Vielleicht ist das kein Zufall. Das Kunstmuseum Olten zeigt aktuell nationale und regionale Malerei der 1980er-Jahre aus der eigenen Sammlung. Museumskuratorin Katja Herlach erklärt, die Ausstellung «Hunger nach Bildern» sei aus aktuellem Anlass entstanden: Die Freunde des Kunstmuseums erwarben vergangenes Jahr ein grossformatiges Hauptwerk des Oltner Malers Martin Disler aus dem Jahr 1984. Dieses sollte in einer Schau erstmals öffentlich gezeigt werden.

Viele der nun ausgestellten Werke aus der Sammlung sind laut Herlach «ewig» nicht hervorgeholt worden. Aus diesem Grund mussten etliche davon erst gereinigt und restauriert werden. Eine weitere Herausforderung bei der Realisierung der Ausstellung stellten die Museumsräumlichkeiten dar: Für die grossen Formate, die charakteristisch sind für die neoexpressionistische Malerei der 1980er, sind die Räume des Kunstmuseums eigentlich zu klein und zu wenig hoch.

Exzessiv und brachial

Die Kunst der «Jungen Wilden» der 1980er-Jahre zeichnete sich durch ihre expressive, exzessive und brachiale Vorgehensweise aus. Leinwände wurden geradezu attackiert, wodurch die Körperlichkeit des Schaffens ihren direkten Niederschlag im Bild fand. Die Künstler arbeiteten intuitiv, schnell und rauschhaft, in intensiven Pinselstrichen und Farben. Die archaischen, träumerischen und mythischen Themen verschafften sich in höchst subjektiven und emotionalen Werken Ausdruck. Der Verstand sollte zum Schweigen gebracht werden. Diese wilde, von der jugendlichen Subkultur beeinflusste Kunst kam einem Befreiungsschlag gegen das Establishment gleich.

Vom Staub befreit

Selten hat man im Kunstmuseum Olten eine solche Fülle so grosser und ausdrucksstarker Werke gesehen. Es sind dies Arbeiten von Martin Disler, Agnes Barmettler, Fischli/Weiss, Roland Flück, Max Hari, Otto Lehmann, Alois Lichtsteiner, Jörg Mollet, Josef Felix Müller, Dieter Roth, Andreas Hofer, Urs Borner, Roland Spielmann und anderen.
Vielleicht ist es nun kein Zufall, dass die Arbeiten dieser Künstler wieder hervorgeholt und vom

Staub befreit wurden. Der aktuelle Anlass könnte nämlich auch der sein: Dass in einer Welt, in der alles möglich ist, zu vieles oberflächlich und unverbindlich bleibt. Vielleicht leben wir nur laue Leben. Tut uns das gar nicht gut? Vielleicht.

Vielleicht? Nein, sicher.