Noch sind Proben angesagt, bis der alpenländische Sagenstoff unter dem Titel «Die Steinkönigin» am 27. Februar im Kulturhof Schloss Köniz seine Uraufführung feiert. Doch was jetzt bereits zu hören ist, bezaubert durch Sprache und Musik. Das Duo «Jostundberger», das die Schauspielerin Silvia Jost und Regisseur sowie Autor Andreas Berger seit zehn Jahren bilden, hat eine alte märchenhafte Überlieferung aus dem schweizerischen Hochgebirge, die sie 2011 entdeckten, wieder zum Leben erweckt.

«Weil wir bei unseren Aufführungen nicht nur theatralisch, sondern immer auch musikalisch denken, fanden wir im Blechbläser-Quartett Altophonium und seinen Mitgliedern Christoph Hertig, Monika Zuber, Reimar Walthert, Jan Müller und ebenso in Pianistin Kathrin Hartmann begeisternde instrumentale Partner», kennzeichnet Berger das gelingende Zusammenwirken für dieses Werk.

Als wahren Glücksfall benennt er den Auftrag an Komponist Etienne Crausaz, der das Berger-Libretto innerhalb weniger Monate in eine musikalische Dichtung kleidete. Seine impressionistische Tonsprache vermittelt der Legende um die aus menschlichen Urängsten gefürchtete Steinkönigin Tanna geradezu zwingende Kraft, lässt die Naturgewalten ihres Herrschaftsbereichs erleben und erzählt in fein dosierter Leichtigkeit von ihrer Liebe zu einem jungen Senn. Ihn als Einzigen hat sie nicht getötet, konnte er doch, wie eine Grossmutter ihrem Enkel berichtet, am Ende des Sommers unbeschadet ins Tal zurückkehren. Dort wusste man, dass eigentlich jeder, der Tanna begegnete, um sein Leben bangen musste. Selbst die Nennung ihres Namens brachte Unglück.

«Jostundberger» haben diese ungewöhnliche Liebesgeschichte ohne allzu opulente Zutaten in eine schlichte poetische Form gegossen. In dieser ihrer Version entfalten allein die durch «Altophonium» bravourös und geschmeidig gespielte Musik wie auch die Worte der Erzählung ihren fesselnden Reiz. Der feinfühlig, variabel und gelegentlich wie magisch klingende Stimmeinsatz von Silvia Jost verleiht dem programmmusikalisch unterlegten Geschehen jene Ausstrahlung, die Fantasien der Zuhörerschaft beflügelt.

Seit 10 Jahren entwickelt und gestaltet das Künstler- und Ehepaar vielthematische Bühnenauftritte. «Wir haben kein Talent für allzu gängige Modeströmungen in der Theaterwelt», bekennt Berger, der lange Jahre das Theater in Chur leitete und seither freischaffend einzelne Regie-Engagements übernimmt. Die Aufführung von «Der Bettelstudent» mit dem von Katharina Spielmann geführten Chor «TaktLos» in diesem Sommer in Messen begleitet er ebenso wie das Freilicht-Landschaftstheater «Aufruhr in Nidwalden» im kommenden Jahr auf dem Ballenberg.

Ihre eigene Produktionsreihe zeigt bisher, und ebenso im neuen Werk, stets einen besonderen atmosphärischen Charakter, der aus lokal-regionalen Ereignissen und dem jeweiligen Aufführungsraum schöpft. Zum Ausdruck kommen häufig weiche, Vernunft und Logik entzogene Stimmungen, die menschliche Emotionen und gesellschaftliches Dasein doch ganz wesentlich mitprägen. «Grundsätzlich sind wir, um uns auf dem Marktplatz der Kultur zu behaupten, gerne vielseitig tätig», bekräftigen die beiden Theaterleute ihren Ideenreichtum, den sie lachend mit einer vielschubladigen Kommode vergleichen.

Dem Start von «Jostundberger» vor einer Dekade mit «Martins Weihnacht» folgten unterschiedlichste Darbietungen mit weitreichendem Spektrum, das grossenteils in ihrem Repertoire gepflegt und präsent ist. Geschätzt wird die von Bühnen- und Kabarettauftritten schweizweit bekannte Silvia Jost auch mit ihren Lesungen.

Aufführungen: 6. März, 17 Uhr, Zwinglikirche Grenchen; 11. März, 20.30 Uhr, Kreuzkultur Solothurn; 24. April, 17 Uhr, Kirche Messen.

Weitere Informationen unter www.jostundberger.ch.