Kanton Solothurn
Die Zahl der Verletzten beim Mountainbiken steigt enorm

Im Kanton Solothurn sterben im Schnitt drei Personen pro Jahr bei Sportunfällen: Dazu gehörten in den letzten zehn Jahren zwei Mountainbiker.

Tanja Graziano
Merken
Drucken
Teilen
Mehr Biker in den Bergen, bedeutet auch mehr Verletzte. Schweizweit spricht die BFU von einem 75-prozentigen Anstieg.

Mehr Biker in den Bergen, bedeutet auch mehr Verletzte. Schweizweit spricht die BFU von einem 75-prozentigen Anstieg.

Gian Ehrenzeller

In der gesamten Schweiz wird er immer beliebter. Und auch im Kanton Solothurn gewinnt der Sport an Fans: das Mountainbiken. Die Freizeitaktivität bringt jedoch auch grosse Verletzungsgefahren mit sich. Das zeigen die Auswertungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU. Von 2008 bis 2017 ist die Verletzungsquote beim Biken um ungefähr 75 Prozent angestiegen. Doch was sind die Ursachen für die ansteigende Zahl von Verletzten? Christoph Müller, Sport-Berater und Mountainbike-Experte bei der BFU, beschäftigt sich täglich mit Fragen rund um die Sicherheit beim Mountainbiken.

Für Müller ist die wachsende Popularität des Mountainbikens der Hauptgrund für die steigende Verletzungsquote. «Je mehr Biker unterwegs sind, desto mehr verletzen sich auch», so der Mountainbike-Experte. Seit der Erhebung im Jahr 2014 ist laut Sport Schweiz die Anzahl an Mountainbikern um über 20 Prozent angestiegen. Das sei ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Unfallzahlen. «Alles andere sind Vermutungen», erklärt Müller.

chm

Je mehr Mountainbiker, desto mehr Verletzte

«Die Ausrüstungen für das Mountainbiken, aber auch die Sportlerinnen und Sportler selbst haben sich über die Jahre weiterentwickelt. Dadurch befahren sie immer schwierigere Routen und Pisten», so Müller. Seiner Vermutung nach habe dies unter anderem auch einen Einfluss auf die Verletzungsquote. «Zudem werden immer mehr Mountainbike-Pisten gebaut. Leider wissen wir jedoch nicht, wie die Verletzungszahlen bei solchen Anlagen aussehen», berichtet Müller. Um den ansteigenden Verletzungsquoten entgegenzuwirken, hat die BFU einige Massnahmen wie beispielsweise einen Online-Ratgeber am Laufen.

«Unsere Empfehlung ist immer, dass die Biker eine Piste oder Tour wählen, welche ihren eigenen Fähigkeiten entspricht. Zudem raten wir zu einem defensiven Fahrstil», so Müller. Die grössten Gefahren würden beim Runterfahren sowie an exponierten Stellen auftreten. «Bei letzteren kann es zu Abstürzen kommen», erklärt Müller. «Die meisten Verletzungen treten im Schulterbereich auf. Dort sowie am Rumpf, an Ellbogen, Knien und Händen machen Protektoren und Handschuhe Sinn. Dies insbesondere auf Pisten und in Parks», sagt Müller. Statistiken der BFU zufolge schützen 97 Prozent der Mountainbiker ihren Kopf und 83 Prozent tragen eine Schutzbrille.

Jedoch nur etwa ein Drittel trägt Schulter- oder Ellbogenschoner. Grossen Einfluss auf die Verletzungen hat laut Müller zusätzlich, bei welcher Geschwindigkeit der Biker fällt. «Je höher die Geschwindigkeit beim Sturz, desto schwerer sind in der Regel die Verletzungen.» Aus der Unfallstatistik geht jedoch der Anteil der beteiligten E-Mountainbikes nicht hervor. «E-Bikes unterstützen vor allem beim Bergauffahren», so Müller. Beim Runterfahren sei man mit dem E-Bike nicht schneller als mit einem normalen Mountainbike.

In Bezug auf E-Mountainbikes weiss Müller: «In etwa fünf Jahren wird die Mehrheit ein E-Bike besitzen.» Entscheidend sei jedoch eher: «Am meisten gefährdet sich, wer sich selbst überschätzt, nicht defensiv abwärts fährt und mangelhafte Schutzausrüstung trägt», berichtet Müller.

Am meisten Tote beim Wandern und Schwimmen

Zum Kanton Solothurn weiss Müller: «In den Jahren 2010 bis 2019 gab es zwei tödliche Mountainbikeunfälle.» Vor einigen Wochen gab es im Kanton wieder einen tödlichen Unfall beim Mountainbiken. Der Vergleich mit der nationalen Statistik der BFU zeigt: Schweizweit sterben jährlich um die 181 Sportler bei einem Unfall.

Teil davon sind pro Jahr im Durchschnitt (2010–2019) drei Verunglückte bei sportlichen Aktivitäten im Kanton Solothurn. Im Schnitt handelt es sich dabei um je ein Todesopfer beim Bergwandern und eines beim Baden oder Schwimmen. Zudem gab es im Kanton in den letzten Jahren vereinzelt tödliche Unfälle bei Sportarten wie Gleitschirmfliegen oder Klettern – und eben auch beim Mountainbiken.