Zuchwil
Die Suche nach Nachfolgefirmen für die Scintilla-Fertigung harzt

Nur noch zwei mögliche Investoren, die Teile der vor der Schliessung stehenden Fertigung und Entwicklung für Elektrowerkzeuge übernehmen könnten, sind im Rennen. Fast die Hälfte der von der Schliessung Betroffenen hat eine «Anschlusslösung» gefunden.

Franz Schaible
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Den Schritt weg von Bosch müssen wohl fast alle von der Fabrikschliessung betroffenen Scintilla-Beschäftigten machen.

Den Schritt weg von Bosch müssen wohl fast alle von der Fabrikschliessung betroffenen Scintilla-Beschäftigten machen.

Hanspeter Baertschi

Zwar herrscht in der Scintilla Zuchwil – zumindest von Aussen betrachtet – seit vergangenem Frühling Ruhe. Der Mutterkonzern Bosch hat die Schliessung der Fertigung und Entwicklung von Elektrowerkzeugen und die Verlagerung nach Ungarn definitiv beschlossen, und der Sozialplan wurde unter den Sozialpartnern ausgehandelt.

Doch der Schein trügt. Seit Monaten läuft die Suche nach Investoren. «Die Gespräche mit möglichen Investoren sind im Gange», erklärt Ute Lepple, Bosch-Repräsentantin in der Schweiz und Mitglied der Scintilla-Geschäftsleitung.

Gleichzeitig heisst es aus Kreisen der Belegschaft, dass bei den Mitarbeitenden die Verunsicherung und die Ungewissheit über die Zukunft unvermindert hoch ist. Jetzt legt Lepple auf Anfrage einen Zwischenbericht der Bemühungen auf den Tisch.

Fast die Hälfte mit «Lösung»

Basierend auf den bei der Schliessungsankündigung genannten Zahl von 330 Betroffenen habe inzwischen fast die Hälfte «eine Anschlusslösung» gefunden. Dazu zählten 25 Lernende, die überwiegend in den Berufslernverbund Zuchwil übergetreten seien, Mitarbeitende, die in den in Zuchwil verbleibenden Bereich Zubehör übertreten, ordentliche und frühzeitige Pensionierungen sowie rund 40 Beschäftigte, welche inzwischen selbst gekündigt hätten.

Die Bosch-Erfolgsmeldung ist aber zu relativieren. Denn der Wechsel der Lernenden war offenbar schon längers geplant gewesen und die «Selbstkündiger» haben das Heft in die eigene Hand genommen. So oder so, Tatsache ist, dass «aktuell 180 von der Schliessung direkt Betroffene noch keine Lösung gefunden haben», sagt Lepple weiter. In einem ersten Schritt laufe nun für die älteren Mitarbeitenden das Outplacement-Programm an, um sie bei der Stellensuche möglichst optimal unterstützen zu können.

Zwei Interessenten für Zuchwil

Gleichzeitig habe die Suche nach einem Investor, der möglichst viele der industriellen Arbeitsplätze am Standort Zuchwil erhalten will, weiterhin oberste Priorität. Insgesamt seien unter der Federführung des Beratungsunternehmens Boston Consulting direkt 75 Firmen und 15 Branchenverbände mit rund 900 Firmenmitgliedern kontaktiert worden. «Unter dem Strich sind zwei Firmen hängen geblieben», zieht Lepple Bilanz. Beide Firmen seien aber «nur» an Teilen der Fläche und Mitarbeitenden interessiert.

Da beide Betriebe zu ähnlich gelagert seien, käme nur einer der beiden zum Zuge. Über die Zahl der möglicherweise so geretteten Arbeitsplätze kann Lepple keine Angaben machen. Die eine Firma werde bis Ende September signalisieren, ob das Interesse vorhanden bleibt, die andere frühestens Mitte nächsten Jahres.

Das insgesamt relativ doch geringe Interesse begründet Lepple damit, dass die Firmen keinen Bedarf hätten oder am eigenen Standort erweitern oder der Kapazitätsausbau bereits in Umsetzung sei.

Erfreulich sei, dass daneben weitere Firmen angefragt hätten, einen Teil der Beschäftigten für ihre eigene Produktion zu übernehmen. Zudem zeichne sich ab, dass ein Teil der Motorenfertigung mit acht bis zehn Arbeitsplätzen an einen bisherigen Zulieferer ausgelagert werden könnten. Im Bereich der Entwicklung liefen Verhandlungen mit zwei Firmen zur Übernahme «einiger Mitarbeitenden».

Nicht zustande kommt dagegen ein Management-Buy-out für die Wellenfertigung mit 15 bis 20 Arbeitsplätzen. Obwohl es von allen Beteiligten zu Beginn als vielversprechend beurteilt worden ist. «Nach sorgfältiger Prüfung wurde entschieden, das technische Kern-Know-how im eigenen Hause und nahe bei der Montage zu behalten. Deshalb wird die Wellenfertigung ebenfalls nach Ungarn verlagert», begründet Lepple.

Temporärpersonal angestellt

Mit der Verlagerung der ersten Montagebänder nach Ungarn werde ab September begonnen. Die dadurch frei werdenden Beschäftigten würden dann in anderen Montagelinien eingesetzt.

Wie im Sozialplan festgehalten, darf Bosch bis Ende März 2015 keine Kündigungen aussprechen. Das bedeute, so Lepple, dass die ersten Stellen ab August/September 2015 definitiv wegfallen würden. Die gesamte Verlagerung der Fertigung nach Ungarn soll wie geplant im Herbst 2016 abgeschlossen sein.

Die Ironie der Geschichte ist, dass zwischenzeitlich Temporärpersonal im kleinen Umfang angestellt werden muss, um wegen der erwähnten Eigenkündigungen von Fachkräften Produktion und Montage aufrechterhalten zu können, wie Lepple bestätigt.