«Nach eingehender Prüfung haben wir entschieden, vom interessanten Projekt ‹Klosterhotel Solothurn› abzusehen.» Dies schreibt die Vebo, die Solothurnische Eingliederungsstätte für Behinderte mit Hauptsitz in Oensingen, in einem Brief an die Initianten des «Integrationshotels».

Diese wollten im seit 2003 leerstehenden Kapuzinerkloster eine «einfache, aber charmante Herberge auf 3-Sterne-Niveau» aufbauen. Der integrative Hotel- und Gastrobetrieb sollte auch Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Handicap anbieten.

Die 7. IVG-Revision sehe vor, dass möglichst viele Bezüger von IV-Renten in der offenen Wirtschaft beschäftigt werden sollen, heisst es im Brief. Das bedeute, dass nur noch Personen mit schwerer Behinderung in Werkstätten mit Betreuung arbeiten sollen. Ein erfolgreicher Hotelbetrieb setze jedoch eine gewisse Leistungsfähigkeit voraus.

Ferner sei für die Vebo «ein kostendeckender Betrieb aufgrund der Unterlagen nicht realisierbar». Selbst dann nicht, wenn keine Investitionen für den Umbau zu tragen und sämtliche Werkstatt- und Ausbildungsplätze voll besetzt seien. Eine Defizitgarantie des Kantons wäre für einen kostendeckenden Betrieb nötig. Zudem habe die Vebo weder Erfahrung noch Know-how in der Führung eines Hotelbetriebes.

Initianten sind enttäuscht

Enttäuscht reagiert Initiant Mario Tonet, der zusammen mit Peter Fritschi das spezielle Klosterhotel realisieren wollte. «Wir akzeptieren den Entscheid und werden das Projekt nicht weiterverfolgen», erklärt er auf Anfrage. Die Vebo sei die letzte Hoffnung gewesen. Den Hauptgrund für das Scheitern sieht er beim Kanton. Die Besitzerin des Klosters und die Invalidenversicherung hätten es abgelehnt, für den Betrieb 30 bis 35 geschützte, das heisst subventionierte Arbeitsplätze zuzusichern, bedauert Tonet.

Danach wandten sich die Initianten an die Genossenschaft Vebo. Sie hat mit 1100 integrativen Arbeitsplätzen das weitaus grösste Kontingent von geschützten Stellen im Kanton. Die Idee: Die Vebo hätte aus ihrem Kontingent die nötigen integrativen Arbeitsplätze für das Hotelprojekt abzweigen können. Tonet hält nüchtern fest: «Es wäre eine tolle Idee gewesen, aber das Projekt ist mit dem Nein der Vebo gestorben.»

Kanton prüft vier Anfragen

Somit ist klar: Die Zukunft des ehemaligen Kapuzinerklosters, am Rande der Solothurner Altstadt gelegen, bleibt wohl für längere Zeit weiterhin ungewiss. Auf Anfrage meldet Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli immerhin, dass derzeit «vier konkrete Anfragen geprüft werden». Es steckten «neue Personen» dahinter. Es handle sich um zwei Wohnungsprojekte mit öffentlichem Zugang (Restaurant und Park), ein Projekt sehe eine Mischnutzung aus Ateliers und Kleingewerbe vor und das vierte beinhalte einen «normalen» Hotelbetrieb. Je nach Projekt schätzt Mäusli die nötigen Investitionen in das 400-jährige Gemäuer auf zwischen 10 und 30 Millionen Franken.

Einen Zeitrahmen wollte er nicht nennen. Das Haus sei zu wertvoll, um es dem «erstbesten» Projektanten zuzuschlagen. Es brauche eine nachhaltige Lösung. «Jetzt gilt es, Ideen und Geld zusammenzuführen.»