Kriminalitätsstatistik

Die Zunahme der Cyberkriminalität macht der Polizei zu schaffen

Die neue Kripo-Chefin Fabienne Holland bei der Präsentation der Zahlen. Sowohl Ermittlungstätigkeit wie Prävention im Bereich Cyberkriminalität sollen intensiviert werden.

Die neue Kripo-Chefin Fabienne Holland bei der Präsentation der Zahlen. Sowohl Ermittlungstätigkeit wie Prävention im Bereich Cyberkriminalität sollen intensiviert werden.

Die Zahl der registrierten Straftaten ging im Kanton Solothurn im letzten Jahr erneut zurück, die Zahl der Einbrüche sank sogar auf ein Rekordtief. Wie in der restlichen Schweiz macht der Kantonspolizei aber die Zunahme der Cyberkriminalität zu schaffen.

Das vergangene Jahr war für die Polizei und die Sicherheit im Kanton Solothurn ein sehr gutes Jahr, der Kanton ist sicherer geworden. Ja, man kann sagen: Was die Kriminalitätsbelastung betrifft, die Anzahl Straftaten im Verhältnis zur Einwohnerzahl, war es «das sicherste Jahr seit je», so das Fazit von Polizeikommandant Thomas Zuber. Aber der Trend sieht im Kanton Solothurn natürlich auch nicht anders aus als für die ganze Schweiz: Während die Zahl der gemeldeten Straftaten insgesamt zwar zurückging, ist eine starke Zunahme der sogenannten Cyberkriminalität zu verzeichnen.

Das schlägt sich einerseits bei den Sexualdelikten nieder: Insgesamt war auch bei den Delikten gegen die sexuelle Integrität eine leichte Abnahme zu verzeichnen, hingegen gab es eine Zunahme bei der Verbreitung von Pornografie, zum Beispiel eben über die sozialen Medien. Anderseits schlägt sich die wachsende Bedeutung der Internetkriminalität auch in den Zahlen zu Betrugs- und Erpressungsstraftaten nieder. Auch hier zeigt sich eine starke Zunahme gegenüber dem Vorjahr: Betrug von 504 auf 619 Straftaten (+ 23 Prozent), Erpressung von 20 auf 104 Straftaten (+ 420 Prozent).

Eine häufige Form der Internetkriminalität ist der klassische Cyberbetrug: Tatsächliche oder angebliche Online-Shops liefern gefälschte, minderwertige oder gar keine Ware. Eine perfide Masche ist auch der sogenannte Romance Scam: Es wird eine Liebesbeziehung vorgetäuscht, um an Geld zu kommen, häufig für die Hilfe aus einer angeblichen Notlage. Cyberkriminelle schädigten ihre Opfer im Kanton Solothurn im vergangenen Jahr um 1,5 Millionen Franken. «Die Täter nutzen die Bedürfnisse, Wünsche und Schwächen ihrer Opfer aus», so Fabienne Holland. Die Details der Statistik wurden am Dienstag erstmals von der neuen Chefin der Kriminalabteilung der Kantonspolizei erläutert. Man verstärke deshalb neben der Ermittlung vor allem auch die Prävention im Bereich der Cyberkriminalität, so Holland. Denn: Ein grosser Teil der Delikte wäre bei verstärkter Aufmerksamkeit relativ einfach zu verhindern. Die Aufklärung gestaltet sich dagegen schwierig, da die Ermittlungen meist technisch sehr komplex sind und die Täter oft aus dem Ausland agieren.

Noch nie so wenig Einbrüche

Unter anderem der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung schreibt man bei der Polizei (neben dem gezielten eigenen Ressourceneinsatz, versteht sich) denn auch die Entwicklung bei den Einbruchdiebstählen zu. Die Zahl der Einbruchsdelikte ging 2018 gegenüber dem Vorjahr erneut um 18 Prozent auf 1167 zurück. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Erfassung 1992 überhaupt. Die Spitze lag bei fast 2000 Einbrüchen im Jahr 2013.

Einige weitere Eckzahlen aus der Kriminalstatistik:

  • Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 17 215 Straftaten polizeilich erfasst (2017: 17 655).
  • Den grössten Teil der polizeilich registrierten Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch machen die 9047 Straftaten gegen das Vermögen aus (3 Prozent weniger als im Vorjahr: 9287).
  • Die Zahl der Gewaltstraftaten hat um 1 Prozent auf 1502 zugenommen (Vorjahr: 1481), wobei die Zahl schwerer Fälle von 35 auf 39 stieg und die Fälle minderschwerer Gewalt von 1007 auf 955 zurückgingen.
  • Bei der häuslichen Gewalt zeigte sich im vergangenen Jahr nach einem starken Rückgang 2017 wieder eine leichte Zunahme von 689 auf 702 Straftaten.
  • Die angezeigten Fälle von Gewalt und Drohung gegen Beamte nahmen nach einem langjährigen Rückgang 2018 wieder von 41 auf 54 zu.
  • Die Zahl der Sexualdelikte sank um 10 Prozent auf 268 Straftaten (Vorjahr: 297).
  • Es wurden 1751 (Vorjahr: 1559) Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert, mehrheitlich wegen Konsum.
  • 74,6 Prozent (Vorjahr: 75,7 Prozent) der Straftaten gegen das Strafgesetzbuch wurden von Männern verübt.
  • Von den 3004 beschuldigten Personen (Vorjahr: 3104) bei den Straftaten gegen das Strafgesetzbuch handelt sich bei 51 Prozent (50 Prozent) um Schweizer.
  • Die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung im Kanton Solothurn lag mit 52 Straftaten auf 1000 Einwohner auf einem Tiefstwert (Vorjahr: 54,7).

Es gibt kriminelle Netzwerke

Einen deutlichen Rückgang um 28 Prozent auf 13 Fälle weist die Statistik zum Beispiel auch für den Deliktbereich Menschenhandel aus. Das lässt aber kaum darauf schliessen, dass es hier tatsächlich weniger Kriminalität gibt. Beim Menschenhandel handelt es sich um klassische sogenannte Holkriminalität. Das heisst: Anzeigen erfolgen in den seltensten Fällen durch Dritte, sondern gestützt auf Ermittlungen der Polizei. Die Abnahme der Straftaten ergibt sich daraus, dass die Polizei 2018 im Rahmen der notwendigen Prioritätensetzung wieder andere Schwerpunkte gelegt hat. Die strukturierte (der Volksmund würde wohl sagen mafiöse) Kriminalität sei im Kanton Solothurn durchaus festzustellen, so Polizeikommandant Thomas Zuber. Gute Statistikzahlen würden nicht bedeuten, dass keine kriminellen Netzwerke vorhanden sind.

Anderseits lässt der Anstieg bei den Betäubungsmitteldelikten auch nicht ohne weiteres auf einen gesteigerten Drogenkonsum schliessen. Vielmehr handelt es sich auch hier um sogenannte Holkriminalität, die Zunahme bei den schweren Fällen ist auf grössere Ermittlungsverfahren im Rahmen der Schwerpunktsetzung der Polizei zurückzuführen. So wurden dieses Jahr kurz nacheinander Drogendealer in Gerlafingen und Grenchen festgenommen und grosse Mengen Heroin, Kokain und chemische Drogen im Wert von mehreren 100'000 Franken sichergestellt.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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