Solothurn
Die zwei Bibliotheken im Kanton, die schon topmodern eingerichtet sind

Die Zukunft des Bücherausleihens hat in den wissenschaftlichen Bibliotheken, der Bibliothek der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule in Solothurn bereits begonnen.

Fränzi Rütti-Saner
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Blick in die neue Bibliothek der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten.

Blick in die neue Bibliothek der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten.

Mario Piscazzi

Die Bibliothek der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Olten stellt Dozierenden, Studierenden aber auch für die Öffentlichkeit Fachliteratur in den Bereichen Wirtschaft, Soziale Arbeit und Angewandte Psychologie zur Verfügung. Rund 35 000 Medien sind hier grösstenteils ausleihbar. Wer das Bibliotheksangebot nutzen will, benötigt einen Ausleihausweis, der kostenlos erhältlich ist. «Alle unsere Medien verfügen über einen elektronischen Chip, auf dem die spezifische Medien- und Bibliotheksnummer gespeichert ist», erklärt Marianne Hertner, die Leiterin der FHNW-Bibliothek in Olten. «Ihre» Bibliothek ist mit dem Nebis-Verbund und dem Metakatalog der Schweizer Hochschulen und der Schweizerischen Nationalbibliothek vernetzt und so online zugänglich. Allein im Nebis-Verbund haben sich 140 Bibliotheken und Informationsstellen von Hochschulen, Fachhochschulen und Forschungsanstalten aus allen Sprachregionen der Schweiz zusammengefunden.

Besonders besucherfreundlich sind die zwei in Olten eingerichteten Selbstausleihstationen. Dort können Kunden bis zu fünf Medien gleichzeitig bei Ausleihe selbstständig erfassen. Die Rückgabe geschieht dann am Kundendesk. Zudem stehen zwei externe Rückgabeboxen zur Verfügung. «Durch diese Selbstausleihe haben wir bedeutend mehr Zeit für die fachliche Beratung unserer Bibliotheksnutzer», hat Marianne Hertner erkannt. Seit viereinhalb Jahren arbeitet die ausgebildete Bibliothekarin aus Olten in der Bibliothek der FHNW.

Seit Anfang Juni tut sie dies mit ihrem Team von insgesamt sieben Personen, die exakt 4,5 Stellenprozente abdecken, in der neu eingerichteten Bibliothek. Der Medienbestand werde einmal pro Jahr umgesetzt, weiss Marianne Hertner und ist damit zufrieden. «Es ist etwas weniger als in einer allgemeinen Bibliothek, wo dies dreimal pro Jahr der Fall sein sollte. Doch unsere Quote ist für eine wissenschaftliche Bibliothek hoch.»

Ein Teil der Bücher, Medien und Zeitschriften kann in der mit 52 Arbeits- und Leseplätzen modern eingerichteten Bibliothek auch elektronisch ausgeliehen, das heisst auf Laptop oder Tablet heruntergeladen werden. Dass das Ausleihen von E-Books die Bibliotheken in Zukunft immer mehr beschäftigt, davon ist Marianne Hertner überzeugt.

«Dennoch glaube ich, dass das Buch in Papierform nie ganz verschwinden wird, auch nicht für die wissenschaftliche Arbeit.» Wichtig sei, dass sich die Bibliotheken untereinander vernetzen, sogenannte Konsortien bilden, um einerseits gemeinsam ihre Bestände zu pflegen und andererseits Abgeltungsverträge für die benötigten Buchlizenzen mit den betreffenden Verlagen auszuhandeln. Hertner: «Es gibt heute die unterschiedlichsten Formen von Verträgen mit den Verlagen.

Wichtig ist beispielsweise bei einem Lehrbuch, dass mehrere Personen gleichzeitig sich das Buch oder Teile daraus herunterladen können.» Sie ist überzeugt, dass sich die Bibliotheken dem Strukturwandel in der Buch-, Verlags- und Medienbranche nicht entziehen dürfen, im Gegenteil: Sie müssen vorangehen, um mitbestimmen zu können. «Seit gut zwei Jahren machen wir Bibliotheks-Fachleute uns diesbezüglich intensive Überlegungen, denn die Verlagerung vom Print- hin zum E-Book-Bereich wird uns in Zukunft noch mehr beschäftigen», ist Marianne Hertner überzeugt. So sei es auch wichtig, an die nötigen Budget-Gelder für Lizenzverträge der Bibliotheken zu denken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der heutigen Bibliotheksarbeit ist die Möglichkeit des Zuganges zu wichtigen Datenbanken für die Leser. «Unsere Bibliothek ist hier über das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken für rund 60 Datenbanken lizenziert. Unsere Mitarbeitenden und Studierenden haben freien Zugang, externe Personen können bei uns einen Internetzugang kostenlos beantragen.»

Auch der Leiter der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule in Solothurn, Urs Grossenbacher, ist überzeugt, dass sich der E-Book-Bereich in Zukunft in den Bibliotheken massiv steigern wird. «Die Nachfrage steigt und in den Universitätsbibliotheken ist diese im Vergleich zu den Fachhochschulbibliotheken noch viel grösser», weiss er. «Oft kommt es vor, dass wir unsere ‹Kundschaft› auch auf diese Möglichkeit hinweisen und hinführen.» Grossenbacher erwähnt sein eigenes Leseverhalten.

«Ich lese Bücher nur noch in Papier, wenn ich sie aus einem ganz bestimmten Grund ‹lieben› gelernt habe.» Die «Kunden» in seiner Bibliothek seien vorwiegend die Studierenden und Mitarbeitenden der PH und viele Lehrpersonen, mehrheitlich aus der Region Solothurn. «Wir bedienen auch öfters Schüler oder deren Eltern. Vor allem hat sich unser attraktiver Bilderbuchbestand schon ziemlich herumgesprochen.»