Steueramnestie
Die Zahl der reuigen Steuersünder steigt weiter an

401 Steuersünder – dies sind 68 mehr, als noch 2014 – haben sich im letzten Jahr selber angezeigt. Sie haben dem Fiskus Vermögenswerte von insgesamt über 74 Millionen Franken nachgemeldet.

Urs Mathys
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Dass die Zahl der Reuigen auch im sechsten Jahr der Amnestie noch zunahm, ist für Marcel Gehrig «an sich schon überraschend». Archiv

Dass die Zahl der Reuigen auch im sechsten Jahr der Amnestie noch zunahm, ist für Marcel Gehrig «an sich schon überraschend». Archiv

Felix Gerber

Das höchste im letzten Jahr nachdeklarierte Vermögen beträgt 5,4 Mio. Franken – im Jahr davor war es gar ein Fall mit 30 Mio. Franken gewesen. Laut Marcel Gehrig, Chef des kantonalen Steueramtes, bescheren allein die bisher 290 veranlagten (von insgesamt 401) Fälle dem Kanton Nachsteuern von 2,2 Mio. Franken, dem Bund von 0,8 Mio. und den Gemeinden von 2,6 Mio. Franken.

Marcel Gehrig

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Felix Gerber

Die Mehrheit, nämlich rund 60 Prozent der 401 Fälle, betreffen hinterzogene Summen von unter 200'000 Franken, wie Gehrig auf Anfrage dieser Zeitung aufschlüsselt. 25 Prozent der Fälle betrifft Summen bis zu 500 000 Franken, 6 Prozent bis zu einer Million Franken und darüber sind es 9 Prozent der Fälle.

Von diesen letzteren Nachmeldungen sind gemäss Gehrig über ein Viertel im Ausland gelegen: «Das heisst, es handelt sich um Bodenwerte, was sich für den Kanton für die Satzbestimmung auswirkt. Ein solch hoher Anteil wurde bis anhin nie verzeichnet.»

Die «kleine Steueramnestie»

Wer bisher nicht versteuerte Vermögen dem Fiskus freiwillig meldet, kann dies seit 2010 einmal im Leben tun, ohne eine Busse zahlen zu müssen. Die Nachsteuern und Verzugszinsen werden für maximal 10 Jahre erhoben. Steuerhinterzieher, die vom Fiskus ertappt werden, müssen dagegen weiterhin zusätzlich eine Busse bezahlen. (szr)

Total 543 Mio. nachbesteuert

Im Kanton Solothurn haben sich seit Einführung der «kleinen Steueramnestie» insgesamt 1723 Steuersünder selber angezeigt. Bei einer Gesamtzahl von 165 000 Steuerpflichtigen sind dies rund 1 Prozent. In den letzten fünf Jahren – für 2010 liegen laut Marcel Gehrig keine Zahlen vor – wurden Vermögenswerte von insgesamt fast 543 Mio. Franken nachbesteuert.

In dieser Zeit sei der Kanton so in den Genuss von knapp 20 Mio. Franken Mehreinnahmen gekommen, der Bund zu 7,6 Mio. und die Gemeinden zu 22,2 Mio. Franken.

Banken raten zur Selbstanzeige

2013 waren es im Kanton Solothurn 286 Selbstanzeiger gewesen, im Jahr darauf 333 und im 2015 zuletzt die genannten 401: Dass die Zahl der Reuigen auch im sechsten Jahr der Amnestie noch zunahm, ist auch für Marcel Gehrig «an sich schon überraschend». Ob ein Wertewandel – dass Steuerhinterziehung nicht mehr als Kavaliersdelikt gesehen wird – oder die Angst vor einer Aufdeckung dazu führten, lasse sich nur vermuten.

Steueramtschef Gehrig bestätigt darüber hinaus eine weitere Mutmassung: Nämlich die, dass durchaus auch ein gewisser Druck von Banken und Vermögensberatern wirken dürfte: «Es gibt tatsächlich Fälle, in denen die Steuerpflichtigen erzählt haben, dass sie ihre Selbstanzeige auf Anraten ihrer Bank eingereicht haben.»

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