Ambassador Big Band
«Die Zeit ist reif für einen Wechsel» – Nach 30 Jahren gibt Patrick Kappeler die Leitung ab

Auf einen Kaffee mit Patrick Kappeler, der nach 30 Jahren die Leitung der Ambassador Big Band abgibt.

Alois Winiger (Text und Foto)
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Der abtretende Bandleader Patrick Kappeler sieht die Ambassador Big Band «gerüstet für weitere gute Jahre».

Der abtretende Bandleader Patrick Kappeler sieht die Ambassador Big Band «gerüstet für weitere gute Jahre».

ALOIS WINIGER

Am 16. Mai wird die Ambassador Big Band einmal mehr in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn live zur Lindy-Hop-Tanzparty aufspielen. Und einmal mehr wird Patrick Kappeler aus Biberist die Band leiten, so wie er es bereits seit 30 Jahren tut. Doch nun sei die Zeit reif, um zurückzutreten, erklärt der 54-Jährige bei einer Tasse Kaffee.

«Nicht etwa, weil mir die Band verleidet wäre, nein, denn ich werde ja weiterhin mitspielen. Sondern weil ich sehe, dass Leute in der Band bereit sind und Lust dazu haben, Verantwortung zu übernehmen.» Das komme ihm entgegen, hätten sich «halt doch Abnützungserscheinungen bemerkbar» gemacht. «Zudem haben sich im Laufe dieser drei Jahrzehnte neben der eigentlichen Funktion als Bandleader immer mehr administrative und organisatorische Arbeiten bei mir angesammelt.» Die Band hat diesbezüglich bereits gehandelt und einige Arbeiten auf mehrere Schultern verteilt.

Neue Art der Leitung

Und wer wird nun der neue Bandleader sein? «Kein Einzelner, sondern es sollen sich alle einbringen können. Die Band hat das einstimmig so entschieden», antwortet Kappeler. «In der Praxis dürfte es wohl so laufen, dass jene Bandmitglieder, die mehr Kenntnisse oder Erfahrung haben als andere, teilweise oder auch eine ganze Probe leiten.» Wird auch Patrick Kappeler dazugehören? «Ich werde mich zurückhalten. Aber wenn es passen sollte, warum nicht?»

Als Patrick Kappeler vor 38 Jahren mit dem Altosaxofon in die Formation eingetreten war, hiess die Band noch Jo Bach Big Band, benannt nach deren Leiter Hanspeter Bach. Er hatte sie im Jahr 1974 für das 100-Jahr-Jubiläum der Musikgesellschaft Harmonie Biberist gegründet und erfolgreich geführt, bis es 1981 zur Trennung kam. Der Name wechselte zu Ambassador Big Band mit Sitz in Solothurn, Mario Ursprung folgte als Leiter, später Raymond Treier und 1988 dann Patrick Kappeler – als erst 24-Jähriger.

Jazzer zollen ihm Respekt

«Der Übergang hat sich schleichend ergeben», erklärt Kappeler. «Ich hörte oft und intensiv Bigbandmusik, etwa von Count Basie und Duke Ellington, habe sie gespeichert und mich in der Probe immer wieder entsprechend eingebracht. Bis meine Kollegen schliesslich befanden, ich soll doch gleich die Leitung übernehmen.»

Man habe ihm auch deshalb zugetraut, die Band zu leiten, weil er als Klarinettist in Ausbildung zum Berufsmusiker war, allerdings in Fachrichtung Klassik. Kamen sich da Klassik und Jazz nicht in die Quere? «Überhaupt nicht, im Gegenteil», betont Kappeler. «Ich fand das sehr spannend und wichtig, mich mit anderen Musikstilen zu befassen.» Das tue er auch heute noch, gerade kürzlich habe er sich Aufnahmen einer Heavy-Metal-Band genauer angehört. «Einfach weil ich wissen wollte, was an diesem Stil dran ist, das bei vielen Menschen so total einfährt.»

Kappeler war noch keine zwanzig Jahre alt, als er bereits in verschiedenen Formationen, Musikvereinen und Orchestern mitspielte, was er heute noch immer tut. Hauptberuflich gibt er Instrumentalunterricht an der Kanti Solothurn sowie an mehreren Musikschulen der Region, und zwar nicht nur Klarinette, sondern auch Saxofon. Das Altosaxofon ist seine zweite Leidenschaft; damit hat er sich neben der Klassik schon in jungen Jahren dem Jazz zugewandt. Hier sei das «learning by doing» im Vordergrund gestanden. «Ich habe mich intensiv mit Aufnahmen befasst, ganz genau hingehört und die Spielweise nachgeahmt. Vor allem beim Improvisieren bin ich Amateur.»

Sein selbst erarbeitetes Können brachte und bringt Patrick Kappeler grossen Respekt ein, insbesondere auch von ehemaligen Bandmitgliedern, die mittlerweile professionelle Jazzmusiker sind. Nun ist das Können auf dem Instrument das eine, eine grosse Formation wie die Ambassador Big Band zu leiten, zusammengesetzt aus Individualisten mit unterschiedlicher musikalischer Ausbildung, das andere. «Das war, wen wunderts, nicht immer einfach. Ich habe halt auch meinen Kopf», sagt Kappeler. Differenzen liessen sich nicht vermeiden, «besonders dann, wenn man mit der Band neue Wege gehen will, um nicht in der Routine zu verharren.» Wurden in den Anfängen hauptsächlich Stücke rund um den Stil von Glenn Miller gespielt, so versuchte man sich zusehends in modernerer Literatur. «Es war schwieriger als erwartet. Es brauchte mehrere Anläufe, bis die Band so weit war.»

«Die Band ist gut gerüstet»

Es habe Zeiten gegeben mit vielen selbst organisierten, erfolgreichen Anlässen und Engagements, «sehr attraktiven sogar», wie Kappeler erzählt, so etwa im Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken oder in Schladming am Mid Europe, einem der ganz grossen Blasmusikfestivals. «Zwischendurch gab es ruhigere Zeiten und da kam die Frage eines Aussenstehenden, warum es von der ABB keine CD gebe, gerade recht.» Eine erste CD konnte die Band 1996 im seinerzeitigen Radio Studio 7 in Zürich, dem Sitz der legendären DRS Big Band, aufnehmen. «Und weil das eine so tolle Sache war, nahmen wir in den folgenden Jahren noch zwei weitere CDs auf.» Heute hat die Band ein breit gefächertes Repertoire mit swingenden, rockigen und funkigen Nummern und ist gut im Schwung. Kappeler sagt: «Die Band hat eine gesunde Struktur und ist gerüstet für weitere gute Jahre.»

Bald wird Patrick Kappeler etwas mehr Zeit für sich zur Verfügung haben. Was hat er damit vor? «Es schneit immer wieder etwas rein, sei es beim Instrumentalunterricht oder bei meinem weiteren Standbein, den Sprechrollen, oder beim Theater Mausefalle. Dann freue ich mich darauf, meinen musikalischen Horizont zu erweitern. Und schliesslich», sagt Kappeler, «kann ich ja weiterhin in der Ambassador Big Band mitspielen. Das ist echt cool.»

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