Konjunktur

«Die Solothurner Wirtschaft ist nach den schwierigen Jahren auf dem Weg der Erholung»

Nachfolge geregelt: Harry Affolter (l.) übernahm die BDO-Regionaldirektion Mittelland von Hansjörg Stöckli.

Nachfolge geregelt: Harry Affolter (l.) übernahm die BDO-Regionaldirektion Mittelland von Hansjörg Stöckli.

Das Treuhand- und Beratungsunternehmen BDO hat einen tiefen Einblick in die Geschäftsbücher der KMU und sieht die Firmen auf dem Weg der Erholung.

Wie ist der Zustand der Solothurner Wirtschaft? Wie meisterten die unzähligen KMU die schwierige Phase in den vergangenen Jahren? Wie steht es um deren Ertragslage? Um diese Fragen zu beantworten, braucht es erstens einen guten Überblick und zweitens einen tiefen Einblick ins Innerste der Firmen. Und den hat das von Solothurn aus geführte Treuhand- und Beratungsunternehmen BDO. «Wir zählen in der Geschäftsregion Mittelland über 3700 Firmenkunden», erklärt Hansjörg Stöckli, bis Ende August Leiter der BDO-Regionaldirektion Mittelland. Aufgrund der vielen Buchprüfungen, Revisionen und Beratungen sei man «sehr nahe am Puls der Firmen». «Wir können uns dadurch ein realistisches Bild über den Zustand in der Firmenlandschaft machen», ergänzt Harry Affolter im Gespräch. Er hat per Anfang September die Leitung der Regionaldirektion Mittelland von Stöckli übernommen (siehe Kasten unten).

Der Bericht über die aktuelle Lage fällt nicht schlecht aus. «Die Solothurner Wirtschaft ist nach den schwierigen Jahren auf dem Weg der Erholung», sagt Stöckli. Die Mehrheit der Firmen habe sich überraschend gut gehalten. Sie hätten sehr rasch auf die negativen Auswirkungen des starken Frankens reagiert; die Automatisierung vorangetrieben, die Produktivität erhöht und mit innovativen Produkten und Fertigungsprozessen geantwortet, beobachtet Affolter. Heute würden die Firmen ihren Kunden nicht mehr «nur» Teile liefern, sondern Gesamtlösungen und massgeschneiderte Komponenten, abgestimmt auf individuelle Wünsche, anbieten. «Die Lösung in Form eines Produkte-Unikates ist dann wichtiger als der Wechselkurs.»

Starker Franken trifft alle

Trotzdem. Der Frankenkurs habe einen entscheidenden Einfluss auf den Geschäftsgang der Firmen; und zwar nicht nur für jene, welche stark im Export tätig seien. Auch die meisten der auf dem Inlandmarkt tätigen Unternehmen seien von einem harten Franken betroffen, weisst Affolter. «Die ausländischen Konkurrenten drängen – gerade auch wegen des Wechselkurses – verstärkt auf den Schweizer Markt, was die hiesigen Firmen unter Druck setzt.» Gerade deshalb werde die jüngste Abschwächung der Schweizer Währung – insbesondere gegenüber dem Euro – helfen, die Auftragslage weiter zu verbessern.

Insgesamt flattern den meisten Firmen wieder mehr Aufträge auf den Tisch, meint Stöckli. Hauptgrund dafür sei die gut laufende Konjunktur in Europa, insbesondere in Deutschland, sowie auch in Nordamerika und Asien. «Das, zusammen mit dem schwächeren Franken, generiert Aufträge.» Allerdings seien die Unterschiede gross. Etliche Betriebe rapportierten Rekordzahlen, andere wiederum kämpften unverändert um das Überleben.

Ohne Gewinn keine Entwicklung

Gerade als Revisoren und Buchprüfer wissen die BDO-Berater aber, dass der Umsatz allein nicht matchentscheidend ist. Stöckli und Affolter bestätigen Aussagen von Branchenverbänden, wonach bei vielen Unternehmen die Ertragslage schlecht gewesen sei. «Die Mehrheit der KMU hat nach dem Frankenschock 2015 nichts mehr verdient, der Währungsnachteil ging voll zulasten der Marge.» Aber auch hier zeichne sich ein besseres Bild ab. «Die teilweise sehr unbefriedigende Ertragslage entspannt sich.» Das sei auch nötig, denn die Faustregel sage, dass ein Unternehmen mindestens einen Gewinn von zehn Prozent des Umsatzes erzielen müsse, um langfristig überleben zu können. Nur so sei es möglich, die nötigen Investitionen tätigen zu können. Affolter spricht aktuell von einem Nachholbedarf bei Investitionen. «Wir stellen fest, dass die Firmen nun wieder vermehrt investieren.»

Nachfolgeregelung: Heikles Thema

Über den Geschäftsgang hinaus seien viele KMU auch mit dem Problem der Nachfolgeregelung konfrontiert, hält Affolter fest. Bis vor 30 Jahren sei die Nachfolge zu 70 bis 80 Prozent der Fälle familienintern gelöst worden. Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels und neuer Wertvorstellungen sei das inzwischen nicht mehr der Fall. Das Verhältnis sei heute gerade umgekehrt, und mehrheitlich erfolge die Nachfolgeregelung ausserhalb der Familie – sei es über ein Management-Buy-out oder einen Verkauf der Firma an Externe.

Das müsse, so Affolter, nicht negativ sein. «Denn die Kinder eines Unternehmers müssen dessen Nachfolge übernehmen wollen und dies auch fachlich und menschlich können. Ohne Herzblut kommt es nicht gut.» Die Lösung einer Firmennachfolge brauche viel Zeit und Vorbereitung. «Die Nachfolgeregelung ist ein heikles Thema, und nicht wenige Patrons haben Angst vor dem Moment, loszulassen.» Das sei keineswegs altersabhängig. «Wenn ein Unternehmer nicht mehr unternehmerisch handelt und sich seine Firma nicht mehr weiterentwickelt, dann ist es Zeit, die Nachfolge anzupacken.»

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