen.

Für die Organisation des Verfahrens, eine allfällige Ausstellung und Publikation sowie die einmalige Beitragsentschädigung für die am Wettbewerb eingeladenen Kunstschaffenden sind 100'000 Franken reserviert. Jeder Künstler, der teilgenommen hat, erhält 5000 Franken.

Für die zweite Etappe, Haus 2, ist ein Kunstkredit von 200'000 Franken vorgesehen.

Kritik

Einige Punkte sorgten im Vorfeld für Kritik. Zum einen sind dies die Kosten. Bei den 800'000 Franken handelt es sich um den höchsten Betrag, den die Regierung bis jetzt für künstlerischen Schmuck eines Neubaus bereitgestellt hat. Zum Vergleich: 215'000 Franken wurden für Kunst im Gefängnisneubau Schachen ausgegeben.

Ebenfalls Kritik hagelte es für die Auswahl. Mit Reto Emch war lediglich ein Künstler aus Solothurn vertreten. Dass nicht weitere regionale Künstler eingeladen wurden, stiess bei einigen Kunstschaffenden sauer auf. «Wir haben uns auf Künstler geeinigt, die über Erfahrung verfügen und die valable Chance haben, ein solches Projekt zu stemmen», erklärte Christoph Rölli, Präsident des kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung und Mitglied der für das Bürgerspital-Projekt verantwortlichen Kunstkommission. (mgt/ldu)

Diese 10 Künstler durften mitmachen am Wettbewerb

- Renate Buser, *1961 in Aarau, lebt in Basel

- Reto Emch, *1961 in Solothurn, lebt in Zuchwil

- Christoph Haerle, *1958 in Zürich, lebt in Zürich

- Andreas Hofer, *1956 in Trimbach, lebt in Bremgarten

- Sabina Lang, *1972 in Bern / Daniel Baumann, *1967 in San Francisco, arbeiten in Burgdorf

- Katja Schenker, *1968 in St. Gallen, Bürgerort Däniken, lebt in Zürich

- Kerim Seiler, *1974 in Bern, lebt in Zürich und Berlin

- Andrea Wolfensberger, *1961 in Zürich, lebt in Waldensburg

- Beat Zoderer, *1955 in Zürich, lebt in Wettingen

- Pedro Cabrita Reis, *1956 in Lissabon, lebt in Lissabon

Alle eingereichten Projekte werden in einer Ausstellung der Öffentlichkeit gezeigt. Die Ausstellung dauert vom 17. bis 19. August 2017 an der Pädagogischen Fachhochschule Solothurn, Obere Sternengasse 7, Gebäude A, Erdgeschoss, Halle Mensa, Öffnungszeiten: 17. und 18. August von 8 bis 20 Uhr – 19. August von 8 bis 16 Uhr

Das alte Bürgerspital Solothurn. 2012 hat das Stimmvolk dem Kredit von 340 Millionen Franken für ein neues Bürgerspital zugestimmt.
8 Bilder
So wird das neue Bürgerspital visualisiert. Am 18.August 2014 starten die Vorbereitungsarbeiten für den Neubau.
April 2015: Der Spatenstich für den Neubau erfolgt v.l.: Reto Gmür (Architekt), Alfredo Pergola (Projektleiter Neubau), Bernhard Mäusli (Kantonsbaumeister), Peter Gomm (Gesundheitsdirektor), RR Roland Fürst (Bau-und Justizdirektor), Verena Diener (VR-Präsidentin soH), Martin Häusermann (CEO soH), Urs Studer (Leiter Infrastruktur), Matthias Wernli (Projektleiter Mobilien)
Am 26. November 2015 erfolgt die Grundsteinlegung. Im Boden wird eine Zeitkapsel versenkt. Die Arbeiten am Fundament laufen zu diesem Zeitpunkt auf Hochtouren.
Baustellenbesuch im Juli 2016
Dezember 2016 Im Rohbau fertiggestellt ist der zweigeschossige Flachbau.
Juni 2017
Blick ins Erdgeschoss des 140 Meter langen Gebäudes

Das alte Bürgerspital Solothurn. 2012 hat das Stimmvolk dem Kredit von 340 Millionen Franken für ein neues Bürgerspital zugestimmt.

Simon Dietiker