«Was bringt die Solothurner Wirtschaft ins Rollen?». Das Thema interessiert. Rund 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung pilgerten ins Hotel «La Couronne» in Solothurn und füllten den grossen Saal bis auf den letzten Platz.

Am von der Solothurner Handelskammer, dem Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband und dem Branchenverband Interpharma organisierten Anlass war die Antwort rasch gefunden. Es ist das Zusammenspiel von grossen Unternehmen und kleineren Firmen, lautete der Tenor am Podiumsgespräch.

Der Katalysatoreffekt

Zuvor präsentierte Handelskammer-Direktor Daniel Probst einige Zahlen zur Solothurner Wirtschaft. Zwar seien die Unternehmen derzeit gut unterwegs, aber Solothurn hinke der gesamtschweizerischen Entwicklung bezüglich Wirtschaftswachstum, Warenexporten oder Schaffung von Arbeitsplätzen hintennach. Und: «In keinem anderen Kanton ist die Zahl der industriellen Arbeitsplätze so stark gesunken wie im Solothurnischen.»

Ein Hauptgrund dafür sei der Branchenmix. Denn die Schweizer Zahlen seien geprägt vom Boom in der Pharmaindustrie, welche in Solothurn kaum vertreten sei. Er sprach von einem Nachholbedarf im Bereich Life Science (Pharma, Biopharma und Medtech).

Deshalb sei die Ansiedlung von Biogen eminent wichtig. In Luterbach investiert der US-Biopharmakonzern 1,5 Milliarden Franken in den Bau einer neuen Produktionsanlage und schafft 600 neue Arbeitsplätze. Dank Aufträgen für das regionale Gewerbe und Zulieferer sowie Zuzug von neuen Zulieferfirmen würden im Endeffekt, so Probst, rund 2000 neue Stellen entstehen. Dies sei ein gutes Beispiel für den von Grossfirmen ausgelösten Katalysatoreffekt sowie deren Wichtigkeit. So seien 99,8 Prozent aller Unternehmen im Solothurnischen KMU. Nur gerade 0,2 Prozent seien Grossbetriebe mit über 250 Vollzeitbeschäftigten. Diese wenigen Grossfirmen böten jedoch Arbeitsplätze für mehr als einen Viertel aller im Kanton Beschäftigten.

Für Podiumsteilnehmer Josef Maushart, CEO der Hochpräzisionswerkzeugherstellerin Fraisa in Bellach, funktioniert das Zusammenspiel auf mehreren Ebenen. Nicht nur erhalten etwa ansässige Zulieferer zusätzliche Aufträge, die Grossfirmen generieren Steuereinnahmen, die zusätzlichen Mitarbeitenden konsumieren in der Region oder zusätzliche Arbeitskräfte kommen in die Region, die wiederum hier Steuern bezahlen. Um letzteren Effekt zu erreichen, brauche es auch attraktiven Wohnraum. Das bestätigte Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri: «Die Nachfrage nach Wohnraum steigt spürbar.»

Er plädierte deshalb dafür, das Verdichtungspotenzial im Wohnbereich besser zu nutzen. Miriam Ragaz-Gassler, VR-Präsidentin der Hans Gassler AG, ein typisches KMU im Bereich Beschichtungstechnik, plädierte für gute Rahmenbedingungen, sowohl für Grosskonzerne wie auch für lokale KMU. «Wenn es den Grossen gut geht, geht es auch den Kleinen gut – und umgekehrt.» In diesem Zusammenhang lobte Markus Ziegler, Director Corporate Affairs bei Biogen, die Solothurner. «Wir sind offen und freundlich empfangen worden. Die Rahmenbedingungen sind gut und Solothurn liegt im Zentrum der Zentren.» Wichtig seien die bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU. Um das Werk in Betrieb nehmen zu können, benötige man viele Spezialisten, auch aus dem Ausland. «Bis anhin hatten wir keine Probleme damit.»

Angelehnt an dieses Votum betonten alle Podiumsteilnehmenden die Wichtigkeit der guten Beziehungen mit der EU respektive den Abschluss eines Rahmenabkommens. «Stabile Beziehungen zur EU sind für die Schweiz existenziell», sagte stellvertretend Kurt Fluri.

«Kein Selbstläufer»

Im Schlussgespräch unterstrich Gewerbeverbands-Geschäftsführer Andreas Gasche die Bedeutung, den Cluster «Life Science» weiter auszubauen. «Davon profitieren alle.» Daran müssten aber alle arbeiten, meinte René Buholzer, Generalsekretär von Interpharma. «Der Strukturwandel ist kein Selbstläufer.» Deshalb müsse verhindert werden, dass «ein Keil zwischen die KMU und die Grosskonzerne getrieben wird». Für das Zusammenspiel brauche es eben beide.