Die Lage an der Strompreisfront hat sich in den vergangenen Jahren etwas beruhigt. Während sich nach der Teilliberalisierung des Schweizer Strommarktes 2009 der «Pfuus» flächendeckend massiv verteuerte, sind die Preisschwankungen für Privathaushalte heute moderat. Geblieben aber sind die grossen Unterschiede je nach Gemeinde.

Insgesamt müssen die Solothurner Konsumentinnen und Konsumenten ab 2014 weniger für ihren Strom bezahlen. Für den typischen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden (kWh) macht die Reduktion im Durchschnitt 1,9 Prozent auf 20,32 Rappen pro kWh aus (siehe Tabelle). Absolut sinkt die jährliche Belastung gegenüber dem Vorjahr um 18 auf 914.40 Franken. Im Kanton Bern dagegen wird der Strompreis für dieselbe Haushaltkategorie um 4,6 Prozent teurer. Er steigt für den typischen Haushalt um 45.45 Franken auf 1023.30 Franken pro Jahr. Die Zahlen basieren auf Angaben der Versorger auf dem Strompreisrechner der Überwachungsbehörde Elcom.

Zwar ist ein Vergleich der Tarife mehrerer Versorger und in verschiedenen Gemeinden schwierig. Denn jeder Haushalt ist individuell, abhängig vom Gesamtverbrauch, Aufteilung in Hoch- und Niedertarif, Wochenendvergünstigungen usw. Trotzdem ermöglicht der erwähnte Internet-Strompreisrechner einen Vergleich auf Gemeindeebene, zum Beispiel eben für den typischen Haushalt, genannt Profil H4.

In Neuendorf zahlt dieser Haushaltstyp mit 14,15 Rappen pro kWh mit Abstand am wenigsten im Kanton Solothurn. Zwar steigen auch in der Gäuer Gemeinde – wie in allen Schweizer Gemeinden – die Netznutzungskosten. Aber laut Preisrechner sinken die reinen Stromkosten massiv. Linus von Arx, Präsident der Elektra-Kommission, versteht zwar, dass angesichts «unserer günstigen Tarife Fragen aufkommen». Aber das Geheimnis will er nicht lüften. «Einerseits sind die Beratungen unserer Elektrakommission nicht öffentlich, andererseits wollen wir unsere Interna auch nicht preisgeben», erklärt er auf Anfrage. Immerhin stehe man bei den Grosskunden im Wettbewerb mit Anbietern nationalen Formats.

Nicht klar, wieso Grenchner 70 Prozent zahlen als Neuendörfer

Etwas konkreter sind die Antworten von Per Just, Geschäftsleiter der SWG Grenchen. Jene Stadt, in welcher unser Durchschnittshaushalt mit 23,83 Rappen pro kWh am meisten im ganzen Kanton berappen muss. Im Vergleich zu Neuendorf beträgt der Aufschlag fast 70 Prozent. Das Verbrauchsprofil H4 sei für Grenchen «nicht massgebend». Dieses basiere auf dem Einheitstarif, während der Grossteil der Grenchner Kunden über den Doppeltarif, also Tages- und Nachtstrom, abgerechnet wird, was für den Endkunden günstiger sei. Warum aber der Pfuus für den Modell-Haushalt auch deutlich höher ist als im Kantons-Durchschnitt, kann Per Just nicht beantworten, weil er die Situation der anderen Netzbetreiber nicht kenne. Dagegen bestätigt er seine frühere Aussage: «Über alle Verbrauchsprofile hinweg wird der Strompreis in Grenchen durchschnittlich um 1 Prozent sinken.»

Die Stromtarife in den anderen Gemeinden liegen relativ nahe beim Kantonsdurchschnitt. Auffallend sind die mit 18,34 Rappen pro kWh günstigen Preise für das Haushaltsprofil in der Stadt Solothurn. Der Versorger Regio Energie begründete die Senkung mit «einer optimierten Beschaffungsstrategie am Strommarkt».

Im Oberaargau fällt auf, dass der Totalpreis für den Strom im Gegensatz zum Solothurnischen praktisch in allen Gemeinden auf Anfang 2014 steigen wird. In Wiedlisbach wird unser Durchschnittshaushalt am meisten bezahlen müssen. In Niederbipp steigen zwar die Tarife gegenüber dem Vorjahr auch um sieben Prozent an, aber unter dem Strich kennt die Gemeinde weiterhin die mit Abstand tiefsten Tarife im Oberaargau. René Suter, Leiter der Bauverwaltung und der Werkbetriebe, macht dafür mehrere Gründe geltend.

Er nennt die kompakte Netzstruktur mit kurzen Distanzen sowie die optimale Kundenstruktur bezüglich abgesetzter Strommenge und Anzahl Kunden. Ferner müssten die Kunden in Niederbipp keine Gemeindeabgaben bezahlen, und «dank Reserven in der Spezialfinanzierung gewähren wir auf die Netz- und Energiepreise einen Rabatt». Dass der Totalpreis trotz günstigerer Beschaffungskosten für die reine Energie steige, liege in den deutlich höheren Kosten für die Netznutzung.