Gastkolumne

Die Welt wird immer besser!

«Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, es sei denn, wir unternehmen etwas dagegen. Und zwar sofort!»

«Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, es sei denn, wir unternehmen etwas dagegen. Und zwar sofort!»

Das menschliche Hirn ist evolutionsbiologisch auf Vereinfachung getrimmt. Das führt zu einem Schwarz-Weiss-Denken. Mit dem Bestreben, alles schnell und plakativ auf einen Punkt zu bringen, gehen entscheidende Nuancen einer faktengestützten Einschätzung in der Regel verloren.

Statt zu differenzieren, haben wir Menschen einen ausgeprägten Drang, die Dinge in zwei unterschiedliche Gruppen zu teilen, die sich möglichst konkurrieren und zwischen denen es nur einen leeren Raum geben kann. Wir haben diese verzerrte Weltsicht nicht, weil wir dumm sind oder zu wenig wissen, sondern weil wir von unseren Vorfahren diese dramatischen Instinkte geerbt haben.

Vor Tausenden von Jahren sicherten diese Instinkte unser Überleben. Der Urzeitmensch, der bei einem Säbelzahntiger im Gebüsch zuerst noch die schönen Blumen in der Umgebung bewunderte, statt schnell zu rennen, hatte in der Regel nicht viele Nachkommen.

Heute aber führen uns diese Instinkte zu Trugschlüssen, denn die Welt ist nicht mehr bipolar, sondern sie ist mehrschichtig und komplex geworden. Die Realität findet sich oft in der Mitte, also genau dort, wo wir instinktiv die Leere vermuten.

Im Jahr 2017 hat der schwedische Arzt Hans Rosling 12'000 Menschen in 14 Ländern zwölf Fragen mit je drei Antwortmöglichkeiten zum Zustand der Welt gestellt. Die Menschen konnten im Schnitt nur zwei Fragen richtig beantworten. Das ist weniger, als ein Schimpanse nach dem Zufallsprinzip schaffen würde, nämlich 33 Prozent. In der Regel glaubten die Befragten, die Welt sei viel bedrohlicher, gewalttätiger und hoffnungsloser, als sie in Wirklichkeit ist. Sie antworteten instinktiv und von Ängsten und Vorurteilen getrieben. Die schlechtesten Ergebnisse kamen von Nobelpreisträgern.

Ein gutes Beispiel für unser dramatisches Denken zeigt die Sicht auf die Entwicklung der Armut. Gängige Meinung ist, dass die Armut weltweit stetig zunimmt. Schlimmer noch: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, es sei denn, wir unternehmen etwas dagegen. Und zwar sofort!

Das ist falsch. Noch nie war der Anteil der Menschen, die in extremer Armut gefangen sind, so klein wie heute. Vor 20 Jahren lebten noch 20 Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut. Heute beträgt dieser Anteil noch neun Prozent. Der Anteil hat sich also mehr als halbiert. Im Jahr 2040 werden es sogar nur noch 5,6 Prozent sein, dem Aufstieg von Afrika und Asien sei Dank.

Heute leben 75 Prozent der Menschen in Ländern mit mittlerem Einkommen. Nimmt man die Länder mit mittlerem Einkommen und hohem Einkommen zusammen, kommt man auf 91 Prozent. Die meisten Menschen haben genügend zu essen, Zugang zu sauberem Wasser und zu Elektrizität und die Mehrheit der Kinder ist geimpft. Möglich gemacht haben dies die Globalisierung, der technische Fortschritt und der internationale Handel! Daran müssen wir denken, wenn wir das nächste Freihandelsabkommen abschliessen und etwas gegen die Armut auf dieser Welt tun wollen.

Natürlich ist jeder Mensch, der in extremer Armut leben muss, einer zu viel. Betroffen davon sind weltweit immer noch mindestens 800 Millionen Menschen.

Auch in der Schweiz gibt es Menschen, die zwar nicht in extremer Armut, aber unter dem Existenzminimum leben müssen. Meist sind es Personen mit einem geringen Einkommen, Familien mit mehr als zwei Kindern und Alleinerziehende.

Generell aber verbessern sich die Verhältnisse auf dieser Welt. Nicht in einem dramatischen Tempo, aber Schritt für Schritt, Jahr um Jahr wird die Welt ein kleines Stück besser. Daran können auch Journalisten, Aktivisten und Politiker, die nicht böswillig, sondern systembedingt oft das Gegenteil behaupten, nichts ändern.

Zum Glück!

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