Jura

Die Wildkatze meldet sich in den Solothurner Wäldern zurück

Eine phänotypische Wildkatze aus dem Bucheggberg vom 28. Februar 2019

Eine phänotypische Wildkatze aus dem Bucheggberg vom 28. Februar 2019

Sie waren vom Aussterben bedroht. Heute gibt es Wildkatzen wieder, vor allem im Solothurner Jura. Um die Verbreitung zu fördern, wurden die Wege für die Wildtiere vereinfacht.

Einst waren Wildkatzen vor dem Aussterben bedroht. Heute beleben sie wieder die Region. Zu sehen sind sie nicht oft. «Wildkatzen sind recht scheu und lassen sich nur selten in der freien Wildbahn beobachten», sagt Lea Maronde, Projektleiterin des Wildkatzenprojektes der Stiftung Kora.

Die wilden Katzen haben sich vor allem in der Region des Jura ausgebreitet. Sie gelangen doch bis ins Mittelland bis hin zu den Voralpen. «Seit 1962 haben sich die Wildkatzenbestände wieder erholt – von fast ausgestorben bis zu fast wieder komplett besiedelt», sagt Lea Maronde. Es gebe nach wie vor einige Gefahren. «Die intensive Nutzung der Landschaft durch den Menschen und damit verbunden die Zerschneidung der Landschaft und der Verlust von Lebensräumen, stellen heute die grösste Gefahr für Wildkatzen dar», so Maronde. Auch fallen die Vierbeiner immer wieder dem Verkehr zum Opfer.

 

Eine weitere Gefahr für die Wildtiere könnte die Hybridisierung sein. Dies bedeutet eine Vermischung zwischen Wild- und Hauskatzen. Die Hybridisierung könne unter gewissen Umständen die Art bedrohen und zu einer genetischen Ausrottung der Art führen. In der Schweiz seien Wildkatzen aber nicht akut wegen der Hybridisierung bedroht, betont Maronde. «Zu einer Verpaarung zwischen den beiden Katzenarten kommt vermutlich vor allem dann, wenn die Wildkatze in nur sehr geringer Dichte vorkommt, da sie dann keinen geeigneten Paarungspartner der eigenen Art vorfindet», sagt die Expertin.

Mit Fotofallen und Lockpflöcken

Im Rahmen eines Projektes der Stiftung Kora wurde die Rückkehr der Europäischen Wildkatzen und ihre Ausbreitung beobachtet. Um die Ausbreitung der Tiere zu fördern, führe ein Weg über die Wildtierkorridore, wie die Stiftung Kora schreibt. Insbesondere vom Jura Südhang hinüber in den Bucheggberg wurde eine Verbindung geschaffen. Dies fördere die Verbreitung vom Jura ins Mittelland. Dieser Korridor ermöglicht den Wildkatzen, den Raum der Voralpen zu nutzen.

Von Mitte Dezember 2018 bis Mitte Februar 2019 wurden zwischen Grenchen und Solothurn an 25 Orten Fotofallen der Stiftung stationiert. «Wir haben an jedem Standort einen Lockstock aufgestellt, um Haare für genetische Analysen zu erhalten.» In dieser Zeit wurden an zehn Stationen Wildkatzen gesichtet.
Daraufhin wurden weitere 34 Standorte im Bucheggberg und in der Region Bern mit Kameras ausgerüstet. Auch da wurden bis Ende April 2019 an zehn Standorten Wildkatzen abgelichtet.

Grün = Standort mit mindestens einem Foto einer Wildkatze; Orange = Standorte ohne Wildkatzenbild.

Die Punkte stellen die Fotofallen-Standorte des Wildkatzen Monitorings dar.

Grün = Standort mit mindestens einem Foto einer Wildkatze; Orange = Standorte ohne Wildkatzenbild.

Bereits vor zehn Jahren hat Wildtier Schweiz ein Wildkatzenmonitoring eingeleitet. Jetzt wird das Projekt zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt weitergeführt. Dadurch soll eine aktuelle Verbreitungskarte entstehen. Zusätzlich soll dieses Projekt bezwecken, die Hybridisierungsrate und die Wildkatzendichte einzuschätzen. Mit dem laufenden Monitoring soll ein Vergleich mit den vor zehn Jahren erhobenen Werten stattfinden.

Die Wildkatze: Tier des Jahres 2020

Die Wildkatze wurde von der Naturschutzorganisation Pro Natura zum Tier des Jahres 2020 gewählt. «Sie wirbt 2020 für mehr Wildnis», sagt Franziska Rosenmund, Medienverantwortlich von Pro Natura. Mehr freie Naturentwicklung täte der aufgeräumten Schweiz vielerorts gut. «Es muss nicht immer gleich ein grossflächiges Wildgebiet sein», sagt Rosenmund. In jedem Waldstück, an jedem Bachlauf, an Feldrändern, auf den Wiesen könne man der Natur Freiraum gewähren. «Davon profitieren viele Tier- und Pflanzenarten, nicht nur die Wildkatze.»

Wildkatzen würden sich auch in die Kulturlandschaft vor wagen, sagt Franziska Rosenmund. Dort brauche sie allerdings genügend Verstecke wie Hecken oder Büsche und sichere Wanderkorridore.

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