Nationalratswahlen
Die SVP hat einen ersten Pflock gesetzt

Der Wochenkommentar von SZ- Chefredaktor Theodor Eckert zu Primärzuckungen der Nationalratswahlen 2015. Das wird spannend. Jede Wette.

Theodor Eckert
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Mit Walter Wobmann verfügt die SVP über einen sicheren Wert.

Mit Walter Wobmann verfügt die SVP über einen sicheren Wert.

Solothurner Zeitung

Am 18. Oktober 2015 wählen wir einen neuen Nationalrat. Weit, weit weg? Von wegen. Ein gutes Jahr vor der Ausmarchung sind längst strategisch wichtige Positionsbezüge im Gange. Kein Wunder, die Vertreter des Kantons Solothurn stehen vor einem Nadelöhr. Hindurchquetschen wollen sich mindestens sieben ernsthafte Kandidaten. Schaffen werden es jedoch bloss sechs, soviel steht fest. Dem Stand Solothurn wurde kurzerhand ein Sitz gestrichen (Abnahme der ständigen Wohnbevölkerung). Welche Partei will bei diesem Spiel schon den Schwarzen Peter ziehen? Also müssen die Weichen frühzeitig richtig gestellt werden. Machen wir eine erste Auslegeordnung - in Beton gegossen wird später.

SVP

Die SVP, nicht bekannt dafür, dass sie den Lauf der Politik dem Zufall überlässt, hat jetzt einen Pflock gesetzt, den nicht jedes Windchen gleich herausreisst. Mit dem populäreren, ungeschminkt agierenden Walter Wobmann verfügt sie über einen sicheren Wert. Als solcher hat sich in all den Jahren auch Roland Borer erwiesen. Dass der 63-jährige Kestenholzer jedoch nicht mehr ewig in der nationalen Politik mitmischen will, ist kein Geheimnis. Da dürften parteiintern die Alarmglocken heftig geläutet haben. Doch jetzt ist der schrille Ton verstummt, die drohende Vakanz abgewendet – Roland Borer will (oder wohl besser muss) nochmals antreten. Mit zwei Bisherigen stehen damit die Chancen für die geschlossene, wählerstarke Partei nicht schlecht

SP

Ähnlich die Vorzeichen beim Duo am andern Ende des politischen Spektrums: Einer noch voll im Saft und Eine nicht mehr ganz taufrisch. SP-Mann Philipp Hadorn hat noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm das Mandat Spass macht und er gerne eine weitere Legislatur anhängen würde.

2011 überraschend gewählt, ist ihm eine Bestätigung zuzutrauen, das wissen auch die roten Strategen. Anders als im Fall Borer hat Bea Heim jedoch mit keiner Silbe Rücktrittsgedanken geäussert. Somit muss sie nicht zu einer weiteren Kandidatur gedrängt werden (auch das kann für eine Partei eine Herausforderung sein). Die Chancen auf zwei Sitze für die Sozialdemokraten? Sagen wir mal, sie sind intakt.

CVP

Bei der CVP kommt man nicht auf Anhieb zu diesem Schluss. Die Vertreter Stefan Müller und Urs Schläfli werden keinen Beobachter des Geschehens im Rat dazu inspirieren, sie als strahlende Kühlerfiguren der Christlichdemokraten zu bezeichnen. Und auch bei einer Strassenumfrage bezüglich der aktuellen sieben Solothurner Nationalräte, würden ihre Namen kaum als erste fallen. Was zugegebenermassen noch kein abschliessendes Urteil bezüglich ihrer Chancen auf eine Wiederwahl sein muss. Gerade die CVP und ihre Anhänger haben uns diesbezüglich schon Bauklötze staunen lassen. So erinnern wir uns nur zu gut an die jüngsten Regierungsratswahlen als es ihnen tatsächlich gelungen ist, ihre zwei Vertreter ins Rathaus zu entsenden. Die Orangen, respektive bei uns die Schwarzen, können auf eine treue Wählerschaft und verlässliche Partner aus Listenverbindungen zählen. Andererseits werden die Gegner nicht zuletzt das Argument bemühen, die CVP sei angesichts ihres Wähleranteils mit zwei Nationalräten und einem Ständerat in Bern klar übervertreten.

FDP

Wenn man dies von einer Partei mit Sicherheit nicht sagen kann, dann von der FDP. Müsste sie in einem Jahr über die Klinge springen, wäre der einst so stolze Solothurner Freisinn im nationalen Parlament gar zum Zusehen verdammt. Ein unvorstellbares Szenario bezüglich der einst staatstragenden Partei. Scheue Frage: Wie manches andere unvorstellbare Szenario ist in der jüngeren Vergangenheit schliesslich doch Tatsache geworden? Bleiben wir bei der Bleistift-Skizze und malen an dieser Stelle das grosse Debakel nicht voreilig mit Ölfarbe aus. Mit Kurt Fluri haben die Freisinnigen einen versierten und erfahrenen Mann im Rennen. Grundsätzlich eine Trumpfkarte die stechen sollte. Sollte. Der Druck auf den Workaholic nimmt nun aber zu. Wurde seine einzigartige Vielgleisigkeit in der Vergangenheit stillschweigend akzeptiert, wird sie inzwischen offen kritisiert. Diese Woche wurde in dieser Zeitung erstmals der «Stundenplan» Fluris veröffentlicht. Selbst bei wohlwollender Addierung der Stundenzahlen zeigt sich, dass die Tage des 59-Jährigen mehr als 24 Stunden haben müssen. Diese Diskussion wird nicht einfach verstummen, wie ein Blick in andere Städte unseres Landes zeigt. Allein schon Doppelmandate sind höchst umstritten, von X-fach-Mandaten gar nicht zu reden: Mal wird von den Angeschossenen der Rücktritt als Stadtpräsident gefordert, mal der Verzicht auf das eidgenössische Mandat.

Das Warmlaufen für das Ausscheidungsrennen 6 aus 7 hat hinter den Kulissen begonnen.

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