Wintersport-Artikel
Die Sportgeschäfte im Kanton müssen sich behaupten

Nach einem verhaltenen Start in die Saison kurbelt der Schnee das Geschäft von Ski– und Snowboardverkäufern wieder etwas an. Doch die Sportartikelläden im Kanton leiden dafür unter ganz anderen Schwierigkeiten.

Noëlle Karpf
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Der starke Franken und Internet-Anbieter machen Ski-und Snowboardverkäufern zu schaffen

Der starke Franken und Internet-Anbieter machen Ski-und Snowboardverkäufern zu schaffen

Walter Schwager

Nach langem Warten erfreut der Winter die Ski– und Schlittelfans. Verschiedene Betriebe in der Region konnten ihre Lifte in Betrieb nehmen, Loipen und Pisten öffnen. Der Schnee ist auch für die Verkäuferinnen und Verkäufer von Wintersport-Artikeln eine Freude, weil er zahlreiche Kunden in ihre Geschäfte lockt.

Starker Franken ist ein Dämpfer

Mit Beratung gegen Online-Trend

Der Konkurrenz im Netz wirkt die Sporthus Balsthal AG mit Service-Leistungen entgegen. «Wir versuchen das anzubieten, was das Internet nicht kann», erklärt Claudio Albani. So setzt das Geschäft hauptsächlich auf Vermietung.
Albani Sport (ebenfalls Balsthal) reagiert einerseits mit Vergünstigungen auf das Angebot im Internet. Zudem bietet das Geschäft «Mieten-Testen-Kaufen» an. Kunden können Skischuhe eine Saison lang testen und im Frühling kaufen – sofern sie mit der Ware zufrieden sind. Dasselbe gilt für Skis und Snowboards.
Auch bei wirthsport (Grenchen) kennen die Sportartikelverkäufer ein Rezept gegen günstige Internet-Konkurrenz. «Man muss immer versuchen das Beste anzubieten», meint der Mitarbeiter. Und man solle darauf setzen das zu verkaufen, wovon man wirklich etwas versteht. «Es gibt sicher Leute, die vom Online-Angebot profitieren», heisst es weiter. «In unserer Branche braucht es aber nach wie vor Beratung, wenn man genau das Richtige will.»
«Skiservice innert zwölf Stunden, Fussanalysen und Skitesttage» – das bietet Bro Sport in Selzach an. Zudem setzt die Firma auf die Vermietung. (nka)

Mitarbeiter Claudio Albani verneint. «Wir beziehen die ganze Ware nur über Schweizer Betriebe und haben seit der Aufhebung des Mindestkurses noch keinen Rappen günstiger eingekauft.» Könnte das Angebot im Internet ein weiterer Grund für ein stockendes Geschäft sein? Im Netz werden zahlreiche Wintersportartikel günstig angeboten. Dies scheint in Balsthal nicht der Fall zu sein. «Wir bedienen hauptsächlich Stammkunden», so Albani. Diese würden nicht auf das Internet–Angebot umsteigen.

Wetterabhängiges Geschäft

Der Schnee «zieht die Leute» auch in den Zuchwiler Sportoutlet. Das «Wintersport–Business» sei wetterabhängig, so ist man nach einem «durchzogenen» Auftakt in die neue Saison nun zufrieden. Ob nebst dem Schnee auch von der Frankenstärke profitiert wurde, erfahren wir nicht. «Ich möchte die Karten nicht auf den Tisch legen», lacht der Mitarbeiter. Die Produkte würden nämlich über verschiedene Kanälen bezogen. Als Sportoutlet sieht das Zuchwiler Ladengeschäft in den verschiedenen Online–Angeboten keine direkte Konkurrenzierung.

Der lange ausgebliebene Winter konnte dem Geschäft von Albani–Sport in Balsthal nichts anhaben. «Viele unserer Stammkunden haben sich schon im November und im Dezember für den ganzen Winter eingedeckt», schreibt Geschäftsführer Rolf Albani. Die Weihnachtszeit wird als «eher ruhige Zwischenphase» bezeichnet, danach sei das Geschäft «leicht angestiegen». Der Verkauf von Skis und Snowboards soll diese Saison «überraschend» gut laufen.

Tiefe Preise hinterlassen Spuren

Im Gegensatz zu anderen befragten Geschäften kann Albani-Sport von der Aufhebung des Euro–Mindestkurses profitieren. Der Geschäftsführer betont zwar, dass die Firma ihre Produkte ausschliesslich von Schweizer Händlern bezieht. Dafür kann der Anbieter von einer Anpassung an die Verkaufspreise in Deutschland profitieren, die zu tieferen Skipreisen führe. Und das macht das Produkt für die Kunden attraktiver.

Was das Geschäft in Balsthal zusätzlich in Schwung bringt, sind Langlaufskis. Besonders Miet- und Test-Versionen seien beliebt. Dass Online–Plattformen den Fachhandel unter Druck setzen sei «allgemein bekannt». «Dies ist vor allem bei Produkten der Fall, welche keine oder wenig Beratung erfordern», meint Albani weiter. Viele Kunden würden aber realisieren, dass sie gerade bei Ski oder Snowboardschuhen im Fachgeschäft «viel besser bedient sind».

Auch bei der Grenchner Firma wirthsport sind die Preise diese Saison gesunken. Hier hat der starke Franken aber einen negativen Einfluss. «Unsere Ware ist 10 bis 20 Prozent günstiger geworden – das fehlt halt in der Kasse,» erzählt ein Mitarbeiter. Ausserdem lief es im Januar noch nicht so «berauschend».

«Als der Schnee noch nicht in Sicht war, hatte niemand Lust auf Schneesport», heisst es dazu. «Nach dem ersten Schneefall öffneten die meisten Lifte und die Kunden kamen doch noch zu uns», berichtet der Mitarbeiter. Nun sei man zufrieden, wenn man jeden Tag etwas «Büez» habe. Die Anbieter, die ihre Ware online verkaufen, werden auch hier wahrgenommen. Das Personal sieht sie aber nicht als «Konkurrenten», sondern als «Mitbewerber» an.

Hektisches Treiben

Momentan «12 bis 13 Stunden am Tag» zu tun gibt es bei Bro–Sport in Selzach. Dort wird auf die Stammkundschaft gesetzt, schreibt Geschäftsführerin Nicole Brotschi. Deshalb berechnet das Geschäft im Voraus, wie viel Material benötigt wird. Diese Saison seien vor allem Bekleidung, Ski und Snowboards gefragt gewesen. Artikel wie Helme und Brillen weniger. Nach den Schneefällen ist auch in diesem kleinen Laden «die Nachfrage klar gestiegen». Die Verzögerung allerdings machte sich besonders bei der Vermietung bemerkbar.

Und diese macht bei Bro-Sport «einen Grossteil der Einnahmen» aus. Dank des starken Frankens sei der Materialeinkauf für das Geschäft zwar billiger geworden – gleichzeitig werde die Ware aber auch günstiger verkauft. Auch das Angebot im Netz ist im kleinen Geschäft in Selzach spürbar: «Wir erleben immer häufiger, dass Kundschaft zu uns ins Geschäft kommt, sich beraten lässt und das Material dann im Internet bestellt», so Brotschi.

Viel Betrieb herrscht auch im Solothurner Bordogna Sport und bei Stöckli Zuchwil. Die beiden Geschäfte beteiligten sich aber nicht an unserer Umfrage.