Fragart-Initiator

«Die Ungewissheit hat mir fast noch mehr zu schaffen gemacht als die vielen Absagen»

Franz Grimm musste die Fragart-Konzertreihe unterbrechen.

Franz Grimm musste die Fragart-Konzertreihe unterbrechen.

Auf einen Kaffee mit ... Franz Grimm, Initiator und «Motor» der Fragart-Konzertreihe.

«Seit 37 Jahren führt Franz Grimm seine Fragart-Konzerte durch. Und dieses Jahr wären in der ersten Halbjahressaison 18 Konzerte vorgesehen gewesen. «Von diesen konnten gerade mal vier durchgeführt werden, die restlichen 14 musste ich absagen», sagt ein sichtlich erschütterter Grimm an seinem Esstisch sitzend im Haus im Haag in Selzach. «Das Konzert vom 1. März mit Bettina Sartorius und Hendrik Heilmann konnte leider aus Krankheitsgründen – kein Covid-19 – der Violinistin nicht durchgeführt werden. Und seither konnte und kann keiner der bis 1. Juni geplanten weiteren musikalischen Events mehr stattfinden», bedauert Grimm.

«Das Schlimmste war die Ungewissheit»

Er tut dies umso mehr, als er dieses erste Halbjahr 2020 einen Beethoven-Zyklus zum 250. Geburtstag des Komponisten geplant hatte. «Mit einer grandiosen Auswahl seiner Kammermusik hätte ich einen Beitrag zum Jubiläumsjahr leisten können». Alle Violinsonaten, Cello- und Klavierwerke und eine Auswahl an Klavier- und Streichtrios wären zu hören gewesen. Als Interpreten wären neben Sartorius und Heilmann so bekannte Musiker wie Teo Gheorghiu, das Ravan Streichtrio, Andrew Tyson, Rachel Harnisch, Claire Huangci und viele mehr engagiert gewesen.

Nun musste Grimm, der pensionierte Heilpädagoge, alle diese Künstler kontaktieren und Absagen erteilen. «Viele traf die Absage – nicht nur für unser Konzert – schwer», hat er dabei die Erfahrung gemacht. «Und zunächst war es ja noch so, dass ich nicht genau sagen konnte, bis wann die Konzerte abgesagt werden müssen. Zunächst hiess es bis Mitte April; dann der 26. April, dann der 10. Mai, und jetzt weiss ich, dass wir sicher erst mit der zweiten Hälfte des Konzertprogrammes, welches am 19. September startet, die Anlässe wieder aufnehmen können. Das ist zwar ein riesiger Schaden, doch die Ungewissheit in den vergangenen Wochen hat mir fast noch mehr zu schaffen gemacht als die jetzt beschlossene Aufgabe der ersten Saisonhälfte.»

Auch der geplante Erlach Musiksommer, mit vier Konzerten vom 19. Juli bis zum 26. Juli, hat Grimm abgesagt. «Die Konzerte hätten im Hof des Schlosses durchgeführt werden sollen. Dort sind die Platzverhältnisse bekanntlich schon eng. Auch wenn wir die Sicherheitsabstände einzuhalten versuchten, bin ich sicher, wären viele Besucher aus Vorsicht gar nicht gekommen. Daher haben wir uns auch zu dieser Absage entschlossen, was ich natürlich sehr bedaure.»

Persönlicher Kontakt zu Musikern und Publikum

Die Absage all dieser Veranstaltungen bedeutet nicht, dass Franz Grimm die Füsse hochlegen konnte. «Ich habe unzählige Briefe geschrieben und Telefonate geführt. Einerseits natürlich mit den Künstlern, deren Agenten und den Zuständigen für die Veranstaltungsorte. Andererseits aber auch mit Konzertliebhabern und Besuchern, die sich bereits für ein Konzert ein Ticket gekauft hatten und wissen wollten, wie es nun weitergeht.» Er habe denjenigen, die sich im Voraus Tickets gekauft hatten, Gutscheine für die kommenden Konzerte abgegeben. «Eigentlich alle waren damit einverstanden. Einige schenkten uns auch den Betrag. Eine wirklich schöne Geste», freut sich der Konzertveranstalter, der alle Arbeiten für Fragart zusammen mit seiner Frau Rita in Personalunion erledigt. «Für einige Musiker habe ich auch Bestätigungen für die Absagen verfassen müssen, damit sie ihre Entschädigungszahlungen einfordern können.»

«Wir machen das aus Überzeugung»

Woher nimmt denn aber der 67-jährige Franz Grimm die Energie, zusammen mit seiner Frau die Fragart-Konzerte schon seit so langer Zeit durchzuführen? «Wir machen es einfach aus Überzeugung», sagt er. «Die Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern, mit dem Publikum bringen uns sehr viel. Inzwischen sind wir fast so etwas wie zu einer Familie zusammengewachsen. Mit vielen Musikern sind Freundschaften entstanden. Und dadurch kommen wir auch immer wieder mit neuen Persönlichkeiten in Kontakt.»

Das Ehepaar ist überzeugt davon, dass die Durchführung von Konzerten mit erstklassiger Musik auch in einer Kleinstadt wie Solothurn seine Berechtigung hat. «Das beweist uns auch die Tatsache, dass die Musiker jeweils sehr gerne nach Solothurn kommen. Sie schätzen den grossen, aber auch den kleinen Konzertsaal in Solothurn aufgrund seiner Akustik. Sie schätzen aber auch unser sehr kompetentes Publikum und die fast familiäre Atmosphäre bei unseren Konzerten.»

Jetzt hat Franz Grimm auch etwas Zeit, sein Archiv zu sichten und dabei in Erinnerungen zu schwelgen. Sodass er noch lange Energie hat, die Fragart-Konzerte weiterzuführen und das Publikum zu beglücken.

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