Leckereien
Die süssen Versuchungen der Solothurner Narrenzeit

«Schlüferli», Krapfen und «Schenkeli»: Auf die Liebhaber der Fasnachts–Klassiker wartet ein breites Angebot.

Noëlle Karpf und Bruno Kissling
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Zur Narrenzeit gehören nicht nur bunte Kostüme und Masken sondern auch die verschiedensten Leckereien.

Zur Narrenzeit gehören nicht nur bunte Kostüme und Masken sondern auch die verschiedensten Leckereien.

sz-archiv

Wer kennt und liebt sie nicht: All die süssen Leckereien, die die Bäckereien zur Fasnachtszeit verkaufen. Ob «Schenkeli», Krapfen, «Chneublätze» oder Berliner – das Angebot ist gross und verlockend. Obwohl der Ursprung der süssen Versuchungen schon weit zurück– und oftmals nicht in der Region liegt, gibt es kaum eine Bäckerei im Kanton Solothurn, die die beliebten Klassiker nicht im Angebot hat.

Das Schaufenster der «Kaffeehalle» in der Solothurner Altstadt ist farbenfroh geschmückt und lockt die Aufmerksamkeit der vorbeigehenden Passanten auf sich. Was hinter dem Tresen liegt, zieht die Besucher genauso in den Bann: Berliner, Fasnachtsmasken, «Schenkeli», «Konfetti», «Schlüferli» und Krapfen sind nur ein Teil des grossen Angebots. Mit Clown–Gesichtern dekoriertes Schokoladenmousse und eine bunte Fasnachtstorte, verziert mit kleinen Masken, springen gleich daneben sofort ins Auge.

Wer die Klassiker noch in einer süsseren Version mag, dem verkauft die «Kaffeehalle» ausserdem Berliner mit Vanille– oder Schokoladen–Füllung.

Die Auswahl ist riesig – wofür entscheiden sich die Kunden? «Berliner, ‹Schenkeli› und ‹Schlüferli› sind sicher die beliebtesten Desserts», meint Geschäftsleiter Andreas Schaad. Aber die Masken würden von Jahr zu Jahr besser verkauft.

Sind denn immer die gleichen Backwaren hoch im Kurs? «Die Klassiker sind früher wohl noch besser gelaufen als heute», vermutet der Geschäftsführer. «Viele Kunden konsumieren aber auch heutzutage das, was sie bereits kennen.»

Man gebe sich zudem Mühe, nebst dem Bekannten neue Sachen auszuprobieren und anzubieten. Die Solothurner Torte gibt es das ganze Jahr über in der «Suteria». Berliner, «Schlüferli», «Schenkeli», Fastenwähe und Krapfen sind hier in der Solothurner Altstadt ausschliesslich zwischen dem Dreikönigstag und dem Ende der Fasnacht zu haben. «Das macht unser Angebot speziell», sagt die Verkaufsleiterin Maria Gülce. Die Kunden würden auf diese Desserts warten.

Unter den süssen Waren soll laut der Verkaufsleiterin der Berliner herausstechen. «Die Klassiker waren eigentlich schon immer beliebt», so die Verkaufsleiterin. Und gehörten diese «Klassiker» hier auch seit jeher zur Auswahl der Leckereien? Schliesslich findet sich im Angebot unter anderem ein Basler Gebäck. «Ich arbeite seit 27 Jahren hier», meint Gülce schmunzelnd. Und zumindest während dieser Zeit soll das Angebot nicht nur aus regionalen Spezialitäten bestanden haben.

Nationale Leckereien übertrumpfen die regionalen Spezialitäten auch im Oensinger Café Knaus. Dafür würden für die «beliebten, nationalen Fasnachtsgebäcke» Zutaten aus der Region verwendet. «Regionale Waren sind bei uns nicht sehr gut angekommen», schreibt der Geschäftsleiter Samuel Lanz. Das hat laut dem Chef damit zu tun, dass die Fasnacht im Umkreis der Gemeinde an Ansehen verloren habe. «Wir haben in Oensingen auch keinen Fasnachtsumzug mehr», so Samuel Lanz.

«Die Bestseller sind bei uns mit Abstand die frischen Berliner», meint der Geschäftsführer. Aber auch die «Quarkinis» würden von Jahr zu Jahr höher im Kurs liegen. Das sind kleine Teigkugeln, die aussehen wie Mini–Berliner. Statt Konfitüre steckt in den Leckereien eine Quark–Füllung.

Diese Produkte sollen «jedes Jahr wieder ein Hit» sein. Daneben gibt es auch im Café Knaus beständige Klassiker: «Schenkeli, Fasnachtschüechli und Faschtewaie» vervollständigen das Angebot der Oensinger Bäckerei.

Wer «Schenkeli», Zigerkrapfen oder «Schlüferli» der Bäckerei Trüssel an der Solothurner Bahnhofsstrasse ergattern will, muss sich beeilen: «Der Zeitraum, in dem wir Fasnachtsgebäck anbieten, ist extrem kurz», sagt die Geschäftsführerin Marianne Ricklin.

Dafür werden alle Leckereien von «Hilari–Beginn bis Aschermittwoch» sehr gut verkauft. «Gerade auch ältere Kunden, die ansonsten nicht zu unseren Stammgästen zählen, kommen während den Fasnachtstagen in die Bäckerei», sagt die Chefin. Sie würden die Leckereien halt von früher noch kennen.

Gebäck aus der ganzen Schweiz gibt es also auch hier schon länger? Das bestätigt Marianne Ricklin. Und sie ergänzt: «Einzig die ‹Schlüferli› kommen aus der Region Solothurn–Bern». Das restliche Angebot würde normalerweise in der ganzen Schweiz verkauft.

Je nach Region können sich die Herstellung der Leckereien. «In Luzern werden die Zigerkrapfen mit süsser Marmelade gefüllt», sagt die Geschäftsleiterin. Die Füllung der Krapfen aus der Region besteht aus süssem Ziger und Rosinen.

Die beliebten Schenkeli und Schlüferli gibt es bereits seit mitte Januar, meint Fränzi Erni von der Bäckerei und Konditorei Erni in Wolfwil mit Filiale in Gunzgen.Ihr Mann Urs und die insgesamt 12 Mitarbeiter in Backstube und Verkauf produzieren und verkaufen die süssen Fasnachtsleckereien derzeit täglich frisch für alle närrischen Schleckmäuler. Fasnachtschüechli – hier und dort im Mundart auch «Chnueplätze» genannt - gibt es nur über die närrischen Tage selbst.

Trends zu Fasnachtsgebäck kann Fränzi Erni allerdings kaum ausmachen. Gefragt ist bei den Narren – mit und ohne Verkleidung – bei Süssigkeiten an Fasnacht immer etwa das gleiche – schon seit Jahren. Obwohl kein eigentliches Fasnachtsgebäck, ist auch und gerade in dieser Zeit der klassische und mit Himbeerkonfitüre gefüllte Berliner, das bestverkaufte Produkt aus der Konditorenstube - und an der Fasnacht ohnehin doppelt lecker...

Obwohl die Leute jetzt schon danach fragen würden, gibt es bei Daniel Schär und seinem zehn–köpfigen Team vom Pino dem anderen Beck in Olten noch kein Fasnachtsgebäck. Die Leute würden zwar jetzt schon nach Fasnachtsschenkeli nach altem Familienrezept mit einem Schuss Kirsch fragen. Die goldgelbe Bräunung und ihre klassische Form erhalten die Schenkeli, die derzeit vorproduziert und in Form von «Fischstäbli» im Kühler ausharren, erst ab kommendem Dienstag. Ab dann läuft bei Pino vor dem Haus die Fritteuse, wo Schenkeli, aber auch Ziegerkrapfen und natürlich die äusserst beliebten Berliner ein heisses Bad nehmen dürfen.

Auf Fasnachtschüechli verzichtet Pino. Bei der Fasnacht als Tradition sieht Daniel Schär keine Trends. Viele Kunden würden auf diese Zeit und ihre süssen Spezialitäten warten – und der Geschmack der Leckereien aus der Fritteuse, der durch die Strassen ziehe, zöge die Leute schon von weitem an. «In «Vorfreude» auf die Fastenzeit sind bei den Leuten während der Fasnacht keine Schlankheits-Tipps gefragt. Zur Fasnacht wollen einfach alle etwas Deftiges, Feines. Jetzt zählen wir noch keine Kalorien», so Daniel Schär.

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