Nach einem Jahr Pause führt die Tour de Suisse auf ihrem längsten Teilstück von Gansingen (AG) nach Gstaad (BE) wieder durch den Kanton Solothurn. Zwar nur kurz, aber immerhin.

Für die 12,2 Kilometer von Wöschnau über Schönenwerd, Gretzenbach, Däniken und übers Grod hinauf nach Walterswil brauchen die 147 Veloprofis am Dienstag nur knapp 20 Minuten. Für die zahlreichen Zuschauer am Wegesrand dauert das Spektakel sogar nur wenige Sekunden. Trotzdem säumen sie die Strecke auch bei Regen zahlreich und gut gelaunt. Ein Augenschein.

11.30 Uhr: In Walterswil deutet zwei Stunden vor der Ankunft nichts darauf hin, dass hier heute das Peloton durchbraust. Ein Bauer mäht seinen Rasen. Machen Sie das, weil gleich die Tour de Suisse vorbei kommt? «Nein, die Kühe haben Hunger.»

11.50 Uhr: In Däniken hat sich Esther aus Winznau bereits in Position gebracht. Sie wartet vor dem Kreisel auf die Tour. Seit Kindesbeinen steht sie immer, wenn die Tour de Suisse durch die Region fährt, am Wegesrand. «Es ist doch viel interessanter, live dabei zu sein, als das Ganze am Fernseher zu verfolgen», sagt sie und fügt hinzu: «Das Grod ist schon ein steiler Cheib. Die Veloprofis flitzen da in fünf Minuten hoch. Das bewundere ich.»

12.15 Uhr: Am Kreisel in Däniken steigt das Militär aus einem Kleinbus. Fünf WK-ler bringen sich in Position, um rechtzeitig die Strasse für den Verkehr sperren zu können. Rund 130 Soldaten sind insgesamt bei der Etappe im Einsatz. Wenn das Feld vorbei ist, überholen sie es und sperren den Verkehr an weiteren Posten erneut. «Manchmal wird das ziemlich knapp», sagt einer und grinst schelmisch.

12.35 Uhr: Mitten im Verkehr versteckt passiert jetzt die Werbekaravane das Feld. Manch einer übersieht sie, nur gelegentlich hält ein Auto kurz, damit Werbegeschenke verteilt werden können. Esther bekommt eine Mini-Kuhglocke und eine Kappe und ist glücklich. «Jetzt hab ich schon zehn Tour-de-Suisse-Chappli.»

12.50 Uhr: Immer mehr Menschen warten am Strassenrand auf die Velofahrer. Rund um den Däniker Kreisel stehen etwa 50 Personen am Strassenrand. Jeder Hobby-Velofahrer, der zufällig vorbei kommt, wird frenetisch bejubelt. Franziska und Sacha haben Chips und Bier dabei, um die Wartezeit zu überbrücken. Ihr Kollege Andreas hat extra freigenommen, um dabei zu sein, wenn die Tour de Suisse durch seine Heimat fährt.

13.15 Uhr: Es beginnt zu regnen. Doch kaum einer geht nach Hause. Stattdessen werden Regenschirme aufgeklappt. Das schlechte Wetter tut der guten Stimmung keinen Abbruch.

13.30 Uhr: Ein Auto mit grünen Warnlichtern braust vorbei. Das Signal für die Soldaten, die Strasse zu sperren. Der Verkehr ist drei Minuten später erloschen.

13.40 Uhr: Angeführt vom Schweizer Meister Silvan Dillier rauscht eine sechsköpfige Spitzengruppe durch Däniken. Nach nicht mal 30 Sekunden sind sie rechts in Richtung Walterswil abgebogen und nicht mehr zu sehen.

13.46 Uhr: Jetzt kommt das Peloton. Angeführt vom Schweizer Team BMC und dem Leader aus dem Thurgau Stefan Küng rollt das Feld durch Däniken. Einige wenige nehmen beim Kreisel den weiteren weg rechtsherum. Kurz nach dem Peloton folgt der Besenwagen, der mit zwei echten Besen ausgestattet ist. Er ist auch das Signal für die Soldaten, die Strecke wieder freizugeben.

13.47 Uhr: Der Spass ist vorbei. Haben Sie einen der Fahrer erkannt? «Nein, war aber trotzdem schön.» Ein Schweizer war ganz vorne. «Umso schöner.»

17.20 Uhr: Dilliers Ausreisserkollege Juul Jensen rettet wenige Sekunden Vorsprung vor dem Hauptfeld ins Ziel und gewinnt die Etappe vor Michael Matthews und Yves Lampaert. Stefan Küng kam mit dem Peloton ins Feld und trägt auch heute auf dem Weg nach Leukerbad das gelbe Leadertrikot.