Die im Kanton Solothurn stark vertretenen Uhrenfirmen kämpfen – einzelne gar ums Überleben. Jüngstes Beispiel ist die traditionsreiche Thaler Uhrenfabrik Candino, die einen Drittel ihrer Belegschaft entlässt. Landesweit sind die Uhrenexporte quasi im freien Fall. Im vergangenen Mai gingen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um 14,2 Prozent zurück, zum zwölften Mal in Folge. 2015 resultierte erstmals seit 2009 ein Exportrückgang. Neben dem starken Franken und dem schwachen Rubel sorgen vorab der wirtschaftliche Abschwung und die politischen Turbulenzen in China und Hongkong dafür, dass die Branche derzeit hartes Brot essen muss; dies zeigen einige Beispiele aus dem Solothurnischen präzise auf.

Die Lager sind überfüllt

Von der Uhrenflaute im asiatischen Raum ist die Grenchner Uhrenfirma Titoni besonders betroffen. Über 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das 1919 gegründete Unternehmen in Asien, insbesondere in China. «Wir mussten in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres einen Umsatz- und Absatzrückgang von rund 25 Prozent hinnehmen», berichtet Tony Jost, Verkaufs- und Marketingchef von Titoni. Die Lager bei den Händlern seien überfüllt. Deshalb würden diese zuerst abgebaut. «Wenn ein Händler zehn Uhren verkauft, bestellt er nur deren fünf nach», so Jost.

Grund für die geringere Nachfrage sei das abflachende Wirtschaftswachstum in China. Wenig Einfluss auf das Titoni-Geschäft habe das neue Segment der Smartwatches, so Jost. «Wir produzieren zu über 90 Prozent mechanische Zeitmesser. Die Kunden wechseln nicht zuhauf zu den sogenannt intelligenten Uhren.» Trotz der schwierigen Phase sei kein Stellenabbau in Grenchen geplant. Dort arbeiten rund 65 Mitarbeitende. Allerdings würden Abgänge nicht ersetzt.

Erstmals Rückgang in der Schweiz

Auch die Solothurner Chrono AG kämpft mit dem kriselnden Uhrenabsatz. Per Ende Mai 2016 sei es zwar gelungen, den Umsatz dank einiger grösserer Aufträge auf dem Vorjahresniveau zu halten, sagt Co-Chef Markus Ingold. «Dennoch rechnen wir für das ganze Jahr mit einem Umsatzrückgang im tieferen einstelligen Prozentbereich.» In den beiden Vorjahren seien die Umsätze in wichtigen Märkten wie Russland oder Hongkong zurückgegangen. Diese Korrekturen habe Chrono «verdaut». «Dieses Jahr stellen wir nun erstmals einen Rückgang im für uns sehr wichtigen Heimmarkt Schweiz fest», meldet Ingold. Dies insbesondere in den Touristenspots Interlaken, Luzern, Zermatt oder Genf. Er ortet mehrere Gründe dafür. Die Schweiz habe es verpasst, rechtzeitig genügend Schengen-Visa-Zentren in China einzurichten.

Laut einer neueren Vorschrift der Schengen-Staaten, zu denen auch die Schweiz gehört, dürfen Chinesen nur noch mit einem biometrischen Pass einreisen. Da es zu wenig solche Zentren für die Ausstellung des Passes in China gebe, kommen offenbar auch weniger Touristen in die Schweiz. Zudem dürften chinesische Touristen, so Ingold weiter, Uhren nach China aufgrund der Antikorruptionsgesetze nur noch für den persönlichen Gebrauch einführen, ansonsten seien Zölle zu entrichten. Ferner habe auch die latente Terrorgefahr einen Einfluss auf das Reiseverhalten von asiatischen Touristen. Zu einem Stellenabbau in Solothurn sei es bislang nicht gekommen.

Ebenfalls die Grenchner Breitling-Gruppe spürt die Flaute im Tourismus, wie Vizepräsident Jean-Paul Girardin Ende Mai gegenüber dieser Zeitung erklärte. Aber in den Hauptmärkten wie den USA, England oder Deutschland sei die Nachfrage nach wie vor stark. Und selbst in Asien sieht Girardin Chancen: «Da wir in China praktisch überhaupt nicht präsent waren, sehen wir für uns weiterhin Potenzial.»

Kein Aufbau neuer Stellen

Bei der Solothurner Mondaine Watch AG läuft es nicht schlecht. «Wir verzeichnen in den ersten fünf Monaten gegenüber der Vorjahresperiode einen Umsatzrückgang von ‹nur› zwei Prozent», erklärt Co-Chef André Bernheim. Dabei sei zu berücksichtigen, dass 2015 ein Rekordjahr gewesen sei. Zur Begründung, warum Mondaine weniger unter der weltweiten Absatzkrise leidet als die gesamte Uhrenbranche, greift Bernheim zu einer Metapher.

Das teure bis sehr teure Uhrensegment reite auf der Meereswelle zuoberst, entsprechend sei das Auf und Ab sehr ausgeprägt. Uhrenmarken im Mittelpreisegment, wie Mondaine, bewegten sich deutlich unter dem Wellenkamm und seien somit weit geringeren Schwankungen ausgesetzt.

Hinzu komme, dass Mondaine weniger in den schwächelnden asiatischen Märkten präsent sei. Über die letzten 18 Monate sei es in der Fabrik in Biberist zu einer Reduktion von 100 auf 80 Arbeitsplätze gekommen; nicht zuletzt wegen Effizienzsteigerungen. Derzeit würden keine neuen Stellen aufgebaut und Personalabgänge würden nicht ersetzt. Daran sollte sich bis Ende Jahr nichts ändern, die Auslastung in der Produktion sei gut.