Nachlass

Die verstorbene Volkskundlerin Elisabeth Pfluger hinterlässt einen riesigen Geschichten-Fundus

Elisabeth Pfluger posierte 2015 vor ihrem Elternhaus in Härkingen. Sie sammelte seit ihrer Schulzeit Zeugnisse aus der solothurnischen Volkskultur. Im vergangenen Mai ist sie 98-jährig verstorben. Was geschieht nun mit ihrem Nachlass?

Elisabeth Pfluger posierte 2015 vor ihrem Elternhaus in Härkingen. Sie sammelte seit ihrer Schulzeit Zeugnisse aus der solothurnischen Volkskultur. Im vergangenen Mai ist sie 98-jährig verstorben. Was geschieht nun mit ihrem Nachlass?

Elisabeth Pfluger, die im Frühling verstorbene Volkskundlerin, hat eine Fülle von gesammeltem Material hinterlassen. Was geschieht damit und wo ist es in Zukunft zu finden?

Am vergangenen 21. Oktober wäre die Solothurner Volkskundlerin und Sagensammlerin Elisabeth Pfluger 99 Jahre alt geworden. Leider konnte sie diesen hohen Geburtstag nicht mehr selbst erleben, denn am 2. Mai dieses Jahres starb sie.

Auch wenn sie selbst es nicht mehr miterleben kann, erscheint im Dezember ein weiteres Buch mit Geschichten, Sprüchen und Anekdoten, die von ihr gesammelt worden sind. Und zwar macht dies die Fulenbacherin Claudia Brander möglich, die vor zwei Jahren mit Pfluger bekannt wurde und seither vier Bücher von ihr verlegt hat. Sie erzählt: «Seit 2016 trafen wir uns einmal wöchentlich und sichteten, archivierten und dokumentierten ihren grossen Geschichten-Fundus.» Dabei sei noch Material für weitere Bücher zusammengekommen. So auch für das jetzt im Dezember erscheinende Buch «Der Aare noo». «Es sind Geschichten rund um den Fluss, das Wasser, das Fischen und Schifffahren», erzählt Brander. Auch Wasserlieder oder Sprüche und Fingerreime sind darin zu finden.

Claudia Brander und Elisabeth Pfluger bei ihrer ersten Zusammenarbeit 2016

Claudia Brander und Elisabeth Pfluger bei ihrer ersten Zusammenarbeit 2016

Elisabeth Pfluger war sehr froh um die Unterstützung von Claudia Brander. «Es ist ein Glück, dass wir uns gefunden haben», sagte sie einmal bei einem Interview mit dieser Zeitung.

Ein Raum mit Pfluger-Material

Claudia Brander hat in der alten Chäsi in Fulenbach, ihrem Atelier, wo sie selbst auch künstlerisch tätig ist, einen eigentlichen Elisabeth-Pfluger-Raum eingerichtet. Hier sind sie alle in verschiedenen Ordnern abgelegt: Kopien von Pflugers gesammelten Geschichten und Sprüchen, Liedern und Beschreibungen von Brauchtum, Traditionen und Rezepten. Die Volkskundlerin hatte alles, was sie sammelte, auf A4-Papier mit der Schreibmaschine abgetippt. Es ist also nichts elektronisch verfügbar. Da stehen nun blaue Ordner für das Niederamt, gelbe für Geschichten aus dem Gäu, rote für Solothurn, grüne für das Schwarzbubenland und weisse für diverse Bücherideen und viele andere mehr. «Ich habe viel Material, das noch abgelegt werden muss», sagt Brander. Denn die Arbeit ist zeitraubend. «Die meisten Geschichten lege ich nach Dorf ab – oder nach Brauchtum. So sind sie dann auch wieder auffindbar.»

Ein Teil des Pfluger-Archivs bei Claudia Brander in Fulenbach.

Ein Teil des Pfluger-Archivs bei Claudia Brander in Fulenbach.

Der gesamte Original-Nachlass von Elisabeth Pfluger wurde von den Angehörigen der Zentralbibliothek Solothurn vermacht. Doch Claudia Brander hat vorher noch alle Unterlagen kopieren können. Und hiermit stellt sich die Frage, was denn eigentlich mit dem Material, welches an die Zentralbibliothek Solothurn (ZBS) abgegeben wurde, geschieht.

Alle Originale in der Zenti

ZBS-Direktorin Verena Bider bestätigt: «Der Nachlass ist der ZBS übergeben worden. Einiges hat Elisabeth Pfluger uns über die Jahre selber übergeben; einen wichtigen Teil, der sich in ihrer Wohnung befand, haben wir im Frühling erhalten. Vor zwei Wochen durften wir bei einer Nichte einen weiteren interessanten Teil, nämlich Tonaufnahmen ihrer Radiosendungen abholen.» Die Frage, was denn mit all dem Material geschehe, beantwortet Bider folgendermassen: «Der Nachlass wird geordnet und verzeichnet werden. Besondere Schwierigkeiten werden sich dabei wohl nicht stellen, ausser, dass es sich um eine umfangreiche Sammlung handelt.»

Elisabeth Pfluger habe für ihre Unterlagen verschiedene Ordnungssysteme verwendet. «Diese werden aufeinander abgestimmt; Dubletten werden ausgeschieden.» Zum Beispiel habe Pfluger einige Typoskripte in verschiedenen Zusammenhängen abgelegt. Und weiter sagt Bider. «Zur Bedeutung der Sammlungen kann ich jetzt noch nichts Gültiges sagen. Die Dokumentation von Elisabeth Pflugers breiter Sammeltätigkeit über viele Jahrzehnte hinweg ist wertvoll. Ob die Sammlungen ‹sprechen›, jetzt, da die Sammlerin die Zusammenhänge nicht mehr herstellen kann, und ob sich Neues findet, wird sich nach der Erschliessung zeigen.»

Zurück zur Verlegerin und ihrer Arbeit: «Zum 100. Geburtstag von Elisabeth Pfluger im nächsten Jahr möchte ich den Band «Soledurn my Heimed» herausgeben», sagt Claudia Brander. Schliesslich sei die Stadt gute siebzig Jahre der Lebensmittelpunkt der Volkskundlerin gewesen. Es gehe ihr in den von ihr verlegten Büchern darum, Elisabeth Pfluger persönlicher darzustellen, als diese es selbst in ihren älteren Büchern noch getan hat. «Elisabeth war einverstanden mit diesem Ansatz. Sie fand ihn sogar gut.»

Wichtig sei ihr auch, dass Pflugers Sprache in ihren Geschichten beibehalten bleibe. «Wir haben uns oft über bestimmte Wörter oder Formulierungen unterhalten, manchmal auch gestritten, denn Elisabeth hat immer sehr darauf geachtet, dass sie die gesammelten Geschichten in demjenigen Dialekt aufgeschrieben hat, in welchem sie diese auch erzählt bekommen hat», sagt sie.

«Der Aare noo», ist ab Dez. im Buchhandel erhältlich. Bei Verlag Alte Chäserei, Chäppelistrasse 4629 Fulenbach, info@c-bra.ch, kann vorbestellt werden.

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