Wenn ein gewissenhafter Steuerpflichtiger die Steuerrechnung erhält, bezahlt er sie, und zwar am besten sofort. Er hat ja schliesslich vorgesorgt und das Geld bereits auf dem eigens dafür errichteten Bankkonto angespart. Die Zahlung erleichtert nicht nur das Bankkonto, sondern auch das staatsbürgerliche Gewissen.

Was der Staat mit seinem Geld macht, hinterfragt unser Steuerzahler nicht. Er kann sich darauf verlassen, dass es sorgfältig verwaltet und nur für demokratisch legitimierte Staatsaufgaben verwendet wird. Darunter sind natürlich auch Ausgaben, mit denen er persönlich nicht einverstanden ist. Aber man hat ihm bereits in der Schule versichert, das gehöre zum Wesen der Demokratie. Man könne nicht immer auf der richtigen Seite, also auf der Seite der Mehrheit stehen. Hinzunehmen ist auch, dass die Verwaltung hin und wieder Steuergelder verschleudert. Fehler passieren überall.

Schwieriger wird es vielleicht, wenn die Steuern zum persönlichen Nachteil unseres Steuerpflichtigen verwendet werden. Kann ihm beispielsweise zugemutet werden, dass er mit seinen Steuern die neue Bahnlinie mitfinanziert, für die er seine Wohnung aufgeben muss? Wahrscheinlich schon, denn auch das gehört letztlich zur Demokratie, in der es auch für solche Fälle gesetzliche Regeln gibt. Reine Eigeninteressen haben dem angeblichen Gemeinwohl zu weichen.

Wie aber steht es, wenn der Steuerzahler zur Überzeugung gelangt, dass sich der Staat oder von ihm unterstützte Organisationen widerrechtlich oder moralisch verwerflich verhalten? Kann von einem Steuerzahler beispielsweise verlangt werden, dass er gegen seinen ausdrücklichen Willen ausländische Organisationen mitfinanzieren muss, die den Kampf gegen sein Heimatland unterstützen? Oder kann ihm zugemutet werden, «Justizvollzugsanstalten» – so heissen neuerdings unsere Zuchthäuser – mitfinanzieren zu müssen, in welchen psychisch kranke Straftäter weit über die Dauer ihrer Freiheitsstrafe hinaus eingesperrt, mit Medikamenten ruhiggestellt und zu sogenannten Psychotherapien gezwungen werden, die bereits an den Rahmenbedingungen scheitern müssen? Bei diesen Beispielen ist wahrscheinlich schon die Fragestellung falsch. Die richtige Frage ist nicht, ob die Steuern bezahlt werden müssen. Die richtige Frage ist viel eher, ob sie bezahlt werden dürfen.

Doch die Fragestellung erweist sich als überflüssig. Wenn der Steuerpflichtige nämlich nicht von sich aus zahlt, holt sich der Staat – wenn nötig mithilfe der Polizei – jeden Rappen, der ihm gemäss Gesetz und den Berechnungen seiner Steuerkommissäre zusteht. Sich zu widersetzen ändert am Verwendungszweck der Steuergelder nichts. Das wäre selbst dann der Fall, wenn sich die Mehrheit der Stimmberechtigten auf die Seite unseres Steuerzahlers schlagen würde. Der Staat hat es eben nicht nötig, seine Autorität zu legitimieren oder zu rechtfertigen. Sie basiert letztlich immer auf der banalen Tatsache, dass er sich bei Bedarf auch unter Anwendung von Gewalt durchsetzen kann.