Frage der Woche

«Die zunehmenden Wolfsrisse stellen eine Gefahr dar»: Ständeratskandidaten nehmen Stellung zum Jagdgesetz

Ständeratskandidaten nehmen Stellung zum Jagdgesetz. (Symbolbild)

Ständeratskandidaten nehmen Stellung zum Jagdgesetz. (Symbolbild)

Die Solothurner Ständeratskandidaten beantworten die Frage der Woche. Dieses Mal geht es um die Revision des Jagdgesetzes.

Der Ständerat will Wolfsabschüsse weiter erlauben, Naturschützer sähen das Wildtier gern auch in der Nordwestschweiz. Eine Referendumsabstimmung über das revidierte Jagdgesetz des Bundes ist absehbar. Sollen die Bestände wie in Graubünden und im Wallis mit Abschüssen strikt reguliert werden? Das jüngste Beispiel ist die Erlaubnis zum Abschuss von vier Welpen im Naturpark Beverin. Oder soll die Natur entgegen der Meinung der Jägerschaft, die im Wolf einen Konkurrenten sieht, freien Lauf haben?
Wir fragen die Ständeratskandidaten in der vierten Frage der Woche vor den Wahlen am 20. Oktober, wie sie es mit der Regulierung des Wolfsbestandes halten. Lesen Sie die Antworten nebenan.

Pirmin Bischof, CVP. Bild: key

Pirmin Bischof, CVP. Bild: key

Die Frage teilt Berg- und Talregionen: Soll der Wolf auch in Schutzgebieten geschossen werden können? Unbestritten war, dass der Wolf ein geschütztes Tier ist, dass er aber ausserhalb der Schutzgebiete jagdbar ist. Erst die Einigungskonferenz zwischen beiden Räten lässt nun die Bejagung der Wolfs in Schutzgebieten zu, jedoch nur, wenn «regional angemessene Wildbestände gewährleistet» sind. In der Schweiz leben heute 8 Wolfsrudel, Tendenz steigend. Umgekehrt gibt es 42 Schutzgebiete, in denen aber auch Menschen und Nutztiere leben. Wir Menschen haben bedrohte Tierarten zu schützen, aber auch dafür zu sorgen, dass Mensch und Tier keine Angst vor Raubtieren haben müssen. Das ist regional unterschiedlich. Auch wenn dies für uns Städter kein Problem ist, dürfen wir die Interessen der Berggebiete nicht einfach vom Tisch wischen. In diesem Dilemma kann ich mit dem Kompromiss der Einigungskonferenz leben. Wie bei der Zweitwohnungsinitative wird aber richtigerweise das Volk das letzte Wort haben.

Roberto Zanetti, SP, bisher

Roberto Zanetti, SP, bisher

Es ist nicht der Ständerat, der Wolfsabschüsse weiter erlauben will. Es ist das geltende Recht, welches die Regulierung von Problemwölfen zulässt. Das zeigen ja auch ganz aktuelle Meldungen aus Graubünden, wo vier Jungwölfe zum Abschuss freigegeben wurden.
Mit der Überweisung einer Motion von Ständerat Engler (GR) haben sowohl der Ständerat als auch der Nationalrat Hand dazu geboten, die Voraussetzungen für Wolfsabschüsse weiter zu lockern. Dazu haben seinerzeit sogar die Umweltorganisationen ja gesagt.

Was dann aber der Bundesrat und beide Parlamentskammern (nicht nur der Ständerat!) aus der Motion gemacht haben, geht eindeutig zu weit. Bundeskompetenzen werden an die Kantone delegiert, bisher geschützte Tierarten wie Luchs, Biber oder andere sollen durch den Bundesrat zur Regulierung (d.h. zum Abschuss) freigegeben werden können. Wölfe sollen sogar in Wildtierschutzgebieten (bisherige Jagdbanngebieten) abgeschossen werden können.
Deshalb werde ich Nein sagen zum neuen Jagdgesetz!

Christian Imark, SVP

Christian Imark, SVP

Die Wolfsproblematik beschränkt sich in der Schweiz nicht mehr nur auf das Berggebiet und den Alpenraum, sondern betrifft immer mehr auch das Mittelland und die Agglomerationen. Die zunehmenden Wolfsrisse stellen eine Gefahr dar. Es gab sie in den Kantonen Wallis, Graubünden, Uri, Schwyz, Glarus, St. Gallen, Bern, Thurgau, Luzern, Zug, Aargau und in der Westschweiz; auch im Kanton Zürich gab es Wolfsvorkommen. Im Jahre 2016 gab es im Wallis 130 tote Schafe und Ziegen zu beklagen, 2018 wurden bereits 269 Nutztiere gerissen. Aus diesen Gründen ist es logisch und sinnvoll, dass die Kantone mit dem neuen Jagdgesetz die Möglichkeit erhalten sollen, ihre Wolfsbestände zu regulieren. Das Volk wird das letzte Wort haben.

Stefan Nünlist, FDP

Stefan Nünlist, FDP

In der Schweiz teilen sich 8,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner ein doch sehr beschränktes Gebiet mit den Tieren und Pflanzen. Die unterschiedlichen Ansprüche verlangen nach Regeln und nach Eingriffen mit Augenmass. Die Wolfspopulation hat sich in den vergangenen 10 Jahren fast verzehnfacht und allein ein Wolfsrudel im Bündnerland hat innerhalb der letzten Monate über 100 Schafe und Ziegen, viele davon in bewachten Herden, gerissen. Da der Wolf keine natürlichen Feinde hat, muss die Wolfspopulation reguliert werden. Das revidierte Jagdgesetz geht in die richtige Richtung. Es überträgt den Kantonen mehr Verantwortung, die Tierpopulation in ihrem Gebiet nach den klaren Vorgaben des Bundesrechts zu regeln. Dies ist wichtig und richtig. Es obliegt nicht der Stadtbevölkerung in Zürich, Bern oder Basel, uns Solothurnern, Wallisern oder Bündnern zu sagen, mit wie vielen Wölfen und Grossraubtieren wir in unseren Wäldern und auf dem Land zu leben haben.

Felix Wettstein, Grüne

Felix Wettstein, Grüne

Ich werde das Referendum, das in diesen Tagen startet, unterstützen. Die Revision dieses Jagdgesetzes ist völlig missraten: Der Artenschutz in der Schweiz würde massiv abgebaut. Geschützte Tierarten würden abgeschossen werden dürfen, einfach so, weil sie da sind und jemanden stören. Wir müssen uns nichts vormachen: Völlig freien Lauf hat die Natur in der Schweiz längst nicht mehr. Der Mensch greift ein, er nutzt die Wälder und Weiden. Wir sollten das Ziel verfolgen, Gleichgewichte möglichst zu erhalten. Wir sollten Lebensräume erweitern, in denen Wildtiere und (bewachte) Nutztiere nebeneinander ihren Platz haben. Schon heute kann ein Wolf zum Abschuss freigegeben werden, wenn er zu viele Schafe reisst, obwohl präventive Massnahmen getroffen wurden. Dafür habe ich Verständnis. Wenn wir jedoch die Jagdgesetze lockern, werden wir bald nicht nur den Wolf, sondern Luchs, Graureiher und Biber dezimiert haben. Das haben sie nicht verdient. Wir brauchen mehr Biodiversität, nicht weniger!

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