Dank Geschäftstourismus
Die Solothurner Stadthotellerie trotzt dem Euro

Der im Kanton Solothurn dominierende Geschäftstourismus ist weniger preissensibel. Die Zahl der Auslandsgäste nahm zu.

Franz Schaible
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Die Hotellerie in den regionalen Städten hat sich gegen den nationalen Trend gut behauptet.

Die Hotellerie in den regionalen Städten hat sich gegen den nationalen Trend gut behauptet.

KEYSTONE

Der starke Franken hinterlässt deutliche Spuren im Schweizer Hotelgewerbe. Allerdings sind die Unterschiede frappant. Während die ausgesprochenen Tourismusregionen in den Alpen unter dem Ausbleiben ausländischer und inländischer Gäste ächzen, verzeichneten die städtischen Regionen 2015 – im Jahr mit dem Euroschock – eine Zunahme.

Allen voran etwa die Regionen Zürich, Luzern, Basel oder Genf, wie das Bundesamt für Statistik vor wenigen Tagen meldete. Dass die Städte den Bergorten – was die Entwicklung der Logiernächte betrifft – den Rang ablaufen, bestätigt sich auch im Grossraum Solothurn/Olten/Oberaargau.

Ob Bern, Egerkingen, Olten oder Solothurn – die Hotels blieben trotz hartem Franken für die Touristen aus dem Ausland beliebt. Die Zuwachsraten bewegen sich zwischen 1,9 und 17,8 Prozent, wie eine Detailauswertung der Zahlen der Bundesstatistiker zeigt (siehe Tabelle). Besonders interessant ist die Aufschlüsselung nach Herkunftsregion: In fast allen erfassten Städten in unserer Region sind teilweise deutlich mehr Gäste aus Europa in den Hotels abgestiegen als im Vorjahr. Landesweit dagegen sank die Logiernächtezahl, generiert durch europäische Gäste, um fast zehn Prozent auf den tiefsten Stand seit 1958. Zu dieser markanten Abnahme habe der starke Franken gegenüber dem Euro beigetragen, heisst es beim Bundesamt.

Die gegenläufige Entwicklung in der regionalen Stadthotellerie hat einen Hauptgrund: der überdurchschnittlich hohe Anteil des Geschäftstourismus. «Dieser beträgt bei uns 80 bis 85 Prozent», erklärt Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Olten Tourismus. Von «einem tragenden Element für die Hotellerie» spricht der Solothurner Verkehrsdirektor Jürgen Hofer. Auch direkt an der Front wird die Zunahme der ausländischen Hotelgäste damit bestätigt. So etwa im Zentrum Langenthal im industrielastigen Oberaargau. «Wir beherbergen rund 85 bis 90 Prozent Geschäftsleute», sagt Manuela Flückiger, Leiterin Réception im Hotel Bären in Langenthal. Im Oberaargau seien «nennenswerte grosse Firmen wie Ammann, Bystronic, Création Baumann oder Glas Trösch angesiedelt, welche weltweit agieren und dementsprechend ihre ausländischen Kunden nach Langenthal holen», ergänzt Murat Baki, Direktor des Hotels Auberge in Langenthal.

Der starke Franken, nicht nur gegenüber dem Euro, sondern gegenüber vielen wichtigen Währungen, macht die Übernachtung für ausländische Gäste zwar automatisch teurer. Hier spielt aber der überdurchschnittlich hohe Anteil an Businessgästen sozusagen eine entlastende Rolle. Die Auftragslage in der Industrie sei 2015 weitestgehend gut bis sehr gut gewesen, so der Oltner Tourismuschef Ulrich. Das bedeute, dass die Geschäftsleute unabhängig der Wechselkurse unterwegs seien. Kurz: Der Geschäftstourismus ist weniger preissensibel als der Freizeittourismus. Deshalb waren Preissenkungen für die Übernachtungen kaum ein Thema.

Die höhere Preissensibilität der Freizeittouristen zeigt sich darin, dass sich die Zahl der Inlandgäste mit wenigen Ausnahmen deutlich schlechter entwickelte als die Übernachtungszahlen der ausländischen Gäste. «Noch nie waren Ferien im Ausland so günstig wie im vergangenen Sommer», beobachtet der Solothurner Verkehrsdirektor Hofer.

Speziell gut unterwegs waren die Hotels entlang der Autobahnen. Zwar spürt das Hotel Mövenpick in Egerkingen am Autobahnkreuz A1/A2 entgegen den anderen Hotels den Euroeffekt direkt. «Vor allem die Gäste aus Deutschland und den Beneluxländern fehlen», sagt Geschäftsleiterin Ute Dirks. Dafür haben die Gäste aus Asien den Rückgang mehr als kompensiert. «Insgesamt sind die Logiernächte um 6,2 Prozent gestiegen.» Egerkingen sei für Tour Operator mit Gästen aus Asien «als Zwischenstopp sehr attraktiv und eine gute Alternative zu Luzern und Interlaken», beobachtet Dirks. Das Hotel Al Ponte in Wangen an der Aare, direkt an der A1, kann auch auf ein gutes Jahr zurückblicken. «Wir hatten mit 12 500 Logiernächten das Vorjahr um über zehn Prozent übertroffen», meldet Hotelier Frank Walter. Der Start ins laufende Jahr sei mit einer weiteren Zunahme um fünf Prozent geglückt.

Und Jürgen Hofer erwartet für das Stadtsolothurner Hotelgewerbe eine Konsolidierung auf hohem Niveau. «Der Rückgang im 2015 ist ein einmaliger Effekt.» In den ersten beiden Monaten 2016 sei die Zahl der Logiernächte deutlich gestiegen.